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Papas Vorbild hilft - Väter sollten ihren Söhnen vorlesen

Papas Vorbild hilft - Väter sollten ihren Söhnen vorlesen

Nach einem Grundschul-Bundesländervergleich steht fest: Im Süden lernen die Kinder besser. Die Studie bestätigt zudem, dass Jungen besser rechnen, Mädchen dafür besser lesen und schreiben können. Väter können ihren Söhnen helfen, indem sie ihnen vorlesen.

Ein Bundesländer-Grundschulleistungsvergleich beweist: Bayerns Grundschüler können am besten lesen, rechnen und zuhören - und daraus auch die richtigen Schlüsse ziehen. Die Studie wurde am Freitag (5. Oktober) von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin offiziell vorgestellt.

In allen drei getesteten Disziplinen - Lesen, Zuhören, Mathematik - dominieren in der Spitzengruppe überwiegend Länder aus dem Süden Deutschlands. Danach folgt im Leistungsranking ein sehr breites Mittelfeld mit marginalen Punktunterschieden. Erhebliche Probleme in allen Bereichen haben dagegen die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg.

Die Untersuchung bestätigt zudem frühere Erkenntnisse, dass Jungen besser rechnen, die Mädchen dagegen besser lesen und schreiben können. Dies wird besonders bei der Orthografie deutlich. Dort sind die Mädchen den Jungen im Schnitt um 32 Punkte voraus - was dem Lernfortschritt von einem halben Schuljahr entspricht.

Wollen Eltern ihren Söhnen nachhelfen, sollte sich insbesondere der Vater am Vorlesen beteiligen. Denn für Söhne ist das Lesen ansonsten sehr weiblich geprägt: Mütter, Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen - in ihrer Welt lesen meist nur Frauen. Zu ihrem eigenen Rollenbild gehört Lesen dann nicht dazu.

„Väter müssen als Vorbild aktiv werden“, findet Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. Im Idealfall verknüpfen Eltern mit dem Vorlesen kein Rollenbild. „Sie können abwechselnd vorlesen oder zusammen“, sagt Ehmig. Wenn der Vater wenig Zeit habe, reiche auch eine Vorleseeinheit pro Woche. „Wichtig ist aber, dass der Vater eine feste Größe ist.“

Um einer Leseschwäche bei Jungen vorzubeugen, sollten Eltern außerdem früh mit dem Vorlesen anfangen: „Der Lesestart beginnt, wenn Kinder ein Jahr alt sind“, sagt Ehmig. Dann können Eltern beispielsweise Bilderbücher mit ihren Kindern angucken. Ab diesem Zeitpunkt wird das Vorlesen idealerweise zum täglichen Ritual. So entwickelt es sich zum festen Lebensbestandteil der Kinder, und sie lernen: Lesen ist nichts Außergewöhnliches. Deshalb muss auch nicht nur das Schlafengehen zur Lesestunde herhalten. Nach dem Mittagessen eine Geschichte, bei schönem Wetter auf einer Decke im Garten - Hauptsache Lesen geschieht regelmäßig und ist alltäglich.

Bei der Themenwahl sollten sich Eltern den Interessen ihrer Kinder anpassen. Pauschale Leseempfehlungen für Jungen gebe es nicht, sagt Ehmig. Aber auch den Eltern muss das Thema gefallen. „Es bringt nichts, wenn der Sohnemann merkt: "Mama und Papa macht das keinen Spaß."“ Wenn Tochter und Sohn gemeinsam vorgelesen bekommen, sollten Eltern abwechselnd auf ihre Interessen eingehen. „Das kann auch zwischen den Geschwistern etwas in Gang bringen“, sagt Ehmig. „Sie erfahren dann, was den anderen interessiert.“ Und nicht nur für die Geschwister ist das wichtig. Das gemeinsame Lesen regt den Austausch zwischen allen Familienmitgliedern an und stärkt so das familiäre Gefüge.

Wenn Jungs sich mit dem klassischen Buch nicht locken lassen, bieten sich auch andere Medien an, zum Beispiel E-Books oder Zeitschriften. „Über Technikangebote gibt es ein Einfallstor, Jungs anzusprechen“, erklärt Ehmig. Wird aus dem staubigen Buch plötzlich ein cooler E-Reader, wird das Lesen attraktiver und bekommt bei den Jungen ein besseres Image.

Auch Zeitschriften werden von Jungen akzeptiert und können zum Lesen motivieren, denn sie bieten kürzere Texte und mehr Themen. Die Medienvielfalt macht's. Zu viel Motivation fürs Lesen gebe es nicht, sagt Ehmig. Nur als Strafe dürften es Eltern niemals einsetzen. „Es darf kein Zwang sein.“

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