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Zwischen Wiese und Kühlschrank

Zwischen Wiese und Kühlschrank

Milch, Butter und Käse gibt es fast in jedem Kühlschrank. Über ihre Produktion wissen viele allerdings nichts. Vom Euter in die Plastikverpackung - ist doch klar. Doch das ist ein langer Weg. Hier kommt der Milchtechnologe ins Spiel. Er bedient und kontrolliert die Produktionsanlagen, achtet darauf, dass richtig abgefüllt und verpackt wird. Das A und O in diesem Beruf ist die Einhaltung von Hygienestandards.

Thalfang. Sonntagmorgen halb zehn in Deutschland. Der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft, auf dem Frühstückstisch stehen Butter, Joghurt, Käse und andere Leckereien. Ein herzhafter Biss in das Käsebrötchen, ein genüsslicher Schluck vom mit Milch verfeinerten Kaffee. Ein guter Start in den Tag.TV-Serie: Unbekannte Ausbildungsberufe


Milchprodukte gehören zu den Standardlebensmitteln. Bis zum fertigen Molkereiprodukt ist es ein langer Prozess: Die Milch wird zuerst geschleudert und gereinigt. Sie muss zügig und hygienisch einwandfrei verarbeitet werden.
Danach wird für jedes Produkt eine eigene Rezeptur angewendet. Denn Quark und Butter unterscheiden sich in der Zubereitung genauso wie Kondensmilch und Käse. Bei der Herstellung und Abfüllung der Milchprodukte wird der Milchtechnologe benötigt. Er achtet unter anderem auf die Verteilung der Mikroorganismen, untersucht die Milch und steuert die notwendigen Maschinen.Auftritt Milchtechnologe


"In diesem Beruf geht es um technisches, chemisches und mikrobiologisches Verständnis", sagt Andreas Endres, Betriebsleiter bei Hochwald Foods in Thalfang. Milchtechnologen steuern und überwachen Produktionsanlagen. Zudem müssen sie Probleme erkennen und selbstständig lösen. "Wer Milchtechnologe werden möchte, muss sorgfältig arbeiten." In Molkereibetrieben ist Sauberkeit am Arbeitsplatz das oberste Gebot.
Ein Fehler bei der Reinigung kann die ganze Produktion zu Abfall machen. Deshalb wird vor sowie nach der Abfüllung und Verpackung alles gründlich gesäubert und desinfiziert. "Die Hygienestandards in diesem Beruf sind hoch. Das fängt schon bei der Kleidung an", sagt Endres.
Milchtechnologen sind ganz in Weiß gekleidet, die Haare sind unter einer Haube versteckt, Schmuck am Arbeitsplatz ist nicht erlaubt.Abwechslungsreich und vielfältig


Letzteres stört Natascha Lückert (26) nicht. Für sie ist der Beruf des Milchtechnologen der richtige: Das sorgfältige Arbeiten, der Umgang mit Technik sowie das Interesse an Naturwissenschaften - das alles macht ihr Spaß. Die 26-Jährige ist bei Hochwald im zweiten Lehrjahr.
Sie wurde von einem Bekannten auf die Ausbildung aufmerksam gemacht.
"Der erste Schritt für mich war ein Praktikum", erzählt sie. Unmittelbar danach bewarb sie sich für die Ausbildung zum Milchtechnologen. "Der Beruf ist abwechslungsreich und vielfältig. Jede Maschine ist anders, und kein Tag ist wie der nächste", sagt sie lächelnd.
Wenn die Milchsammelwagen von ihren Bauernhof-Touren zurück in den Betrieb kommen, beginnt für Natascha die Arbeit. Sie untersucht die Milch auf Farbe und Temperatur, schleudert und reinigt sie und entnimmt Proben zur Analyse.Gute Berufschancen


Auch wenn ihre Ausbildung noch ein Jahr dauert, überlegt sie, was sie als nächstes machen möchte - vielleicht eine Fortbildung. Oder sie bleibt bei Hochwald. Die Chancen für eine Übernahme sind laut Andreas Endres gut. Milchtechnologen arbeiten nicht nur in Molkerei- oder Milchbetrieben.
Auch im Bereich der Ernährungswissenschaft sind sie gefragt. "Milchtechnologen kennen sich mit Hygiene in der Lebensmittelproduktion sehr gut aus", sagt der Betriebsleiter. Sie können unter anderem in Brauereien oder bei anderen Getränkeherstellern eingesetzt werden.
"Die Milchverarbeitungsbranche ist ein vielschichtiger Arbeitsbereich mit vielen komplexen Abläufen. Wir machen sehr viel", sagt Endres. "Nur Kühe melken wir nicht."
Momentan gibt es bei Hochwald für das Ausbildungsjahr 2014 noch zwei freie Stellen zum Milchtechnologen. Weitere Informationen auf
hochwald.deExtra

Für den Beruf des Milchtechnologen sind handwerkliches sowie technisches Geschick wichtig. Interesse an Chemie, Physik und Mikrobiologie sind ebenfalls unabdingbar. Darüber hinaus sind ein guter Geruchs- und Geschmackssinn nötig. Die praktischen Fähigkeiten werden im Produktionsvertrieb erworben, während die theoretischen im Blockunterricht an der Berufsschule vermittelt werden. Ausbildungsvergütung: 1. Lehrjahr 715,07 Euro 2. Lehrjahr 798,26 Euro 3. Lehrjahr 905,57 Euro Dauer: Die Ausbildung zum Milchtechnologen dauert drei Jahre. Weiterbildungsmöglichkeiten: Nach der Ausbildung ist eine Fortbildung zum Molkereimeister möglich. mmpExtra

Die Hochwald Foods GmbH ist das drittgrößte Molkerei-Unternehmen in Deutschland. Gegründet wurde es 1932 in Thalfang. Dort werden Molkereiprodukte wie Butter, Kondensmilch und Milchpulver hergestellt. Sie werden für den regionalen wie internationalen Markt produziert. Aktuell exportiert Hochwald in mehr als 100 Länder, darunter Saudi-Arabien und China. mmp