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Zweigelt: Was den Rotwein aus dem Alpenland​ auszeichnet

Wein-Lexikon : Der Rote aus dem Alpenland: Was den Zweigelt auszeichnet

Unter den österreichischen Weinen wird der Zweigelt besonders oft angebaut. Er ist aber auch in anderen Regionen vertreten und jenseits der Berge beliebt.

Die Rotweinsorte Zweigelt – auch Blauer Zweigelt oder Rotburger genannt – ist vor allem in Österreich bekannt. Im Alpenland wird keine Rebsorte häufiger angebaut. Sie wurde aus den Reben St. Laurent und Blaufränkisch gezüchtet und nach dem Züchter Fritz Zweigelt benannt.

Wie schmeckt ein Zweigelt?

Es gibt einfache, fruchtbetonte Zweigelt-Weine, die man jung trinken sollte, aber auch ausdrucksstarke Weine, die im Barriquefass gereift sind. Ein Zweigelt präsentiert sich im Glas mit einer violett-rötlichen Farbe, er hat ein Aroma von Vanille, Beeren und Weichselkirschen, manchmal auch Curry und Muskat. Seine Tannine sind relativ mild, außerdem hat er wenig Säure. Oft findet man Anteile von Zweigelt auch in anderen Weinen, die mit ihm verschnitten worden sind.

Ist Zweigelt trocken oder lieblich?

Der Zweigelt hat zwar Fruchtaromen, wird aber – wie eben fast alle Rotweine – eher trocken ausgebaut. Trocken ist ein Wein, wenn er weniger als neun Gramm Restsüße hat. Aber der Zweigelt ist generell ein vollfruchtiger, schmeichelnder und harmonischer Wein.

Wo gibt es Zweigelt?

Der Zweigelt wird vor allem in Österreich angebaut, hier vor allem rund um den Neusiedler See, im Burgenland und in der Steiermark. Sehr bekannt ist auch der Zweigelt aus dem Anbaugebiet Carnuntum. In Deutschland wird er vor allem in Württemberg, aber auch in Franken angebaut.

Woher kommt der Name Zweigelt?

Der Name kommt von seinem Züchter, dem Wissenschaftler Professor Fritz Zweigelt, der die neue Rebsorte an der Weinbauschule Klosterneuburg in den 1920er-Jahren aus den Rebsorten Blaufränkisch und St. Laurent züchtete. Damit handelt es sich um eine relativ junge Rebsorte, die zuerst unter dem Namen Rotburger bekannt wurde. Damit sollten Traubenfarbe und Herkunftsort gekennzeichnet werden. Nach ihrem Züchter wurde sie erst 1975 benannt – auch, weil der Rotburger oft mit der deutschen Sorte Rotberger verwechselt wurde. Der Zweigelt vereint die Robustheit des St. Laurent mit der kräftigen Farbe des Blaufränkischen.

Welcher Zweigelt ist der beste?

Die besten Zweigelt wachsen in ihrem Mutterland, in Österreich. Wer einen Zweigelt aus dem Burgenland kauft, dürfte eigentlich nicht falsch liegen. Nicht zu unterschätzen sind aber auch die Zweigelt, die in den letzten Jahren in Deutschland gewachsen sind. Hierbei ist – wie immer – wichtig: Mag man lieber einen leichten Rotwein, der sich unkompliziert trinken lässt, oder lieber eine „Wuchtbrumme“, die lange im Holzfass gereift ist? Wer sich entweder auf einem Weingut oder im Fachhandel beraten lässt beziehungsweise vielleicht selbst eine Verkostung mit anderen Zweigelt-Freunden organisiert, findet so sicher seinen besten Wein.

Wie wird Zweigelt getrunken?

Wie alle Rotweine bei rund 14 Grad. Früher war das, bevor es Heizungen gab, die normale Zimmertemperatur. Heutzutage ist es nicht verpönt, Rotwein, etwas herunterzukühlen oder ihn direkt im Weinklimaschrank beziehungsweise im kühlen Keller zu lagern. Zweigelt schmeckt sehr gut aus einem bauchigen Rotweinglas. Es gibt einige Weine, die junge getrunken werden sollten, andere wiederum vertragen eine längere Lagerzeit – auch hier hilft der Wein-Berater im Fachhandel weiter.

Was isst man zu Zweigelt?

Auch hier kann man wieder zwischen einem jungen und einem etwas gereifteren Zweigelt unterscheiden. Als junger Wein ist der Zweigelt ideal zu kalten Speisen wie Salaten, leichten Fisch- und Geflügelgerichten, zu Pasta und leichtem Käse. Ist der Wein schon etwas älter, wird er gerne zu deftigen Bratengerichten gereicht – und ein Schuss vom Zweigelt tut auch einer Bratensauce sehr gut.

Wo wird Zweigelt angebaut?

Hauptsächlich in Österreich – dort wächst er im Burgenland und in Niederösterreich sowie vereinzelt auch in der Steiermark. Verbreitet wurde er ab den 1950er Jahren dadurch, dass der Winzer Lenz Moser die Sorte in größerem Stil in der Hochkultur auspflanzte und weiterempfahl. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, als die Rotweinanbaufläche ausgeweitet wurde, hat der Zweigelt den größten Anteil der Rotweinanbaufläche in Österreich erreicht und ist somit die wichtigste Rotweinsorte in allen Weinbauregionen. In Deutschland wird er vor allem in den Weinbaugebieten Württemberg, Saale-Unstrut und Franken angebaut.

Wie ist der Zweigelt mit dem deutschen Lemberger verwandt?

Es gibt durchaus eine Verwandtschaft beziehungsweise Überschneidung von Zweigelt und Lemberger. Denn die deutsche Rebsorte, die früher Limberger hieß, ist unter dem Synonym Blaufränkisch bekannt – einem der „Elternteile“ des Zweigelt. Lemberger wird am häufigsten in Württemberg angebaut. Experten gehen davon aus, dass die Sorte Blaufränkisch vor 1750 in der Untersteiermark zu Hause war. In Deutschland wurde sie erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts unter der Bezeichnung Lemberger oder Limberger angebaut. Beide Begriffe verweisen auf österreichische Gebiete – aus Lemberg (früher Untersteiermark, heute Slowenien) wurden Blaufränkisch-Reben als Lemberger-Reben nach Deutschland gebracht.