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Dornfelder: Der beliebte Wein aus Deutschland ist relativ jung​

Wein-Lexikon : Dornfelder: Der beliebte Wein aus Deutschland ist noch relativ jung

Beim Dornfelder handelt es sich um einen beliebten deutschen Rotwein, der vor 60 Jahren neu gezüchtet wurde. Er wurde früher vor allem für Cuvées verwendet, wird jetzt aber immer mehr reinsortig ausgebaut und erfährt gerade ein Revival.

Was ist Dornfelder für ein Wein?

Beim Dornfelder handelt es sich um eine robuste, ertragreiche Rebsorte, die kräftige, dunkle Weine ergibt. Die Sorte wurde in den 50er-Jahren neu gezüchtet und entstand durch eine Kreuzung der Sorten Helfensteiner und Heroldrebe. Sie reift früh und wird wegen ihrer dunklen, ins Violette übergehende Farbe auch gerne als Partner in roten Cuvées verwendet.

Wie schmeckt Dornfelder?

Der Dornfelder schmeckt fruchtig-harmonisch mit Anklängen von Sauerkirsche und dunklen Waldfrüchten. Dazu gesellen sich mitunter auch Aromen von Veilchen, Zimt, Muskatnuss und schwarzem Pfeffer. Es gibt zwei unterschiedliche Ausbaustile beim Dornfelder, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Der erste betont die intensiven Fruchtaromen wie Sauerkirsche, Brombeere und Holunder und wird jung auf den Markt gebracht. So ist teilweise der neue Jahrgang bereits als Primeur zu kaufen. Andere Winzer bauen den Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass (Barrique) aus, betonen mehr die Gerbstoffe und Struktur des Weins und nehmen die Fruchtaromen zurück. Meist handelt es sich um gehaltvolle, geschmeidige und harmonische Weine, so Büscher. Unschwer sei der Dornfelder bereits an seiner tiefdunklen Farbe zu erkennen. Selten finden sich Dornfelder-Sekte oder ein Roséwein aus Dornfelder.

Ist Dornfelder trocken oder lieblich?

Dornfelder kann beides sein. In seiner trockenen Variante ist er deutlich wertiger, interessanter und komplexer, vor allem dann, wenn der Winzer ihn als Cuvéewein verwendet. Es gibt aber auch halbtrockene Dornfelder und liebliche, die auch so gekennzeichnet sind.

Ist Dornfelder ein guter Wein?

Ob ein Wein gut oder schlecht ist, ist immer eine individuelle Geschmackssache. Ein Wein ist dann gut, wenn er einem schmeckt und bekömmlich ist. Den Dornfelder gibt es heute in unterschiedlichen Qualitätsstufen, zum Beispiel auch als edle Variante, im Barrique-Fass gereift. Überwiegend ist Dornfelder ein schöner Alltagswein, der zu vielen Speisen harmonisch passt, aber auch einfach ein Solo-Wein zum Genuss ohne Essensbegleitung ideal ist, sagt Wein-Experte Andreas Braun aus Baden-Württemberg.

Welcher Dornfelder ist der beste?

Einer, der im Barrique über längere Zeit gereift ist und zu der Fruchtigkeit eine Tanninstruktur mitbringt.

Was isst man zu Dornfelder?

Dornfelder sind, wie andere kräftige Rotweine, ideal für die kühlere Jahreszeit, insbesondere, wenn sie etwas abgelagert sind. Andererseits bereiten auch fruchtige Ausbauvarianten der letzten Ernte, im Sommer sogar leicht gekühlt, Trinkspaß. Dornfelder passt vor allem zu Pasta und Pizza-Gerichten, Spaghetti Bolognese zum Beispiel, harmoniert aber auch gut mit kräftigen Braten, Wild, Schmorgerichten und zum abschließenden Käse.

Wie teuer ist Dornfelder Rotwein?

Meistens ist er relativ günstig und liegt im Schnitt bei rund vier bis sieben Euro. Wenn er mit längerer Reifezeit im Holzfass ausgebaut wird, kostet er entsprechend mehr.

Wo wird Dornfelder angebaut?

Mitte der Siebziger Jahre, bis dahin gab es gerade mal 100 Hektar Dornfelder-Weinberge, begann sich die Sorte Dornfelder durchzusetzen. 2021 waren 7109 Hektar mit der roten Neuzüchtung bestockt, etwa sieben Prozent der deutschen Rebfläche, heißt es beim Deutschen Weininstitut. Lediglich der Spätburgunder wird unter den roten Sorten noch häufiger angebaut. Ihre größte Akzeptanz findet die Sorte Dornfelder bei den rheinhessischen (3216 Hektar Anbaufläche) und pfälzischen Winzern (2690 Hektar), doch ist die Sorte auch in den meisten anderen Anbaugebieten präsent. Außerdem spielt der Dornfelder in der Schweiz auf 21 Hektar eine kleine Rolle im Rotwein-Anbau.

Welche Geschichte hat der Dornfelder?

Seine Ursprünge führen nach Württemberg, in den Ort Weinsberg. Dort gab der Weinbaufachmann Imanuel Dornfeld den Anstoß zur Gründung der dortigen Weinbauschule. August Herold – er lebte von 1902 bis 1973 – züchtete 1955 den Dornfelder. Dazu kreuzte er die Sorten Helfensteiner (eine Kreuzung aus Frühburgunder und Trollinger) und Heroldrebe (eine Kreuzung aus Portugieser und Limberger). Dornfelder wird also seit Mitte der 50er Jahre angebaut, zunächst als sogenannter Deckwein – also für Verschnitt und Cuvée – und nicht reinsortig. Dazu schien ihm der Charakter mit Ecken und Kanten zu fehlen, andererseits brachte er bei den Cuvées immer die kräftige Farbe mit, sagt Wein-Experte Andras Braun. Dornfelder wurde somit erst einmal ein Massenwein. In der Pfalz und in Rheinhessen findet man mittlerweile sehr schöne reinsortige Dornfelder, die von vielen Winzern, aber auch von Winzergenossenschaften angebaut werden.

Ist der Dornfelder ein beliebter Wein?

Wenn sich die Weinbranche über Dornfelder unterhält, gibt es zwei Seiten. Die einen lehnen ihn ab, weil er eben seine Vergangenheit als einfacher Massenwein mit hohem Ertrag hat, die anderen bauen ihn aktuell wieder sehr liebevoll aus, reduzieren den Ertrag, sodass jede einzelne Traube mehr Kraft bekommt. Damit soll die Qualität des oft unterschätzen Dornfelders erhöht werden. Über die Jahre heimsten auch viele Winzer, die sich dem Dornfelder widmen, zahlreiche Auszeichnungen ein. Außerdem gibt es aktuell spannende Neuzüchtungen mit Dornfelder – zum Beispiel Cabernet Dorio, Cabernet Dorsa oder Acolon.