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Merlot: Lange unterschätzt & heute einer der populärsten Weine

Wein-Lexikon : Der Merlot wurde lange unterschätzt - heute gehört er zu den populärsten Rotweinen der Welt

Der Merlot stammt aus Frankreich, hat aber den Weg zu Winzern rund um die Welt gefunden. Er gilt als ein Allrounder unter den Rotweinen und ist in seiner Heimatregion die meistangebaute Rebsorte.

Weil die Amseln die schwarzblauen Weinbeeren gerne naschen, bekam dieser Wein den Namen Amsel. Der Vogel wird im Französischen „Merle“ genannt. Merlot gilt als eine der populärsten und besten Rotwein-Rebsorten der Welt und stammt ursprünglich aus dem Bordeaux in Frankreich.

Wie schmeckt ein Merlot?

Merlot ist ein kirschroter, frucht-betonter, in der Regel weicher, molliger, körperreicher Rotwein mit moderater Gerbstoffstruktur. Schon junge Merlots schmecken weich und zugänglich, es fehlt ihnen dann aber noch an Tiefe und Komplexität. Merlots haben meistens eine intensive Farbe, einige Sorten schmecken marmeladig, die meisten haben runde, harmonische Tannine. Wächst ein Merlot auf einem Kalkboden – wie in den besten Lagen von Pomerol – schmeckt er straff und zeigt eine starke Struktur am Gaumen. Merlot hat Aromen von Minze, Kirsche, Brombeere, Roter Johannisbeere, Himbeere, Vanille, Zedernholz, Blaubeere und sogar Gras.

Ist ein Merlot immer trocken?

Ja, ein Merlot ist meistens trocken, weil Rotweine fast immer trocken ausgebaut werden. Aber in diesem Fall hat er auch manchmal liebliche Töne und wird sogar als Rosé ausgebaut.

Welcher Merlot ist der beste?

Es gibt viele gute Merlots zu erschwinglichen Preisen, aber der wohl weltbekannteste reine Merlot ist der Chateau Petrus, der zu Preisen von mehreren tausend Euro pro Flasche gehandelt wird. Im Jahr 2016 wurde zum Beispiel eine Flasche für 5.500 Euro verkauft, 1983 für umgerechnet 15.500 Euro. Es gibt auch reinsortige preisgünstigere Merlots aus verschiedenen Anbaugebieten der Welt, beschreibt Wein-Experte Klaus Wählen aus Düsseldorf.

Wo wird Merlot angebaut?

Eng verbunden ist Merlot mit Bordeaux, hier erlebte er in den 1980er-Jahren eine wahre Renaissance, ebenso wie in den Weinbergen des Bergerac und des Languedoc-Roussillon. Meistens dienten die Trauben als Verschnitt mit Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, das wurde auch in der Toskana so gehandhabt. So dürfen 20 Prozent Verschnitt in einem Chianti landen, die diesen Wein dann weicher, runder und eher trinkbar machen. Merlot wächst aber auch in anderen Gebieten wie Südwestfrankreich. Im Friaul, Veneto, Trentino, Südtirol, in der Schweiz sowie in Slowenien ist Merlot populär, außerdem in Nord-Amerika, Chile, Australien und Neuseland. Überall gleich ist, dass die Rebsorte früh reift und hohe Mostgewichte bringt.

Wächst der Merlot auch in Deutschland?

Mittlerweile bauen auch deutsche Winzer diese Rebsorte an, zurzeit auf 836 Hektar, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Die meisten Flächen liegen in der Pfalz (388 ha) und in Rheinhessen (221 ha). Auch hier trage der Klimawandel dazu bei, dass bei uns der Merlot besser gedeiht.

Welche Geschichte steckt hinter der Rebsorte Merlot?

Bis in die 1970er-Jahre, so schreibt es der Brockhaus in seinem Wein-Lexikon, war Merlot nur Eingeweihten ein Begriff. Im Bereich Médoc des französischen Bourdeaux-Gebiets ergänzte sie die beiden Cabernetsorten, im Libournais bildete sie die Basis für einige der großen Gewächse aus Pomerol und Saint-Èmilion. Seit den 1980er-Jahren aber hat sich die Popularität der Sorte schlagartig erhöht. In der Neuen Welt, vor allem in Kalifornien, wurden große Flächen damit bestockt. Die Weinqualitäten haben damit zwar keinen Schritt gehalten, aber zumindest wurde die Wein-Sorte bekannter. Denn Merlot bringt nur auf besonders geeigneten Böden große Weine hervor, ansonsten dient diese Rebsorte als Verschnittwein. Im Bordeaux-Gebiet ist Merlot jetzt die meistangebaute Rotweinsorte.

Was verbirgt sich beim Merlot hinter dem Begriff Verschnittwein?

Der Verschnitt, die Cuvée, auch Vermählung genannt, ist in der Weinbereitung Alltag und ganz normal. Eine Cuvée ist kein schlechter Wein, im Gegenteil. Fast alle großen Weine sind Verschnitte. Zu wissen, welcher Wein zu wem passt, ist die hohe Kompetenz des Winzers oder seines Kellermeisters, sagt Sommelière Christina Fischer. Das Zusammenführen verschiedener Weintypen gehöre zu den schwierigsten Aufgaben der Weinmacher. Während man sich mit einer Rebsorte in der Kreativität begrenzt, eröffne die Cuvée die Möglichkeit, eventuelle Schwächen der einen Sorte durch eine andere auszugleichen. So spielt der Merlot vor allem in Bordeaux-Cuvées den Partner, der Fülle und Frucht mitbringt und den Weinen eine Geschmeidigkeit verleiht, ohne sie zu dominieren, sagt die Expertin.

Wie wird Merlot getrunken?

Da es sich bei Merlot um einen Rotwein handelt, sollte er nicht eiskalt serviert werden. 16 Grad dürften eine ideale Temperatur sein. Wer mag, kann ihn kurz in den Kühlschrank stellen. Wie alle Rotweine sollte auch der Merlot aus einem bauchigen Glas getrunken werden. Merlot sollte in den ersten zwei bis fünf Jahren nach der Ernte getrunken werden. Wegen der fehlenden Säure ist Merlot nicht so lange lagerbar wie andere Rotweine.

Was isst man zu Merlot?

Ein Merlot ist ein wundervoller Essensbegleiter. Der Rotwein passt zu Wildgerichten mit Cassis-Sauce oder Preiselbeeren, aber auch Rind, Schmorgerichten oder zu Geflügel. Zu Pasta-Gerichten ist er auch ein guter Begleiter. Hier sind es vor allem die im Barrique ausgebauten Weine, die die kräftigen Gerichte wie Lamm oder Rind gut begleiten. Sommelière Christina Fischer, Expertin für Speisen- und Wein-Kombinationen, empfiehlt ihn zum Beispiel zur Entenbrust mit Sesam-Honig-Mantel, Ingwerjus und Koriandersprossen. Aber der Merlot ist als Allrounder auch ein perfekter Wein, um ihn einfach so abends als „Sofa-Wein“ zu genießen.