Wie werde ich...? Industriekaufmann

Berlin (dpa/tmn) · Es ist eine Ausbildung, die den Weg in viele Berufe eröffnet. Ob Einkäufer, Personaler oder Vertriebs-Mitarbeiter: Industriekaufleute sind echte Allrounder. Doch der Weg in den Job ist manchmal steinig.

 Viele Industriekaufleute arbeiten in ihrer Ausbildung auch in der Produktion. Wer später eine Stelle im Vertrieb übernehmen und das Produkt verkaufen will, muss es gut kennen. Foto: DIHK-Bildungs-GmbH

Viele Industriekaufleute arbeiten in ihrer Ausbildung auch in der Produktion. Wer später eine Stelle im Vertrieb übernehmen und das Produkt verkaufen will, muss es gut kennen. Foto: DIHK-Bildungs-GmbH

Eine Ausbildung zum Industriekaufmann ist ein bisschen wie ein Joker: Man kann ihn später in den verschiedensten Bereichen und Branchen einsetzen. Industriekaufleute kaufen Ware ein, kümmern sich um das Personal oder verhandeln mit den Kunden über Verkaufspreise. „Das ist der universale kaufmännische Beruf überhaupt“, sagt Klaus Heimann, der bei der Gewerkschaft IG Metall für die Bildung zuständig ist. Nicht zuletzt deshalb ist kaum ein Beruf bei jungen Leuten in Deutschland so begehrt. Seit Jahren hält sich der Industriekaufmann mit rund 50 000 Verträgen pro Jahr im Ranking der beliebtesten Ausbildungsberufe auf einem Spitzenplatz.

„Der Beruf hat wirklich ein außerordentliches Potenzial über alle Branchen hinweg“, betont Heimann. Ob es um Chemie, Elektronik, Möbel, Nahrungsmittel, Maschinenbau, Textilien oder Autos geht: In nahezu jedem Betrieb, der irgendetwas produziert, finde man auch Industriekaufleute. Und man könne später ohne große Probleme zwischen den Branchen wechseln. „Man kann sich auch in der Ausbildung erstmal in die Breite orientieren. Das ist ein Vorteil, weil viele junge Menschen noch nicht so genau wissen, was sie später einmal machen wollen.“

Doch die Konkurrenz um die Ausbildungsplätze ist entsprechend groß. „Die Anforderungen sind schon nicht ohne“, sagt Simon Grupe, Ausbildungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hatten im Jahr 2010 immerhin 62 Prozent der Lehrlinge die Hochschulreife. „Aber auch gute Realschüler sind zunehmend gefragt. Gerade wenn sie schon einmal ein Praktikum gemacht haben und gezeigt haben, dass sie engagiert sind.“

Eine gute Ausbildung zeichne sich dadurch aus, dass man alle kaufmännischen Bereiche einer Firma durchlaufen könne, sagt Heimann. Im Bereich Materialwirtschaft geht es darum, mit Zulieferern zu verhandeln und die gelieferte Ware zu prüfen. In der Personalabteilung geht es um Fragen wie den Urlaubsanspruch und tarifrechtliche Vorschriften. Im Vertrieb müssen sie Preise kalkulieren und mit den Kunden verhandeln. Im Rechnungs- und Finanzwesen sind sie für die Buchführung verantwortlich.

Angst vor Mathematik sollte man jedenfalls nicht haben, sagt Martina Dadek, Studiendirektorin am Robert-Schuman-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Essen. „Das ist zwar keine höhere Mathematik, sondern eher kaufmännisches Rechnen. Aber ein Dreisatz oder Zinsrechnung sollten schon sitzen.“ Ansonsten geht es in der Berufsschule um die theoretischen Grundlagen etwa beim Einkauf, beim Marketing oder beim Absatz. Und auch das Rechnungswesen ist ein großer Bereich, der einigen Schülern immer wieder Schwierigkeiten bereite. „Das Kontensystem, in dem man bucht, ist für viele schon sehr abstrakt“, sagt Dadek.

Die Verdienstmöglichkeiten von Industriekaufleuten sind stark von der Branche abhängig. In der Ausbildung liegt die Vergütung nach Angaben des BIBB zwischen 718 Euro im ersten und 898 Euro im dritten Lehrjahr. In der Metallindustrie, in der traditionell gut bezahlt wird, sei anschließend aber schon ein Einstiegsgehalt zwischen 2500 und 3000 Euro möglich, sagt Heimann.

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