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Sorgt wachsende Job-Unsicherheit für mehr Selbstständige?

Leichter Anstieg : Sorgt wachsende Job-Unsicherheit für mehr Selbstständige?

Unter dem Eindruck der grassierenden Corona-Pandemie erleidet die Weltwirtschaft aktuell einen kräftigen Schock nach dem nächsten. Global verhängte Ausgangssperren samt geschlossener Geschäfte und Fabriken sorgen dabei für eine Entlassungswelle, wie sie die Welt seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat.

Dank oftmals großzügiger Regelungen zur Kurzarbeit ist Deutschland noch vergleichsweise gut aufgestellt, doch auch hierzulande verdichten sich die Anzeichen einer bevorstehenden Rezession. Denn selbst wenn die Fabriken von einem auf den anderen Tag ihre Tore wieder öffnen könnten, steht einem geregelten Produktionsablauf - ganz abgesehen von der ungewissen Nachfrage - ein entscheidendes Kriterium im Weg: Zehntausende an vor allem in Asien stillgelegten Fertigungsstätten sorgen dafür, dass der Nachschub an wichtigen Bau- und Ersatzteilen sowie Vorprodukten auch in Deutschland immer stärker ins Stocken gerät, was das erneute Hochfahren der Kapazitäten in den Fabriken zusätzlich erschwert.

Diese Entwicklung führt zu einer Entlassungswelle, der viele Millionen Jobs zum Opfer fallen dürften. So schätzen Experten, dass weltweit bis zu 50 Millionen Menschen entlassen werden könnten - eine direkte Folge der Viruspandemie. Allein in den aktuell von der Corona-Pandemie am stärksten betroffenen USA haben sich bis Mitte April 22 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet - ein Anstieg bisher unbekannten Ausmaßes, der die Schieflage der Ökonomie des Landes deutlich aufzeigt. Wirtschaftsfachleute prognostizieren deshalb bereits eine globale Rezession und einen krisenbedingten Einkommensverlust, der bis Ende des Jahres auf bis zu 3,4 Billionen US-Dollar ansteigen könnte.

In Anbetracht der daraus resultierenden Unsicherheit vieler, die auf die Zukunftsfähigkeit ihrer Jobs nicht mehr vertrauen, wächst die Bedeutung von finanziellen Rücklagen, die es einem in diesen schwierigen Zeiten ermöglichen, die Situation zumindest mittelfristig finanziell relativ unbeschadet zu überstehen. Doch wie schafft man die Grundlage dieser Unabhängigkeit, von der viele träumen? Eine davon ist der Aufbau Ihres eigenen Geschäfts, um finanzielle Freiheit zu erreichen. Zuerst einmal ist die Frage der anzustrebenden persönlichen Unabhängigkeit allerdings äußerst subjektiv, da sie in direktem Zusammenhang mit dem individuellen Konsumverhalten zusammenhängt. Sprich, je genügsamer ein Mensch ist, desto schneller ist er imstande, finanziell unabhängig zu sein. Zumindest auf einen Teil dieses Faktors hat jeder durch Steuerung seines Ausgabeverhaltens unmittelbar Einfluss. Vielfach gelingt es deshalb bereits so, durch Einschränkungen bei Ausgaben für nicht unbedingt notwendige Waren und Leistungen, der finanziellen Unabhängigkeit einen Schritt näher zu kommen.

Darüber hinaus gilt es, eigene Ziele für die finanzielle Zukunft festzulegen und etwaige Schulden zu identifizieren, die dem Anliegen entgegenstehen, da sie den finanziellen Spielraum mitunter bedeutsam einschränken können. Auf Basis dieser Faktoren kann ermittelt werden, wie hoch der Geldbedarf zur Realisierung der gewünschten Freiheit ist. Häufig stellen Menschen fest, dass die Summe gar nicht so hoch ist, wie ursprünglich erwartet. Dies kann in einer angespannten Lage wie der aktuellen Situation bereits beruhigend wirken. Allerdings ist es den wenigsten Menschen vergönnt, ein solches Vorhaben kurzfristig umzusetzen. Allerdings tun sich im Zuge der Überlegungen vielfach ganz neue Wege auf, um das Ziel zu erreichen. Tatsächlich könnten viele Menschen die Situation nutzen, um über andere Formen des Gelderwerbs nachzudenken. Dazu zählen beispielsweise die Selbstständigkeit oder freiberufliche Tätigkeiten, die im Erfolgsfall der wirtschaftlichen Unabhängigkeit eine bedeutende persönliche Komponente hinzufügen. So bietet der Aufbau eines eigenen Onlineshops heutzutage vielfach die Möglichkeit, ohne all zu hohen finanziellen Aufwand zu testen, inwieweit man die n nötigen Eigenschaften für eine Selbstständigkeit mitbringt. Natürlich erfordert die Umsetzung des Vorhabens eine gewisse Portion Mut, sich auf eine nicht sicher zu prognostizierende berufliche Zukunft einzulassen. Angesichts der wachsenden Arbeitslosenzahlen, von denen auch viele Branchen betroffen sind, die bisher als absolut krisensicher galten, ist vollkommene Sicherheit momentan jedoch in den wenigsten Bereich zu erwarten. Das mag ein Grund dafür sein, dass auch hierzulande wieder mehr Menschen über die Selbstständigkeit nachdenken. Doch noch ist es zu früh, feste Schlüsse aus einer möglichen Verbindung zwischen der aktuellen Krise und dem leichten Anstieg der Selbstständigen zu ziehen.

Dass die Wirtschaftsentwicklung auch im größeren Rahmen momentan alles andere als sicher zu prognostizieren ist, zeigt sich den an jüngst veröffentlichten Quartalszahlen vieler Banken. Dort vermeldeten Schwergewichte der internationalen Finanzindustrie wie die US-Banken JP Morgan und Wells Fargo Gewinnrückgänge im Milliardenbereich. Zwar verdiente insbesondere JP Morgan noch immer prächtig und kam in den ersten drei Monaten des Jahres auf einen Gewinn von 2,9 Milliarden US-Dollar. Doch im Vergleich zum Vorquartal kommt dies einem Rückgang von über zwei Drittel gleich, während der Gewinn von Wells Fargo sogar von 5,9 Milliarden auf nur noch 653 Millionen einbrach. Es zeigt sich also, dass nicht nur der Einzelne, sondern auch millionenschwere Weltkonzerne von den wirtschaftlichen Turbulenzen hart getroffen werden. Wer es allerdings geschafft hat, sich eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit zu bewahren, kann den wirtschaftlichen Widrigkeiten etwas entspannter entgegensehen.