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So wird die Babypause nicht zur Aufstiegsfalle

So wird die Babypause nicht zur Aufstiegsfalle

Drei Monate oder drei Jahre: Wie lange Frauen nach der Geburt eines Kindes zu Hause bleiben, ist individuell. Sicher ist nur: Wer Karriere machen will, darf nicht zu lange mit dem Arbeiten aufhören. Doch wie lange ist zu lange?

Der Job macht Spaß, die Karriere läuft gut. Doch dann kommt das erste Kind. Nun fragen sich viele Frauen: Wie lange will ich in Elternzeit gehen? Einerseits ist ihnen die Karriere wichtig. Andererseits hat das Wohl des Kindes Priorität. Wie lange darf die Elternzeit also dauern, ohne dass danach die Karriere ins Stocken gerät?

„Wer Karriere machen will, sollte sich nicht allzu lange eine Auszeit nehmen“, findet Karriereberaterin Claudia Enkelmann aus Königstein. „Hat man eine hohe Position, kann man nicht einfach ein Jahr wegbleiben.“ Wer drei Monate nach der Geburt zu Hause bleibe, werde jedoch wohl kaum Probleme bekommen. „Das ist auch in Deutschland völlig akzeptiert.“

Sechs Monate Elternzeit könnten dann allerdings schon kritisch werden, sagt Enkelmann, selbst zweifache Mutter. „In einem halben Jahr verpasst man nicht nur den Anschluss an Abläufe im Unternehmen. Wichtige Projekte können auch nicht ein halbes Jahr liegen bleiben.“ Daher werde für diese Zeit meist eine Vertretung gesucht. „Und wenn die gut ist, könnte die einem den Job streitig machen und zur ernsthaften Gefahr für die eigene Karriere werden.“

Dennoch nehmen in Deutschland die meisten Frauen eine längere Auszeit nach der Geburt eines Kindes. Das Institut für Demoskopie Allensbach fand 2007 in einer repräsentativen Studie etwa heraus, dass Mütter im Schnitt 3,4 Jahre in Elternzeit gehen, berichtet Dörthe Gatermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Rechne man die Frauen heraus, die besonders lange zu Hause bleiben, komme man auf einen Mittelwert von etwa zwei Jahren Elternzeit pro Mutter.

Wie lange eine Frau zu Hause bleiben kann, ohne dass ihre Karriere leidet, geht laut Gatermann aus Studien nicht direkt hervor. Egal, wie lang die Auszeit nach einer Geburt ist: Wem der Job wichtig ist, sollte währenddessen Kontakt zum Arbeitgeber halten. „Es ist nicht sinnvoll, sich mit dem Antrag auf Elternzeit abzumelden und sich erst einen Tag vor Wiedereintritt in den Job zurückzumelden“, sagt Friedrun Bastkowski vom Berliner Verein Kobra. Besser sei, sich schon vorher wieder zu zeigen. So sei es möglich, nach der Geburt mit dem Kind vorbeizuschauen. „Außerdem kann es helfen, etwa ein Vierteljahr vor dem Ende der Baby-Pause ein Gespräch mit dem Chef zu vereinbaren.“ Man könne ihn um einen Termin bitten, um zu besprechen, wie es nach der eigenen Rückkehr weitergehen könnte.

Karriereberaterin Enkelmann rät sogar, deutlich mehr Zeit zu investieren. „Wer nach der Babypause wieder in seinen Job zurück und weiter Karriere machen will, sollte während der Elternzeit nicht nichts tun.“ Besser sei, kontinuierlich am Ball zu bleiben. „Ich kann zum Beispiel versuchen, mir jeden Tag 15 Minuten Zeit zu nehmen.“ Das sei im Tagesplan einer Mutter realistisch.

Ein nicht unwichtiger Aspekt: Vor der Geburt denken einige Frauen anders über ihre Babypause als danach. „Man merkt erst in der Pause, wie wichtig einem die neue Lebenssituation ist“, sagt Karriereberaterin Claudia Enkelmann. Möglicherweise laufe alles nicht so, wie vorher gedacht. Oder man genieße die neue Rolle sehr. „Deswegen sollte man erst nach der Entbindung entscheiden, für wie lange der Antrag auf Elternzeit sein soll.“