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Weinbau
Deutscher Riesling - auch im Ausland sehr beliebt

Riesling ist hierzulande einer der beliebtesten Weißweine. Dies liegt am feinen Geschmack der deutschen Rieslinge, die mittlerweile Weltruhm erlangt haben.
Riesling ist hierzulande einer der beliebtesten Weißweine. Dies liegt am feinen Geschmack der deutschen Rieslinge, die mittlerweile Weltruhm erlangt haben. FOTO: stock.adobe.com / Pavel Chernobrivets
Der Riesling ist als Aushängeschild des deutschen Weinbaus auch über die deutschen Grenzen hinweg beliebt. Unter Connaisseuren hat sich gerade die Mosel als Anbaugebiet einen Ruf mit Weltruhm erarbeitet. Worin liegt die Besonderheit der Rebsorte und welche Lagen bringen besonders edle Tropfen hervor?

Riesling - welche Stärken charakterisieren diesen Wein?

Riesling steht wie kein anderer Wein für deutsche Weinkultur und prägt deren Image auf der ganzen Welt. Die bekannte Rebe wird hierzulande in sämtlichen Anbauregionen kultiviert und nimmt dabei eine Fläche von 23.800 Hektar in Anspruch. Damit wachsen 45 Prozent aller Rieslingtrauben weltweit in deutschen Weinlagen. Folgende Stärken sprechen für die weltbekannte Sorte:

Riesling-Anbau

Da sein charakteristisches Merkmal die fruchtige Säure ist, eignet sich Riesling für Weinregionen, die sich relativ weit im Norden befinden, jedoch Sonnenstunden bis in den Herbst bieten. In diesem Klima kann die langsam reifende Rebsorte die Ausbildung ihres Aromas optimal vollenden. Die Rebe ist anspruchsvoll, was die Lage anbetrifft, gibt sich allerdings mit kargen Bodenverhältnissen zufrieden. Diese Flexibilität fördert die Entstehung von Weinen mit unterschiedlichen Geschmacksnuancen, abhängig von Mikroklima und Bodenart. Steillagen entlang von Flüssen wie der Mosel, die im steinigen Material die Sonnenwärme gut speichern, erweisen sich als prädestinierte Anbauflächen für die Rieslingrebe.

Moselschleifen und Weinberge ziehen sich durch ganz Rheinland-Pfalz.
Moselschleifen und Weinberge ziehen sich durch ganz Rheinland-Pfalz. FOTO: stock.adobe.com / sunset man

Erscheinung und Geschmack

Eine blasse, grünlich-gelbe Farbe ist typisch für den Riesling. Sein Duft erinnert häufig an Äpfel oder Pfirsiche. Das Aroma des Weins variiert, je nach Alter, Ausbau und Herkunft. Im Allgemeinen findet man in jungen Tropfen Anklänge an Limetten, Zitronen und grünen Äpfeln, während reife Weine Nuancen von Ananas und Aprikosen hervorbringen. Auf Schieferböden gewachsene Trauben erzeugen eine mineralische Note im Riesling. Reben, die auf von Siliziumdioxid durchsetzten Kalkböden gedeihen, erzeugen im Glas die Duftnote aneinander reibender Feuersteine. Vorherrschendes geschmackliches Merkmal ist vor allem bei jungen Weinen die spritzige Säure, der in vielen Qualitäts- und Kabinettweinen eine zurückhaltende Süße entgegensteht. Die Süße ist dabei ein sehr wichtiges Element, weil sie den Riesling gut austariert.

Riesling zum Essen

Jungen Riesling genießen Kenner am liebsten solo, während sich gereifte Weine besser als Speisebegleiter anbieten. Dabei harmonieren die halbtrockenen und trockenen Varianten gut zu pochiertem Fisch, Geflügel und Kalbfleisch mit hellen Saucen. Spätlesen, ob halbtrocken oder lieblich, passen zu Frisch- und Ziegenkäse. Dessertkreationen mit Obst profitieren von einer süßen Spätlese als kulinarischer Partner, während Beerenauslesen sowie edelsüße Auslesen vorzügliche Apéritifs zu Festtagsmenüs abgeben.

