| 12:04 Uhr

Bloß kein Plagiat!
Wie Studenten korrekt zitieren

Einfach andere kopieren, das geht in wissenschaftlichen Arbeiten nicht. Fremde Quellen und Gedankengänge müssen korrekt zitiert werden. Foto: Robert Günther
Einfach andere kopieren, das geht in wissenschaftlichen Arbeiten nicht. Fremde Quellen und Gedankengänge müssen korrekt zitiert werden. Foto: Robert Günther FOTO: Robert Günther
Berlin. Karl-Theodor zu Guttenberg, Annette Schavan, Silvana Koch-Mehrin: bekannte Plagiatsfälle der vergangenen Jahre. Alle drei Politiker verloren ihren Doktortitel und traten von ihrem Amt zurück. Von Maximilian Konrad, dpa

Es waren Beispiele, die aufzeigten: Das richtige Zitieren ist eine Grundvoraussetzung des wissenschaftlichen Arbeitens. Deshalb lernen Studenten das meist auch schon in Einführungskursen. Dennoch gibt es immer wieder Unsicherheiten. Wichtige Fragen zum Thema:

Wie zitiere ich richtig?

Mit eindeutiger Kennzeichnung. „Wichtig ist, dass man klar ausweist, wo eine Übernahme beginnt, wo sie endet und wo sie herkommt. Als wortgenaues Zitat nutzt man Anführungszeichen mit anschließendem Verweis“, sagt Debora Weber-Wulff , Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.

Für Gerhard Dannemann, Jura-Professor an der Berliner Humboldt-Universität, besteht richtiges Zitieren aus mehreren Schritten. „Zunächst einmal sollten alle Quellen, die verwertet wurden, auch zitiert werden. Und zwar genau in dem Kontext, in dem sie verwertet wurden“, sagt er. Alle wörtlichen Übernahmen - ab etwa sechs bis sieben zusammenhängenden Wörtern - sollten markiert werden. Dazu zählten auch alle übernommenen Bilder, Tabellen oder Datensätze.

Dannemann untersucht regelmäßig Hochschulschriften auf Plagiatsvorwürfe. Er findet auch wichtig, dass Studenten alle zitierten Quellen selbst prüfen . „Wenn eine Quelle nicht nachgeprüft werden kann, dann sollte sie klar durch einen Hinweis wie „zitiert nach“ gekennzeichnet werden“, erklärt der Experte. Auch Paraphrasen, also sinngemäße Zitate, müssen gekennzeichnet werden.

Welche Zitierweisen sind zu unterscheiden?

Bei der sogenannten Zitierkonvention stehen sich das Harvard-System und das Fußnotensystem gegenüber. Beim Harvard-System wird die Quelle direkt nach einem Zitat in Klammern angegeben. Beim Fußnotensystem richten Anwender eine Fußnote in ihrem Schreibprogramm ein und versehen die Textstelle mit den jeweiligen Informationen. Wer Internetquellen zitiert, muss ergänzend zur URL auch das letzte Abrufdatum der jeweiligen Webseite angeben.

Wie groß darf der Anteil von Zitaten in einer Arbeit sein?

Das hängt von der jeweiligen Fachrichtung des Themas und der Forschungsfrage ab. „Als Faustregel würde ich sagen: Mehr als fünf Prozent Zitate sind selten sinnvoll“, sagt Dannemann. „Wenn man 20 Prozent erreicht, wird die Gefahr groß, dass sich die Arbeit wie ein Flickenteppich von Schnipseln liest und nicht wie ein eigenständiger Beitrag zur Vermehrung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes.“

Zu viele Zitate können sich sogar auf die Bewertung der Arbeit auswirken. „Wenn sich ein Verfasser nur von einem wörtlichen Zitat zum nächsten wörtlichen Zitat schleppt, hat er sprachlich eine schlechte Note verdient“, findet Martin Heidingsfelder von Vroniplag, einer Organisation, die Hochschulschriften auf Nachahmungen prüft.

Was droht Studierenden, wenn sie unsauber arbeiten?

Bestätigt sich ein Plagiatsvorwurf, droht nicht gleich die Exmatrikulation. Grundsätzlich hängt das etwa von der jeweiligen Prüfungsordnung ab, wie im Falle eines Plagiats verfahren wird. „Je nach Schwere ist zwischen einer 5,0 für den Teilleistungsnachweis und dem Ausschluss von der Erbringung weiterer Studienleistungen alles möglich“, erklärt HTW-Professorin Weber-Wulff.

Prof. Debora Weber-Wulff zu Plagiaten

Citavi – Software für Literaturverzeichnis

Vroniplag

Merkblatt der Uni Köln zum Zitieren

Debora Weber-Wulff arbeitet als Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Foto: Camilla Rackelmann
Debora Weber-Wulff arbeitet als Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Foto: Camilla Rackelmann FOTO: Camilla Rackelmann
Gerhard Dannemann ist Jura-Professor an der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Gerhard Dannemann
Gerhard Dannemann ist Jura-Professor an der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Gerhard Dannemann FOTO: Humboldt-Universität Berlin
Martin Heidingsfelder ist Plagiatssucher und Gründer von Vroniplag, einer Organisation, die Hochschulschriften auf Nachahmungen prüft. Foto: Dirk Messberger/Vroniplag
Martin Heidingsfelder ist Plagiatssucher und Gründer von Vroniplag, einer Organisation, die Hochschulschriften auf Nachahmungen prüft. Foto: Dirk Messberger/Vroniplag FOTO: Dirk Messberger
Die eindeutige Kennzeichnung wörtlicher Übernahmen aus fremden Quellen ist Grundvoraussetzung des wissenschaftlichen Arbeitens. Foto: Monique Wüstenhagen
Die eindeutige Kennzeichnung wörtlicher Übernahmen aus fremden Quellen ist Grundvoraussetzung des wissenschaftlichen Arbeitens. Foto: Monique Wüstenhagen FOTO: Monique Wüstenhagen