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Wie werde ich...? Alltagshelfer

Wie werde ich...? Alltagshelfer

Einkaufen, aufräumen oder kochen: Heilerziehungspfleger machen das nicht nur privat, sondern auch beruflich. Denn ihre Aufgabe ist die Betreuung von Menschen mit Handicap. Sie sorgen dafür, dass ihre Schützlinge gut durch den Alltag kommen.

Den ganzen Tag lang einen hilfsbedürftigen Menschen pflegen? Und das zum Beruf machen? Das ist für viele schwer vorstellbar. Die französische Komödie „Ziemlich beste Freunde“ gibt einen Eindruck davon. Der Film erzählt von der Freundschaft zwischen einem Querschnittsgelähmten und seinem deutlich jüngeren Betreuer Driss. Dem fallen viele Aufgaben wie Waschen, Anziehen, Füttern zunächst schwer. In Deutschland gibt es dafür den Beruf des Heilerziehungspflegers .

Driss ist für die Pflege von Behinderten nicht ausgebildet: Der Querschnittsgelähmte Philippe hat den jungen Arbeitslosen aus einem Problemviertel nur aus Sympathie eingestellt. Verständlicherweise ist ihm am Anfang vieles fremd: Seinen Arbeitgeber zu baden, findet er mehr als unangenehm.

Wer Heilerziehungspfleger werden möchte, für den gehören solche Aufgaben dazu. Die Fachkräfte unterstützen Menschen mit Handicap in ihrem Alltag - und helfen ihnen bei allen Aufgaben, die sie nicht alleine meistern können. Dabei zeichne der Film durchaus ein realistisches Bild, sagt Malica Belbouab von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege (BAG HEP).

Die meisten Menschen erledigen ihren Alltag, ohne lange über ihn nachzudenken. Menschen mit Behinderung stellen tägliche Routinen wie einkaufen, anziehen oder Mahlzeiten vorbereiten, dagegen oft vor große Probleme. Die Aufgabe von Heilerziehungspflegern ist es, sie bei der Bewältigung zu unterstützen. „Gemeinsam durch den Alltag“, könnte das Motto lauten.

Die Tätigkeiten sind vielfältig: Sie erledigen mit ihren Schützlingen Behördengänge, besorgen mit ihnen den Einkauf im Supermarkt, und helfen bei Problemen in der Schule oder bei der Arbeit. Sie packen im Haushalt mit an und gestalten die Freizeit mit. Unterstützt werden sie dabei von Angehörigen, Ärzten, Ehrenamtlichen und Integrationsfirmen, so die Bundesagentur für Arbeit.

Gleichzeitig müssen sie bei der Körperpflege assistieren. Intimzonen waschen oder die Zähne pflegen: Viele müssten erst einmal Ekelgefühle überwinden, so Belbouab von der BAG HEP. Selbst ernannte Samariter seien in dem Job jedoch völlig falsch. Armen Menschen helfen zu wollen, sei eine unpassende Einstellung. Vielmehr wollten Behinderte einfach am Leben teilnehmen. Heilerziehungspfleger unterstützen sie dabei.

Genau wie im Film: Dort begegnen sich Pfleger Driss und sein Schützling Philippe auf Augenhöhe. Wie wichtig das für den Querschnittsgelähmten ist, sagt er an einer Stelle im Film: „Das ist genau das, was ich will - kein Mitleid.“

Die Aufgaben in dem Beruf des Heilerziehungspflegers sind vielseitig. Das ist Vor- und Nachteil zugleich. „Man kann in 40 Jahren Berufsleben immer wieder Neues in der Arbeit finden“, schwärmt Belbouab. Gleichzeitig steigen viele Arbeitnehmer lange vor der Rente aus dem Job aus. Nach Angaben des bundesweiten Berufsverbandes HEP bleiben Heilerziehungspfleger im Schnitt sieben Jahre im Beruf. Das liege an der Arbeitsdichte, sagt Käthe Roos vom Deutschen Bildungsrat für Pflegeberufe.

Mehr als 200 Fachschulen bundesweit bilden Heilerziehungspfleger aus. Bewerber brauchen einen Realschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss mit einschlägiger, abgeschlossener Berufsausbildung wie Krankenpflegehelfer, erklärt Roos. Von Abiturienten und Quereinsteigern werden oft längere Praktika erwartet. Die Regelungen seien von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Zum Teil verlangen die Ausbildungsstätten Schulgeld.

Angehende Heilerziehungspfleger sollten gerne mit Menschen arbeiten: „Man braucht Empathie, muss sensibel sein und sehr gut beobachten können“, sagt Roos. Gesucht seien übrigens vor allem Männer, so Belbouab. Denn in der Branche arbeiten überwiegend Frauen.

Die Bandbreite der möglichen Arbeitgeber nach dem Abschluss ist groß: Heilerziehungspfleger werden in Kliniken, Heimen, Wohngemeinschaften und Kitas gesucht. Zudem beschäftigen auch immer mehr Privathaushalte Pfleger. „Die Berufsaussichten sind gut“, berichtet Roos.

Nach der Fachschule müssen viele Heilerziehungspfleger im Schichtdienst arbeiten. Das Einkommen kann nach dem Bundesland und dem Arbeitgeber schwanken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verdienen die Beschäftigten zwischen 2648 und 3441 Euro brutto im Monat.

Porträt des Berufs bei der Bundesagentur für Arbeit

Berufsverband Heilerziehungspflege