Riesling ist auch im Jahrgang 2017 wieder ein echter Genuss.
Riesling ist auch im Jahrgang 2017 wieder ein echter Genuss. FOTO: stock.adobe.com / 5ph

Weinkenner empfehlen, Riesling frühestens ein Jahr nach der Ernte zu genießen. Die optimale Trinkreife besitzen viele Weine erst nach einigen Jahren, wobei die Lagerfähigkeit bei Spitzenprodukten kein Verfallsdatum kennt. Aufgrund seiner delikaten Säure eignet sich Riesling gut zur Schaumweinherstellung – das geschmackvolle Ergebnis können Liebhaber in Form zahlreicher Winzersekte genießen. Spitzenpreise bieten internationale Weinhändler in erster Linie für Riesling-Beerenauslesen und Eisweine.

Mosel und Co. – bekannte Riesling-Anbaugebiete

Mit fast 45 Prozent der weltweiten Anbaufläche ist Deutschland Riesling-Spitzenproduzent. In großem Abstand folgen darauf die USA (9,7%) als Zweitplatzierter, danach Australien (8,3%), Frankreich (7%), die Ukraine (5,4%) und Österreich (3,7%).

Eines der traditionsreichsten Anbaugebiete für Riesling ist die Moselregion. Historische Dokumente aus dem 15. Jahrhundert belegen, dass die Winzer an der Mosel und im Rheingau auf die längste Geschichte im Anbau der berühmten Rebe zurückblicken. Erst später verbreitete sich der Riesling nach Rheinhessen und in die Pfalz. Mit 5400 Hektar Anbaufläche ist die Region Mosel nach der Pfalz (5900 Hektar) der größte Rieslingproduzent Deutschlands. Besonders renommiert sind unter anderem die folgenden Lagen:

Trittenheimer Apotheke:
Vermutlich ist der ungewöhnliche Name der Lage auf eine Verballhornung des Wortes „Abteiberg“ zu „Apotheke“ zurückzuführen. Der Hang aus blau-grauem Schiefer in unterschiedlichen Verwitterungsstufen bringt laut Fachleuten selbst in schwierigen Jahren langlebige und substanzielle Weine hervor. Zuletzt auch mehrere hochprämierte Rieslinge wie der trockene Kabinettwein Jahrgang 2014 vom Weingut Ernst Clüsserath, der beim Riesling-Cup des Magazins „Der Feinschmecker“ im darauffolgenden Jahr den 2. Platz errang. Als Sieger des Cup ging vergangenes Jahr der Alte Reben Riesling vom Weingut Franz-Josef Eifel in Trittenheim hervor, der ebenfalls von der Apotheke stammt.

Piesporter Goldtröpfchen:
Die 66 Hektar umfassende Lage zieht sich von einem Steilhang oberhalb des Piesporter Ortsteil Ferres in südöstlicher Richtung bis hin zur Moselloreley. In ihrer Form, die an ein Amphitheater erinnert, beschrieb sie bereits der antike Dichter Ausonius im 4. Jahrhundert. In lyrischem Lob ergehen sich auch die Weinfachleute bei der Bewertung des Weines vom Goldtröpfchen. So zeichnete der Gault Millau die Piesporter Domherr Riesling Auslese Jahrgang 2013 mit 90 von 100 Punkten aus und lobt, der Wein tänzele gleich einer Primaballerina über die Zunge. Der Produzent, Winzer Gernot Hain, konnte zuletzt mit seinem Piesporter Goldtröpfchen trocken Jahrgang 2015 den Sieg beim Riesling Cup des Feinchmeckers erringen.

Wiltinger Scharzhofberg:
Weltberühmt ist diese Weinlage im Anbaugebiet Mosel, Bereich Saar, die sich auf einem Hügel zwischen Konz-Oberemmel und Wiltingen erstreckt. Auf der 28 Hektar große Steillage kultivieren die Winzer ausschließlich Riesling – mancher davon erlangte bereits internationalen Rekordstatus: Im Jahre 2015 wurden drei Flaschen Trockenbeerenauslese Jahrgang 2003 von Winzer-Star Egon Müller bei einer Auktion in Trier für 12.000 Euro pro Flasche versteigert. Auch die jungen Tropfen des berühmten Weinguts erzielen Spitzenpreise: 180 Euro kostete der Kabinettwein von 2016 vergangenes Jahr bei der Trierer Versteigerung pro Flasche.

