1. Magazin
  2. Familie

Schimpfwörter auf dem Schulhof

Interview mit Sprach-Expertin Konstanze Marx : Schimpfwörter auf dem Schulhof

Sich manchmal zu ärgern ist ganz normal. Trotzdem gibt es Grenzen. Doch wo hört der Spaß auf?

Bestimmt hast du auf dem Schulhof schon viele Schimpfwörter gehört. Oder du hast selbst welche benutzt. Dabei muss man gut aufpassen. Denn Worte können sehr verletzend sein. Das findet auch die Sprach-Expertin Konstanze Marx. Sie erklärte den dpa-Nachrichten für Kinder auch, wann Ärgern okay ist und wann nicht.

In der Pause auf dem Schulhof werden oft Schimpfwörter benutzt. Wie finden Sie das?

KONSTANZE MARX: Das ist erst mal normal. Und zwar, wenn es Frotzeleien innerhalb von Gruppen betrifft. Man will damit zeigen, dass man zueinander, zu einer Gruppe gehört. Und dabei kann es durchaus sein, dass derbe Wörter benutzt werden oder auch Tabus gebrochen werden.

An welche Wörter denken Sie da zum Beispiel?

MARX: Na ja, es hängt ja nicht an bestimmten Wörtern. Eine Gruppe entwickelt eigene Begrüßungen oder bestimmte Anreden. Das können Abkürzungen sein, die andere gar nicht verstehen, etwa ‚Noob‘. Oder Tiernamen als scherzhafte Beleidigungen, wie zum Beispiel ‚Du blöde Sau‘. Den Lehrerinnen oder Lehrern schlackern da verständlicherweise die Ohren. Aber beunruhigt sein muss man deswegen nicht.

Warum nicht?

MARX: Weil sich die Mitglieder einer Gruppe, also zum Beispiel einer Schulhof-Clique, damit zeigen, dass sie zusammengehören. Wenn sie sich beleidigen, ist das scherzhaft gemeint. Dass Eltern und Lehrkräfte so nicht angesprochen werden, wissen Kinder und Jugendliche. Auch Schüler und Schülerinnen, die nicht zur eigenen Gruppe gehören, dürfen nicht beleidigt werden. Weder im direkten Kontakt noch über WhatsApp oder hinter deren Rücken. Das ist Ausgrenzung und eine Form von Gewalt.

Was kann man in solchen Fällen machen?

MARX: Dann darf man nicht weggucken. Es kann sein, dass auf die verletzenden Wörter sogar körperliche Gewalt folgt. Man kann dann versuchen, ausgegrenzten Personen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Man kann ihnen sagen, dass man die Meinung der anderen nicht teilt. Und man kann mit ihnen gemeinsam zu Vertrauenspersonen gehen.

Die Fragen stellte Katharina Heimeier.

(dpa)