Heiratsbräuche sterben aus

Heiratsbräuche sterben aus

Heiratsbräuche gibt es auf der ganzen Welt. Überall, in allen Gesellschaftsschichten, Kulturen und Religionen sind sie zu finden.

Und dabei gibt es eine ganze Auswahl an Heiratsbräuchen , die unterschiedlicher und skurriler nicht sein könnten. Nur leider sind manche der Bräuche mittlerweile vom Aussterben bedroht, denn viele Traditionen sind unter jüngeren Generationen nicht mehr gefragt oder wurden schon lange vergessen.So zeigte es auch schon vor Jahren eine Studie von The Wedding Inbox, die mit einer repräsentativen Umfrage unter 5.000 verheirateten Menschen herausfand, dass viele Traditionen und Bräuche die in den 60ger Jahren noch häufig praktiziert wurden, heute bei Hochzeiten fast keine Rolle mehr spielen. So fragen nur noch circa 15 Prozent aller Heiratswilligen den Vater der Braut um seine Erlaubnis bevor sie einen Heiratsantrag machen, Anfang der 60ger Jahre lag die Zahl noch bei ungefähr 50 Prozent. Die Tradition seinen Partner über die Türschwelle zu tragen hat sogar noch mehr an Beliebtheit verloren, so wurden 1960 noch fast 70 Prozent aller frisch Verheirateten in das neue Heim gehievt, heute sind es gerade noch einmal 10 Prozent.

Dabei zeigt die Studie aber auch; während viele Heiratsbräuche aussterben entstehen gleichzeitig auch neue. Dabei ist vor allem erstaunlich, dass so manches was wir heute als Heiratsbrauch ansehen würden, erst vor kurzem auf Hochzeiten populär wurde. Der emotionale erste Tanz des Brautpaares, zum Beispiel, war Ende der 50ger Jahre gerade mal auf 20 Prozent aller Hochzeiten zu sehen, mittlerweile sind es 50 Prozent. Und auch das Hinkniehen beim Heiratsantrag, die Rede des Trauzeugen, ein Hochzeitsbuch und Geschenke, sogenannte "Favours", für die Gäste sind erst seit kurzer Zeit wirklich populär.

Sollten bestimmte Bräuche also aussterben, so kommen immer neue nach. Jedoch, manche Hochzeittraditionen sind einfach nicht mehr zeitgemäß, sind aber immer noch auf vielen Heiratsfeiern zu finden, so dass die Frauenzeitschrift Cosmopolitain nun für ein aussterben dieser Bräuche plädiert. Darunter finden sich auch einige Klassiker, wie das Werfen des Brautbouquets, das weiße Brautkleid und das Abgeben der Tochter an den Ehemann vom Vater. Alles durchaus durchdachte Anregungen, denn eigentlich sollten wir von bestimmten, geschlechterspezifischen Vorurteilen in heutiger Zeit Abstand nehmen, beziehungsweise sich der historischen Konnotation bewusst sein, sollte man sich entscheiden einen dieser Bräuche in seine Hochzeit zu integrieren.

Auch gibt es ein paar Traditionen die allein auf Aberglauben fundiert sind. So heißt es in Griechenland, zum Beispiel, dass das Eheleben umso süßer wird, wenn sich die Braut für ihre Hochzeit einen Zuckerwürfel in den Handschuh steckt. Schwedische Bräute stecken sich eine silberne Münze von der Mutter und eine goldene vom Vater in die Schuhe, um ihnen finanzielles Glück in der Ehe zu bescheren. Und während, in Holland, eine Kiefer, als Glücks- und Fruchtbarkeitsbringer, vor dem Haus der frisch Verheirateten gepflanzt wird, wird in Marokko vor der Hochzeit in Milch gebadet. Wer sich die Zeit nimmt eine Liste, von ganzen fünfzig verschiedenen Hochzeitsaberglauben durchzulesen, wird erstaunt sein was einem alles Glück im Eheleben bringen soll. Und bei einer solchen Fülle und Reichhaltigkeit an Traditionen, wird das aussterben von einem Paar davon nicht weiter schlimm sein. Denn, es ist auch sicher, dass vieles Neues hinzukommt und in ein paar Jahren als Hochzeitsbrauch gezählt werden wird.

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