Pflegende Angehörige: Das steht Ihnen zu

Angehörige brauchen oft Beratung : Pflegende Angehörige: Das steht Ihnen zu

Wenn Angehörige pflegebedürftig werden, ist dies immer eine Belastung für die ganze Familie. Viele Alltagsprobleme müssen gemeistert werden. Oft muss dies auch sehr schnell geschehen. Angehörige verlieren dann häufig den Überblick. Was pflegenden Angehörigen zusteht, zeigt dieser Artikel.

Den Haushalt führen

Gerade wenn Pflegebedürftige auf eigenen Wunsch von Angehörigen zuhause umsorgt werden, stellt das einen großen Zeitaufwand da. Wer geht einkaufen und wer putzt, wenn am Ende des Tages immer zu wenig Zeit bleibt? Schließlich geht der Alltag in den Familien weiter.

Wer Hilfe beim Putzen benötigt, kann ein Inserat für einen Haushaltshilfen Job online aufgeben. Bewerber können sich bequem melden und Angehörige erfahren Entlastung im Alltag. Dabei sind sie beim Einsatz von Minijobbern flexibel und können den Bedarf an die jetzige Situation anpassen.

Auch Ilona W. hatte nach der kurzfristigen Pflegebedürftigkeit ihres Mannes Hilfsbedarf. Nachdem ihr Mann einen Schlaganfall erlitten hatte, kam er in eine Rehamaßnahme. Danach wurde klar, dass er pflegebedürftig ist und betreut werden müsse. Ein Pflegeheim kam nicht in Frage, aber nach komplizierten Anträgen bei der Krankenkasse, ging es dann dank Putzkraft und Hilfe von Beratern auch zu Hause weiter.

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege

Wenn angehörige krank sind oder für begrenzte Zeit ihre Angehörigen nicht betreuen können, kann die Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Dabei bewilligt die Krankenkasse eine Pflegekraft, die die häusliche Pflege übernimmt.

Ist dies nicht möglich, können Pflegebedürftige für einen Zeitraum in der Kurzzeitpflege betreut werden. Dazu müssen sie aber in eine Pflegeeinrichtung.

Pflegekurse

Pflegedienste und karitative Einrichtungen müssen kostenlose Pflegekurse für Angehörige und Ehrenamtler zur Verfügung stellen. Hier werden in Praxiskursen, mit Videomaterial und in schriftlicher Form der richtige Umgang mit den Pflegebedürftigen erklärt und geübt.

Die Kurse können zuhause vor Ort oder in einer Einrichtung stattfinden. Für Personen, die sich nur über die Pflege informieren wollen, ist der Kurs ebenfalls offen. Allerdings müssen sie meist ein Entgelt bezahlen.

Beratung

Angehörige brauchen oft Beratung. Die Pflegesituation kommt häufig überraschend. Zu diesem Zweck gibt es die Pflegeberatung, die meist über die Pflegestützpunkte abgewickelt wird. In der bundesweiten Liste der Pflegestützpunkte finden Angehörige kompetente Ansprechpartner, die auch bei lokalen Fragen behilflich sein können.

Die Pflegekassen führen eine individuelle Beratung auf Wunsch durch. Rechtlich steht dies jedem pflegenden Angehörigen zu. Das Beratungstelefon ist unter 030-20179131 erreichbar. Von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr finden Angehörige hier kompetente Angehörige. Themen wie Überforderung und Stress können hier zur Sprache gebracht werden.

Bei rechtlichen Fragen gibt das Bundesministerium für Gesundheit Auskunft.

Foto: pixabay.com, CCO Public Domain/Huskyherz

Finanzielles

Die Pflegekasse, das Sozialamt und die Krankenkasse können finanzielle Mittel bewilligen. Dies ist aber je nach Fall unterschiedlich. Trotzdem sollten Angehörige unbedingt überall nachfragen und klären, was für ihre Angehörigen infrage kommt. So können Personen Unterstützung vom Sozialamt bekommen. Manchmal ist auch die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises ratsam. Mit diesem bekommen der Betroffene und Begleitpersonen Vergünstigungen.

Selbsthilfe

In einigen deutschen Städten gibt es Selbsthilfegruppen zum Thema Pflege. Sie sind besonders dann gefragt, wenn Angehörige zu vereinsamen drohen. Hier teilt man dieselben Sorgen und kann sich untereinander helfen.

Zum Thema Pflege gibt es viele Fachbücher, die auch von den eigenen Erfahrungen mit der häuslichen Pflege berichten.

Außerdem gibt es die Möglichkeit sich über palliativ Vereine Rat und Hilfe zu holen.

Entlastungsbetrag

Die Pflegekasse zahlt den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro an Angehörige. Die Leistungen müssen mit einer Rechnung belegbar sein. Welche Leistungen überhaupt anerkannt werden, ist in jedem Bundesland unterschiedlich und muss erfragt werden.

Der Entlastungsbetrag verfällt nicht und kann noch bis ins nächste Jahr abgerufen werden.

Politische Forderungen

Natürlich ist der Pflegenotstand schon längst in der Politik angekommen. Leider bewegt sich in den letzen Jahren nicht viel und Angehörige hoffen auf eine baldige Reform.

Urlaub und Kur

Manche Pflegekassen und Krankenkassen unterstützen Angehörige durch einen Kuraufenthalt. Dieser kann mit oder ohne den Pflegebedürftigen angetreten werden. Auch bei der Buchung von kostengünstigen Urlauben werden Angehörige unterstützt.

Hier ist der Wohlfahrtsbund und die Krankenkasse der richtige Ansprechpartner.

Pflegezeit

Unter bestimmten Voraussetzungen haben Angehörige die Möglichkeit sechs Monate Pflegezeit zu nehmen. Sie müssen in dieser Zeit nicht arbeiten, bekommen kein Gehalt und können trotzdem ihren Job behalten.

Steuern

Die Ausgaben für die Pflege eines Angehörigen können bei der Steuer geltend gemacht werden. Details klären Angehörige am besten mit einem Steuerberater.

Fazit

Angehörige haben viele Möglichkeiten auf unterschiedliche Hilfsangebote zurückzugreifen. Leider sind diese nicht zentral organisiert und jede Maßnahme ist mit Bürokratie verbunden. Daher sollten sich Angehörige überall informieren.

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