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Hilfe, mein Kind spricht nicht richtig - Eltern sollten auf erste Hinweise achten: Je eher sie erkannt werden, umso besser

Hilfe, mein Kind spricht nicht richtig - Eltern sollten auf erste Hinweise achten: Je eher sie erkannt werden, umso besser

Eine gute Ausdrucksweise ist das Ticket in die Welt. Wenn Kinder Sprachprobleme haben, sind sie schnell abgehängt – unter Freunden, im Kindergarten oder später in der Schule. Je früher Sprachprobleme erkannt werden, desto besser.

Der amerikanische Schauspieler Bruce Willis ist eines der berühmten Beispiele für Sprachstörungen: Weil er als Kind gestottert hat, wurde er zu Therapiezwecken zum Theaterspielen gebracht. Was daraus geworden ist, wissen wir. So wie ihm vor vielen Jahren geht es vielen Kindern. Ein Prozent der Weltbevölkerung soll laut einer Untersuchung stottern. 800 000 Menschen leiden einer Studie zufolge allein in Deutschland unter diesem Sprachfehler. Laut einer bundesweiten Krankenkassen-Studie hat jedes dritte Kind Sprachstörungen, wenn es eingeschult wird. Ein Sprachproblem kann durchaus effektiv behoben werden. Natürlich ist es nicht immer so einfach, wie es im Beispiel von Bruce Willis klingt. Einfacher wird es jedoch generell, wenn Eltern früh die Signale erkennen und sich entsprechende Hilfe holen. Während manche Kinder schon mit einem halben Jahr unverständliche Geräusche vor sich hinbrabbeln, gibt es Babys, die lange Zeit ihre Wünsche nicht artikulieren. „Mama haben“, „Opa Auto“ und „Papa essen“ sind typische Zweiwortsätze, die Kinder ab dem zweiten Lebensjahr bereits äußern. Es gibt auch sogenannte „Late Talker“, also späte Sprecher, die ihren Wortschatz bis zum dritten Geburtstag nachholen können. Jedoch gibt es Studien von Fachverbänden wie dem Deutschen Logopäden Verband und dem Bielefelder Institut für frühkindliche Entwicklung, die belegen: Zwischen sieben und zehn Prozent der „späten Sprecher“ sind nicht in der Lage, die Sprachdefizite von alleine aufzuholen, sie benötigen fachkundige Hilfe. Keine Sorge, nicht jede Auffälligkeit muss gleich eine Störung nach sich ziehen. Beim Sprechenlernen ist es durchaus normal, wenn Kinder Laute auslassen („schümmen“ statt „schwimmen“), ersetzen („kleckern“ statt „klettern“), zusammenziehen („Nane“ statt „Banane“) oder in der falschen Reihenfolge benutzen („Luftabong“ statt „Luftballon“). Dennoch ist es wichtig, dass Eltern stets dann einen fachkundigen Rat einholen, wenn sie selbst das Gefühl haben, etwas stimmt nicht. Je älter die Kinder werden, umso schwieriger ist es, den falsch erlernten Wortschatz umzuprogrammieren. Logopäden-Verbände bemängeln seit langem, dass es bei den Krankenkassen einen „Verordnungsgipfel“ um das sechste Lebensjahr gibt, dann nämlich, wenn die Kinder in die Schule kommen und sich bereits in der Zeit des Kindergartens an ihre falsche Art zu sprechen gewöhnt haben. Die Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit kann sich auf unterschiedliche Bereiche auswirken: „Sprache“, „Sprechen“, „Stimme“ und „Schlucken“. Diese Felder behandeln dann später im Wesentlichen die Logopäden. Sind mehrere Bereiche betroffen, spricht man von komplexen (Kommunikations-)Störungen. Sie treten sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf. Grundsätzlich gilt: Ein Experte – ein Logopäde oder ein speziell auf Sprachstörungen ausgerichteter Facharzt – muss zunächst eine genaue Diagnose erstellen. Gut 30 unterschiedliche Symptome sind zu unterscheiden. Es gibt Kinder, die reden unverständlich, weil sie nuscheln. Wieder andere haben eine sogenannte auditive Wahrnehmungsstörung, können zwar alles verstehen, es aber schlecht verarbeiten. Die präzise Diagnose ist die Voraussetzung für die passende Therapie, die von einem Arzt verordnet werden muss. Eltern können den Prozess des Spracherwerbs von Anfang an unterstützen, indem sie etwa gemeinsam mit ihren Kindern die Umwelt erkunden und sie dabei sprachlich begleiten. Es hilft Kindern, sich Wörter einzuprägen, wenn sie dazu ein greifbares Bild haben: Ein Auto etwa können sie sehen und hören. Mit allen Sinnen die Welt zu erfassen und in Sprache umzuwandeln, ist ein Weg, wie Eltern ihre Kinder zur angewandten Kommunikation anleiten können. Übervorsicht, Schuldgefühle und allzu große Sorge seitens der Eltern sind keine besonders hilfreichen Begleiter in der Entwicklung. Auch ist Vorsicht geboten, das eigene Kind mit anderen zu vergleichen, denn jedes entwickelt sich anders. Darauf zu vertrauen, dass das eigene Kind abweichend von einer möglichen Norm seinen richtigen Weg finden wird, gibt auch dem Kind Sicherheit. Schleicht sich jedoch Sorge in den Alltag, sollten Eltern einen Experten aufsuchen, um den Entwicklungsstand und mögliche Sprachstörungen abklären zu lassen.