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Das Geschäft mit den Samen

Das Geschäft mit den Samen

Bei vielen gilt es inzwischen als besonders cooles Hobby, durch das sie sich nicht nur selbst mit ein wenig "Gras" für das Partywochenende versorgen können, sondern man sich auch gerne bei den eigenen Freunden profiliert.

Gemeint ist der private Anbau von Cannabis, der in Deutschland in den letzten zehn Jahren zu einer Art Volkssport geworden ist, was man zwischendurch anhand von Zeitungsartikeln erkennen kann, wenn mal wieder ein "Hobbygärtner" erwischt worden ist. Was gerade von jungen Leuten gerne als Kavaliersdelikt gesehen wird, ist nach dem deutschen Gesetz allerdings eine Straftat.

So sind in Deutschland laut §29 BtMG (Betäubungsmittelgesetz) Einfuhr, Anbau, Handel und Konsum von Cannabis und dessen Pflanzenteilen verboten. Ausnahmen gelten dabei lediglich für Personen oder Firmen mit einer offiziellen Genehmigung. Allerdings wird immer wieder über die berühmte Anlage 1 des §1 Abs. 1 gesprochen, die besagt, dass Hanfsamen die nicht zum Anbau bestimmt sind nicht unter dieses Gesetz fallen. Auf Basis dieses Zusatzes gilt bei vielen die Argumentation, die Samen nur zu Sammelzwecken zu bestellen, wodurch man lästigen Rückfragen beim Zoll entgehen oder sich bei der Bestellung absichern möchte. Allerdings beschreibt der Gesetzgeber in diesem Absatz Hanfsamen die als Nahrung oder Tierfutter Verwendung finden, nicht jedoch Hanfsamen, die dem Anbau dienen können. Im Zweifel wird das Gesetz zwar für den Angeklagten ausgelegt, doch dürfte es im Falle eines Gerichtsverfahrens spannend werden, ob der Richter die Argumentation der "Sammelleidenschaft" zulässt oder nicht.

Trotz dieser Unsicherheit boomt der Handel mit den Samen und besonders in den Niederlanden haben sich vielen Seedbanks auf den Versand nach Deutschland und in andere Länder der EU spezialisiert. Einer der wohl bekanntesten Anbieter ist Sensi Seeds , der in Amsterdam mehrere Shops, eine eigene Zucht und das Hanfmuseum betreibt. Hier wird sowohl vor Ort, als auch über die Website vom Verkauf bis hin zur Kundenbetreuung alles angeboten. Auch abseits der offiziellen Shops haben sich verschiedene andere Geschäftsmodelle wie Preisvergleicher etabliert, die Angebote und Dienstleistungen verschiedener Shops vergleichen. Diesen Service, den man in Deutschland aus anderen Branchen bereits kennt, findet man inzwischen also schon beim Handel mit Hanfsamen. Aber auch wenn das Internet suggeriert, dass alles ohne Probleme bestellt und geliefert werden kann, so sollten sich potentielle Käufer darüber im Klaren sein, dass sie sich mit der Bestellung von Hanfsamen in einer Grauzone bewegen und es in Einzelfällen auch zu Problemen mit dem Gesetz kommen kann!

Was im privaten Bereich bisher noch untersagt ist, hat im medizinischen Umfeld bereits seinen Weg in die Legalisierung gefunden. So ist Anfang des Jahres ein Gesetz in Kraft getreten , das es Ärzten gestattet, Schmerzpatienten Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Zwar ist auch diesen Menschen nicht gestattet ihre "Medizin" selber anzubauen, so ist es aber dennoch ein großer Schritt hin zur Legalisierung.
Nach der Bundestagswahl vom 24. September ist die spannende Frage, ob man noch weitere Schritte Richtung Legalisierung gehen wird. So hatte sich die CDU vor der Wahl zwar strikt dagegen ausgesprochen, doch da es jetzt eventuell zu einer Jamaika-Koalition kommen wird, müssten in so einem Fall auch die Stimmen der FDP und der Grünen gehört werden. Da diese sich für eine Legalisierung grundsätzlich offen präsentiert hatten, darf man gespannt sein, ob es entsprechende Gesetzesänderungen in dieser Legislaturperiode geben wird.