Vergütungsreport 2018: Das verdienen Oberärzte in Deutschland

Arbeitsmarkt : Vergütungsreport 2018: Das verdienen Oberärzte in Deutschland

Im Verhältnis zur durchschnittlichen Bevölkerung verdienen viele Ärzte in deutschen Krankenhäusern nicht schlecht. Insbesondere, wenn der Schritt zum Oberarzt geschafft ist, verbessert sich das Einkommen noch einmal deutlich. Und auch hier sind Schwankungen sowie jährliche Unterschiede üblich. Im Vergütungsreport 2018 wirft Kienbaum Consultants International einen genaueren Blick darauf.

Steigende Grundvergütung und Unterschiede in Fachrichtungen

In seinem Report spricht das Unternehmen von einer Steigerung der Oberarzt Gehälter von 2017 bis 2018 um rund 2,8 Prozent. Auch Chefärzte und Ärzte im Allgemeinen (+3,2 Prozent) verdienen mehr als noch im Vorjahr. So kam ein durchschnittlicher Oberarzt in Deutschland auf ein Jahresgehalt von rund 133.000 Euro; 2017 waren es noch 131.000 Euro. Diese Entwicklung untersuchte Kienbaum in seinem Vergütungsreport, für den Daten von 135 Krankenhäusern sowie 2.306 Ärzten verwendet wurden. Wer als Chefarzt tätig ist, erhält pro Jahr noch einmal deutlich mehr Geld: Im Schnitt beläuft sich deren Jahresgehalt auf 292.000 Euro. Fachärzte und Ärzte in Weiterbildung sind von diesen Werten noch weit entfernt. Sie verdienen durchschnittlich 93.000 bzw. 76.000 Euro jährlich.

Schon im Report aus 2017 stellte Kienbaum fest, dass sich das Gehalt von Oberärzten in Abhängigkeit von deren Fachrichtung und Spezialisierung gestaltet. Auch in 2018 bleibt diese Tatsache erhalten. Am besten verdienten Chirurgen (durchschnittlich 144.000 Euro), am „schlechtesten“ pädiatrische Oberärzte (durchschnittlich 127.000 Euro). In anderen Fachbereichen zeigen sich die Unterschiede der Durchschnittsgehälter wie folgt:

Die Arbeitsstätte beeinflusst den Verdienst

Doch nicht nur die Fachrichtung entscheidet darüber, wie gut ein Oberarzt in Deutschland verdient. Weitere ausschlaggebende Aspekte sind

Dies führte in 2018 zu erheblichen Abweichungen, denn manche Oberärzte verdienten weniger als 80.000 Euro, während andere mehr als 250.000 Euro jährlich erhielten. Sichtet ein Oberarzt Stellenangebote, wird sein zu erwartendes Gehalt folglich auch vom Herausgeber der Annonce beeinflusst.

Weiterhin beleuchtete Kienbaum, wie ausschlaggebend die Größe der Klinik für das Oberarzt Gehalt ist. Häuser, in denen höchstens 250 Mitarbeiter tätig waren, zahlten ihren Oberärzten im Schnitt 126.000 Euro, große Kliniken mit über 2.000 Angestellten hingegen 140.000 Euro. Ferner ist es maßgebend, ob das Krankenhaus in den alten oder neuen Bundesländern steht. Oberärzte in neuen Bundesländern verdienen im Schnitt 13 Prozent weniger als jene, die in alten Bundesländern arbeiten. Anzumerken ist jedoch, dass sich diese Lücke seit einiger Zeit mehr und mehr schließt.

Die Dauer des Angestelltenverhältnisses wirkt sich ebenfalls positiv auf Oberarzt Gehälter aus. Eine Positionszugehörigkeit von maximal drei Jahren ist mit einem durchschnittlichen Gehalt in Höhe von 128.000 Euro verbunden, bei mehr als 20 Jahren steigt der Schnitt auf 158.000 Euro. Ein entscheidender Grund für diese Gehaltsentwicklung ist die wachsende Erfahrung des jeweiligen Mediziners.

Flexible Anteile der jährlichen Vergütung bei Oberärzten gering

Während die variable Vergütung bei Chefärzten einen Anteil von rund 38 Prozent ausmacht, beläuft sie sich bei Oberärzten auf nur neun Prozent. Dabei gibt es verschiedene Modelle, mit deren Hilfe Chef- und Oberärzte einen flexiblen Gehaltsanteil erhalten. Dies sind:

Oberärzte werden besonders häufig an den Privatliquidationen von Chefärzten beteiligt. Die Grundlage hierfür ist die Abrechnung von sogenannten wahlärztlichen Leistungen, die der Patient als Ergänzung zu seinem Versicherungsumfang für sich nutzt. Etwas komplizierter erfolgt die Berechnung von Boni, für die Kriterien wie beispielsweise die Anzahl der Fälle, die Belegungsquote und das Betriebsergebnis herangezogen werden. Zudem kann sich ein Bonus aus qualitativen Gründen verändern. Er steigt entsprechend mit Faktoren wie der Zufriedenheit des Patienten oder auch der Behandlungsqualität.

Grundsätzlich war es rund 25 Prozent der Oberärzte in 2018 gestattet, einer Nebentätigkeit nachzugehen. Hiervon bezogen knapp 82 Prozent ein durchschnittliches Zusatzeinkommen von 7.000 Euro.

Weiteren Einfluss auf die Gehälter von Oberärzten hat deren Teilnahme an Ruf- und Bereitschaftsdiensten. Rufdienste wurden von 76 Prozent dieser Personengruppe geleistet, bei Bereitschaftsdiensten waren es nur 26 Prozent. Dabei leisteten die Mediziner monatlich rund 108 Stunden Rufbereitschaft, bei denen sie durchschnittlich 22 Stunden im tatsächlichen Einsatz waren. Bei Bereitschaftsdiensten belief sich die monatliche Dauer auf 33 Stunden Bereitschaft und 14 Stunden Einsatz. Dafür erhielten die Ärzte 2018 bei Rufbereitschaft 17.000 und bei Bereitschaft 7.000 Euro im Durchschnitt. Ob sich insbesondere dieser Aspekt in der Zukunft verändern wird, bleibt abzuwarten, denn derzeit arbeitet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an einem Gesetzesentwurf, der die Zusammenarbeit von Arztpraxen und Kliniken in der Notfallversorgung optimieren soll.

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