Hat der Riesling eine Zukunft?

Hohe Temperaturen und Starkregen – in Deutschland zeigen sich auch dieses Jahr Wetterphänomene, die Experten als Konsequenzen des Klimawandels deuten. Wie wirkt sich die veränderte klimatische Umgebung auf den Riesling-Anbau aus?

Das Weinjahr 2017 – Vorbote des Klimawandels?

Deutsche Weinbauern mussten im vergangenen Jahr bezüglich der Witterung starke Nerven beweisen. Früh einsetzende warme Temperaturen lösten einen frühen Austrieb der Reben aus, die anschließend vielerorts durch Spätfröste Schaden nahmen. Während die Blüte- und Reifephase bei hohen Durchschnittstemperaturen verlief, stellten Starkregen und Hagel im Spätsommer vor allem Winzer in Rheinhessen und im Rheingau vor Probleme. Trotz der widrigen Umstände loben Fachleute den kontrastreichen Jahrgang 2017 und prognostizieren ihm im trockenen wie im edelsüßen Bereich eine gute Entwicklung. Übergreifend verbindet den 2017er Riesling der relativ hohe Säureanteil, der jedoch in den seltensten Fällen spitz oder störend ausfällt.

Der Huglin-Index bestimmt die geeignetste Anbauregion

Die von Pierre Huglin entwickelte Formel summiert die Außentemperatur über der Temperaturschwelle von 10 Grad Celsius im Zeitraum von April bis September. Jede Rebsorte benötigt zum optimalen Wachstum unterschiedliche Idealwerte: Während ein Müller Thurgau bereits bei kühlen 1500-1600H gedeiht, brauchen Grenache und Syrah 2100-2200H. Riesling hingegen profitiert von einem gemäßigten Temperaturbereich zwischen 1700-1800H. Analog zum Klimawandel sagen Experten voraus, dass die traditionell angebauten Rebsorten sämtlicher Regionen auf der Nordhalbkugel sich bis ins Jahr 2050 etwa 150-300km weit nach Norden verlagern. Die althergebrachte Grenze des 50. Breitengrades für den lohnenden Weinanbau würde damit überschritten. Während die heutigen Riesling-Anbaugebiete in 30 Jahren klimatisch für das Kultivieren von Merlot und Cabernet Sauvignon geeignet wären, würde Riesling in diesem Szenario besser in Gebieten um Potsdam wachsen als an der Mosel.

Liegt die Zukunft des Rieslings im Norden?

Dass zu hohe Temperaturen dem Riesling schaden, bewies zuletzt die Hitzewelle, unter der der Jahrgang 2003 heranreifte. Im Ergebnis fehlte dem Wein die Säure – was blieb war ein alkoholschweres Getränk ohne Raffinesse. Die Moselwinzer müssen in Zukunft allerdings nicht zwingend von ihrer Leitrebsorte abweichen. Am Geisenheimer Institut für Rebzüchtung untersuchen Wissenschaftler aktuell, wie sich verschiedene Riesling-Klone bezüglich Ertrag und Aromaprofil bei gestiegenen Temperaturen verhalten. Darüber hinaus nutzen Winzer bereits heute speziell gezüchtete Hefekulturen, die weniger Alkohol im Wein produzieren. Auch durch eine verfrühte Lese - bereits Mitte August statt Mitte Oktober - passen sich die Rieslingproduzenten den veränderten klimatischen Bedingungen an und erhalten so den frischen Charakter ihres Weines.

Fazit

Ob als spritzig-trockener Jungwein oder als edle Beerenauslese – kaum eine Rebsorte bringt Weine derart großer Bandbreite hervor. Statt im Einzelhandel Erzeugnisse aus der Neuen Welt zu kaufen, sollten sich Neulinge über die regionalen Spitzenprodukte informieren. Denn das Gute liegt – gerade beim Riesling – direkt vor der eigenen Haustür.