Interview zum Thema Online-Nachhilfe

Interview zum Thema Online-Nachhilfe

Melanie Rausch, pädagogische Leiterin bei tutoria , beantwortet Fragen zum neuen Lerntrend Online-Nachhilfe .

Was genau ist Online-Nachhilfe eigentlich?

MR: Im Prinzip funktioniert Online-Nachhilfe wie klassische Einzelnachhilfe, nur eben über das Internet. Lehrer und Schüler treffen sich zum vereinbarten Termin in einer virtuellen Lernumgebung und kommunizieren miteinander per Webcam und Mikrofon. Idealerweise gibt es auch eine interaktive Tafel, auf der Schüler und Lehrer gemeinsam schreiben und Dokumente austauschen können.

Online-Nachhilfe wird ja immer beliebter. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

MR: Internetnutzung ist für Jugendliche selbstverständlich, "always on" ist die Realität. Nachhilfe via Internet kommt diesen digitalen Gewohnheiten entgegen und wird von den Schülern deshalb häufig sogar stärker akzeptiert. Außerdem hat Online-Nachhilfe noch weitere Vorteile: Man spart sich Anfahrtskosten und lange Fahrtwege zum Nachhilfeinstitut. Da die Nachhilfe am Computer ortsunabhängig ist, findet der Schüler immer den passenden Lehrer, egal, wo er wohnt. Zudem ist sie zeitlich äußerst flexibel und der Schüler bekommt im Einzelunterricht die volle Aufmerksamkeit des Lehrers.

Sind bestimmte Voraussetzungen für die Nachhilfe am Computer nötig?

MR: Man benötigt PC oder Laptop, eine Webcam sowie ein Headset oder Mikrofon und eine stabile Internetverbindung. Und der Schüler sollte Spaß daran haben, damit zu arbeiten. Wichtig ist, bei der Wahl des Online-Nachhilfeanbieters darauf zu achten, dass es eine virtuelle Lernumgebung gibt. Damit hat man die Möglichkeit, gemeinsam Dokumente zu bearbeiten, Nachrichten auszutauschen und viele weitere Funktionalitäten zu nutzen. Außerdem sollte der Lehrer am Computer einigermaßen fit sein, damit er notfalls technische Probleme lösen kann. Und er braucht genug didaktisches Geschick, um seinen Unterricht an die interaktiven Gegebenheiten anzupassen.

Allerdings können Arbeitsmaterialien des Schülers nicht direkt verwendet werden, oder?

MR: Doch durchaus. Bestimmte Seiten aus den Büchern, Arbeitsblätter oder Prüfungen kann man einscannen und dann in der virtuellen Lernumgebung hochladen. Da sich eine Nachhilfestunde in der Regel ja nur auf ein bestimmtes Thema konzentriert, ist das kein Problem.

Theoretisch kann ja jeder Online-Nachhilfe anbieten, der das technische Equipment besitzt. Worauf sollte man denn bei der Wahl des Nachhilfelehrers achten?

MR: Wichtig ist, dass der Nachhilfelehrer didaktisch und fachlich qualifiziert ist. Darauf achten professionelle Anbieter selbstverständlich. Bei uns werden beispielsweise alle Nachhilfelehrer geprüft und müssen ihre Qualifikationen nachweisen. Außerdem werden sie für den Umgang mit der virtuellen Lernumgebung und die Nachhilfe an sich speziell geschult.

Aber sind professionelle Nachhilfe-Anbieter nicht viel teurer?

MR: Vielleicht kostet die Nachhilfestunde bei einem professionellen Anbieter etwas mehr als bei der Nachbarstochter von nebenan. Dafür bekommen die Eltern aber auch mehr Leistungen und vor allem einen garantiert qualifizierten Lehrer. Bei Anbietern wie tutoria beispielsweise können Eltern den Lernfortschritt verfolgen und sich beraten lassen, falls ihre Kinder Probleme in der Schule oder beim Lernen haben.

Gibt es bestimmte Grenzen, was das Lernen am Computer angeht?

MR: Online-Nachhilfe ist nach meiner Einschätzung vor allem für etwas ältere Schüler ab ca. zehn Jahren geeignet. Diese sind nämlich meistens besser in der Lage, sich zu konzentrieren und sich selbst zu organisieren. Wichtig ist natürlich auch eine stabile Internetverbindung , damit nicht technische Probleme vom Lernen ablenken. Und die Nachhilfe am Computer sollte immer als Einzelunterricht stattfinden, damit sich der Lehrer voll und ganz auf den Schüler konzentrieren kann. Sind diese Punkte gegeben, dann kann Online-Nachhilfe eine sehr gute Ergänzung sein, mit der man zum Beispiel auch kurz vor der Prüfung schnell noch eine dringende Frage klären kann.

Welche Erfahrungen machen denn die Nachhilfelehrer mit dem Online-Unterricht?

MR: Einige berichten zum Beispiel, dass ihre Schüler viel motivierter sind, wenn sie Gleichungen am PC lösen anstatt auf dem Papier. Ein Schüler meinte, es erinnere ihn an ein Computerspiel, wenn er am Bildschirm geometrische Figuren erstellt. Gerade bei Englisch- oder Französisch-Nachhilfe nutzen viele Lehrer die Möglichkeit, aktuelle Songs oder Filmausschnitte im Original als Videos einzubinden. Damit haben sowohl Schüler als auch Lehrer Spaß.

Bald beginnen ja die Sommerferien. Einige Schüler müssen die freie Zeit nutzen, um versäumten Stoff nachzuarbeiten oder ihre Kenntnisse aufzufrischen. Kann Online-Nachhilfe da helfen?

MR: Grundsätzlich hat jeder Schüler seine Ferien verdient und sollte sich in der Zeit vor allem erholen. Wer sich aber in den Ferien auf das nächste Schuljahr vorbereiten und eventuelle Defizite aufarbeiten möchte, für den kann Online-Nachhilfe eine gute Unterstützung sein. Denn damit kann man einfacher in kleinen Einheiten lernen. Und es fällt leichter, sich mal für eine Dreiviertelstunde an den Laptop zu setzen als einen Live-Termin auszumachen. Das kann man sogar vom Urlaubsort aus machen - falls das Wandern mit den Eltern gar zu langweilig wird.

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