Diabetes schadet auch der Seele

Diabetes schadet auch der Seele

Weltweit leiden etwa 285 Millionen Menschen an Diabetes. Bis 2030 sollen knapp 8 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sein. Typische Beschwerden der Zuckerkrankheit sind vor allem physischer Natur. Der erhöhte Blutzuckerspiegel führt zu vermehrten Durst und Harndrang sowie einer schlechten Wundheilung. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Nerven- oder Nierenschäden. Obwohl die Medizin vor allem auf die Gefahren für die körperliche Gesundheit aufmerksam macht, sind die seelischen Folgen von Diabetes nicht zu unterschätzen. (1)

Gefahr einer Depression
Diabetiker weisen eine höhere Wahrscheinlichkeit auf an Depressionen zu erkranken. 12 Prozent der Betroffenen weisen Symptome einer Depression auf. In 18 Prozent der Fälle handelt es sich um depressive Stimmungsbeeinträchtigungen wie Zukunftsangst, Abgeschlagenheit oder Antriebslosigkeit. Treten diabetische Folgeerkrankungen zutage, erhöht sich das Risiko zunehmend. (2)

Oftmals bringt die Diagnose Diabetes einen akuten Einschnitt in den Alltag mit sich. Im Extremfall entwickeln sich schwere psychische Beschwerden aufgrund der seelischen Belastung. Neben Ess- oder Angststörungen beeinträchtigen daher vor allem Depressionen die Lebensqualität deutlich.?

Depressive Symptome beeinträchtigen zudem die Diabetes Behandlung, da der Stoffwechsel schlechter einzustellen ist. Zu typischen Symptomen von Depression gehören:Interessenverlustdepressive Stimmungzunehmende MüdigkeitAntriebsmangelDemotivation für angenehme AktivitätennHalten diese Anzeichen länger als 14 Tage an und werden nicht durch eine medikamentöse Therapie ausgelöst, kann eine Depression vorliegen. Die zeitnahe Konsultation des Arztes ist empfehlenswert.

Im fortgeschrittenen Stadium der Depression sind weitere Symptome erkennbar:eingeschränktes Konzentrations- und Denkvermögenvermindertes SelbstvertrauenSchuldgefühleSelbstvorwürfeSchlafstörungenSelbstmordhandlungen oder -gedankenAppetits- beziehungsweise Gewichtsverlust (3)
Die korrekte Behandlung bei Diabetikern
Bleibt eine Depression bei Diabetikern unentdeckt, kann dies weitreichende Folgen nach sich ziehen. Einerseits erschwert sich der Therapieverlauf bei depressiven Patienten, da sich nicht an die im Vorfeld klar definierte Behandlungsstrategie halten. Um eine akute Verschlechterung eines Diabetes vorzubeugen, basiert die Behandlung vorerst meist auf einer gezielten Veränderung des Lebensstils:abwechslungsreicher Speiseplanregelmäßige Bewegungseinheitenstark eingeschränkter AlkoholkonsumVerzicht auf Nikotin
Je nach Diagnose kann der Arzt Diabetes zusätzlich mit Tabletten beziehungsweise Insulin behandeln. Eine regelmäßige Einnahme oder Anwendung von Präparaten wird jedoch durch Depression ebenso ungünstig beeinflusst. Infolge dessen bleibt der erhoffte Behandlungserfolg aus. Folgeerkrankungen von Diabetes Typ 1 und Typ 2 entwickeln sich. Mediziner sprechen hier von einer fehlenden Therapieadhärenz.

Im Rahmen einer ganzheitlichen Diabetesbehandlung sind Trainingsprogramme und Schulungen für Patienten mit integriert. Diese erleichtern vorrangig den Umgang mit Diabetes im Alltag. Gleichzeitig erfahren Diabetiker wichtige Details zur Berechnung von benötigten?Insulinmengen oder Ähnlichem.

Unterstützung notwendig
Die Evaluierung spezieller Programme zeigt jedoch, dass unter Depressionen leidende Diabetiker diese häufig frühzeitig abbrechen beziehungsweise die Teilnahme komplett verweigern. Es ergeben sich zwei ungünstige, vereinzelt lebensbedrohliche Folgen.?Einerseits besteht die Gefahr, dass der Patient die fachkundige Unterstützung von geschultem?Personal fehlt, um seine Zuckererkrankung anzunehmen. Der Alltag erschwert sich zunehmend.

Zudem besteht die Gefahr, dass sich depressive Symptome sowie unerkannte Folgeerkrankungen entwickeln. Da diese oftmals das Herz-Kreislaufsystem ungünstig beeinflussen, ergeben sich lebensbedrohliche?Folgen durch erschwerte Aufklärungsprozesse.

Durch die zunehmende Häufigkeit von Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter ist zudem ein altersspezifisches Vorgehen dringend notwendig. Erkrankte Kinder fühlen sich häufig ausgegrenzt. Vor allem wird dieser Umstand durch fehlende medizinische Kenntnisse über Diabetes seitens des örtlichen Fachpersonals verursacht. Auch im Jugendalter kommt es häufig zu Ausgrenzungsverhalten. Zur Prävention von kindlichen Depressionen rät die Stiftung Dianiño zu aktiven Aufklärungs-, aber auch Unterstützungsprojekten vor Ort. (3)

Prävention der seelischen Beeinträchtigung
Vor diesem Hintergrund entwickelten deutsche Ärzte wichtige Anhaltspunkte zur gezielten Prävention?von seelischen Beeinträchtigungen durch Diabetes. Im Vordergrund steht hierbei das regelmäßige Patientengespräch. Hierbei geht es nicht nur darum, physische Befindlichkeiten zu erfassen.?Vielmehr sollen diese eine Diagnose von möglichen ersten Anzeichen einer depressiven Verstimmung erleichtern.

Die Patientenschulung stellt das zweite Fundament bei der Prävention von depressiven Verstimmungen aufgrund von Diabetes mellitus dar. Im ersten Schritt erlernen Diabetiker das Akzeptieren ihrer Erkrankung. Auf Grundlage dessen bieten die Seminare praktische Anregungen, um die Zuckerkrankheit im Alltag zu integrieren. Damit können langfristige Auswirkungen aufgrund einer nicht angemessenen Blutzuckereinstellung vermieden werden. Dies unterstützt bei lebensbedrohlichen Folgen wie beispielsweise einer Unterzuckerung aufgrund von Diabetes mellitus.

Aufgrund überzeugender Forschungsergebnisse genießt jeder deutsche Bundesbürger (Kinder und Erwachsene) ein Recht auf diese Schulung. Zur effektiven Prävention von Depression bei Diabetes erfolgt die erste Schulungkurz nach der Diagnose. Aufbauende Seminareinheiten sollten mit fortschreitendem Alter folgen, jedoch stets dem aktuellen Entwicklungsstand der Teilnehmer angepasst sein.

Quellen:
1 - euroClinix: Volkskrankheit Diabetes
2 - Diabetesinformationsdienst München: Psyche und Motivation
3 - Diabetes heute: Psychische Erkrnakungen bei Patienten mit Diabetes
4 - CURADO: Seelische Folgen durch Diabetes

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