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Zinfandel: Er ist das Rotwein-Kraftpaket aus den USA

Wein-Lexikon : Zinfandel: Das Kraftpaket aus den USA mit der italienischen Verwandtschaft

Die Geschichte hinter diesem Wein wurde erst in der jüngeren Vergangenheit aufgeklärt. Heute ist klar, wo der Zinfandel herkommt und wie ähnlich er einer anderen Rebsorte ist.

Eigentlich stammt Zinfandel aus Kroatien, hat sich aber Mitte des 19. Jahrhunderts in Kalifornien etabliert und gilt seitdem als typisch amerikanische Rotwein-Rebsorte. Die Rebstöcke sind sehr ertragreich. Seit Ende der 1990er-Jahre steht nach einer DNA-Analyse fest, dass der Zinfandel und der süd-italienische Primitivo nahezu identisch sind.

Was für ein Wein ist Zinfandel?

Beim Zinfandel handelt es sich um einen klassischen Rotwein, einige bezeichnen ihn auch als „Kraftpaket“. Er zeichnet sich durch ein charakteristisch würziges Aroma aus.

Woher kommt der Name Zinfandel?

Der Name der Rotweinrebe hat sich offenbar auf Grund eines Missverständnisses entwickelt, heißt es in verschiedenen Quellen. Im Jahr 1825 ließ demnach ein US-amerikanischer Rebschulleiter einige Weine aus Wien in die USA verschiffen. Es wird angenommen, dass eine der Kisten irrtümlich mit dem österreichischen „Zierfandler" beschriftet wurde. Da die roten Trauben darin aber nicht mit dem weißen Zierfandler zu verwechseln waren, wurde angenommen, es handle sich um eine neue Rebsorte. Ihr Name wurde in „Zinfandel" geändert. Erst 2001 wurde der tatsächliche Ursprung des Zinfandels enthüllt: die alte kroatisch-ungarische Tafel- und Rotweinrebe Crljenak Kaštelanski. Das bedeutet „der Rötliche“.

Wie schmeckt Zinfandel?

Der Geschmack des Zinfandels hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: von der Reife der Trauben, dem Klima, in dem sie gewachsen sind, und davon, wie der Wein ausgebaut wurde. Aber im Grundsatz schmeckt ein Zinfandel nach Amarena-Kirschen, Feigen, Himbeeren, Muskat, Pfeffer und Vanille. Wächst der Wein in einem kälteren Klima, dominieren die roten Früchte mehr, im wärmeren Klima kommen die Noten von Anis und Brombeeren durch. Bemerkenswert ist, dass der rote Zinfandel einen hohen Säure- und Tannin-Gehalt hat. Ebenfalls wichtig zu wissen ist, dass er mit 14 bis 17 Prozent einen hohen Alkoholgehalt hat. Darum muss er aber nicht zwingend kräftig schmecken, er präsentiert sich zum Beispiel milder als ein Merlot.

Ist Zinfandel trocken oder lieblich?

Lieblich ist er nicht, meistens wird er trocken, maximal halbtrocken ausgebaut.

Ist Zinfandel ein guter Wein?

Natürlich ist Zinfandel ein guter Wein – vorausgesetzt, man mag diese Art von kräftigen Rotweinen mit hohem Alkoholgehalt. Vor vielen Jahren hat mal ein französischer Winzer den Zinfandel mit einem guten roten Bordeaux verglichen.

Was isst man zu Zinfandel?

Weil der Zinfandel dominierende Frucht-Aromen hat, passt er gut zu gegrillten, marinierten und würzigen Gerichten. Deftiges Fleisch passt perfekt zu einem Glas Zinfandel sowie stark gewürzte Gerichte, die sich ebenfalls harmonisch dem Geschmack des Rotweins anpassen. Zu Zinfandel kann man – zum Beispiel bei der Vorspeise – würzigen, intensiven Käse reichen; aber auch Ente, Gans, Gulasch, ein Hamburger oder Kebab passen gut, genauso wie ein Steak, Wildgerichte, oder sogar eine Peking-Ente. Weitere perfekte Essensbegleiter zum roten Zinfandel sind Nudeln mit einer kräftigen Arrabiata- oder Chilisauce, ein Chili-con-Carne-Eintopf und zum Dessert dunkle Schokolade mit gebackenem Obst.

Wo wird Zinfandel angebaut?

Der Zinfandel selbst wird in Kalifornien angebaut, nachdem ein Weinbauer aus Österreich im Jahr 1825 die Rebsorte dort eingeführt hatte. Kleinere Anbaugebiete von Zinfandel gibt es noch in Südafrika und Australien. Der Primitivo wächst dagegen in Süd-Italien auf der Halbinsel Salento. Bei Zinfandel und Primitivo handelt es sich genetisch um die gleiche Sorte. Der Winzer muss oft mit der Hand nachlesen, weil sich die Beeren nicht gleichzeitig verfärben. Denn reifen die Trauben zu lange, werden sie schnell überreif.

Worin besteht der Unterschied zwischen Zinfandel und Primitivo?

Basis beider Weine ist zwar die identische kroatische Rebsorte Crljenak, entscheidend ist aber, in welchem Klima ein Wein wächst und wie er vom Winzer ausgebaut wird. Generell sind sich Zinfandel und Primitivo sehr ähnlich – in der Stilistik, im Geschmack. Wenn man aber einen Kalifornier fragt, welcher Wein der bessere ist (umgekehrt einen Italiener), legen sich beide gleich schnell auf den Wein aus ihrer jeweiligen Heimat fest. Primitivo ist schon seit mehreren hundert Jahren bekannt, der Zinfandel erst seit mehr als 100 Jahren.

Welche Geschichte steht hinter dem Zinfandel?

Lange Zeit glaubte man, die kalifornische Rotwein-Rebsorte Zinfandel sei vom kalifornischen Weinpionier Ágoston Haraszthy direkt aus seiner Heimat Ungarn eingeführt worden, heißt es im „Brockhaus Wein Lexikon“. Dann entdeckte man aber seine Verwandtschaft beziehungsweise die gleiche Identität mit dem süd-italienischen Primitivo und rätselte, ob Zinfandel nun ein in die USA verpflanzter Primitivo sei oder dieser ein nach Italien zurück verpflanzter Zinfandel. Erst Gen-Analysen lösten das Rätsel, und es wurde klar, dass zuerst der Primitivo da war und sich daraus in Amerika eine neue Art entwickelte. Aus Zinfandel wurde über viele Jahre nur ein einfacher, süffiger, sogar lieblicher Roséwein gekeltert, der in den USA unter Blush bekannt war. Erst ab den 1970er-Jahren begannen US-Winzer damit, die Qualität der Weine mit längerer Maischegärung und im Barriqueausbau zu verbessern. Seitdem zeigt der Zinfandel seine typischen Aromen von Pfeffer, Kirschen und Beeren und gilt als wertiger Rotwein.