Stofftaschen, Plastik- oder Papiertüten?

Umwelt : Stofftaschen, Plastik- oder Papiertüten?

Einkäufe lassen sich am einfachsten in handlichen Tragetaschen nach Hause transportieren. Bis vor Kurzem war es noch Gang und gebe, dass es in jedem Supermarkt kostenlose Plastiktaschen gab.

Mittlerweile sind die Plastiktüten aber in die Kritik geraten. Deshalb werden in der letzten Zeit vermehrt Papier- oder Stofftaschen angeboten. Der neueste Trend geht dahin, eine eigene Tasche nach Belieben herstellen zu lassen. Es stellt sich grundsätzlich die Frage, welche Taschen die beste Umweltbilanz erzielen. Diese Fragestellung sollte vielleicht etwas näher erörtert werden.

Welches Material hat eine gute Umweltbilanz?

Um die Umweltbilanz ermitteln zu können, sind mehrere Aspekte von Bedeutung. Dazu gehören:

· Verfügbarkeit der Rohstoffe

· Gewinn der Rohstoffe, ohne dauerhafte Schäden anzurichten

· Energieverbrauch bei der Herstellung

· Möglichkeit des Recyclings

Werden diese Faktoren zugrunde gelegt, erzielt die gute alte Plastiktüte mit Abstand die beste Umweltbilanz. Das ist zwar kaum vorstellbar, aber wahr. Eine Papiertüte müsste mindestens dreimal benutzt werden, um eine vergleichbar gute Umweltbilanz zu erreichen. Eine Stofftasche muss sogar mehr als 25 Mal verwendet werden, um an die Umweltbilanz einer Plastiktüte heranzukommen. Da fragen sich jedoch viele Menschen, warum denn nicht nur noch Plastiktüten benutzt werden? Diese Frage lässt sich recht einfach beantworten.

Nicht nur die Umweltbilanz ist entscheidend

Bei der Ermittlung der Umweltbilanz spielen in erster Linie die Faktoren bezüglich der Herstellung eine wichtige Rolle. Das Recyceln wird zwar auch berücksichtigt, aber es geht lediglich darum, ob das Material überhaupt wieder recycelt werden kann. Wohl jedem Menschen ist klar, dass eine Papiertüte oder eine Stoffbeutel viel einfacher und umweltfreundlicher verwertet werden können als Plastiktüten. Es ist nur mit einem enormen Aufwand möglich, eine Plastiktüte vollständig zu verwerten.

Liegt eine Plastiktüte in freier Natur, kann es bis zu 500 Jahre dauern, bis das Material wieder vollständig zersetzt ist. Bei einem Stoffbeutel sind es nur wenige Monate. Am schnellsten löst sich eine Papiertüte auf. Eine Papiertüte eignet sich aber auch nicht zum Transport von feuchten Gegenständen. Dann beginnt sie schon sich aufzulösen, bevor die Einkäufe nach Hause transportiert wurden.

Die Gefahren vom Plastikmüll sollten nicht unterschätzt werden

Auch Kunststoff lässt sich wieder recyceln. Oftmals ist es aber so, dass Plastik einfach in der Natur entsorgt wird. Besonders dramatisch ist es, dass sich in den Gewässern schon große Mengen an Plastikmüll befinden. Große Plastiktüten zerfallen im Laufe der Jahre in immer kleiner werdende Partikel. Die einzelnen Teile sind später so klein, dass sie von den Lebewesen in den Meeren mit der Nahrung aufgenommen werden. Daher sind Plastikrückstände nicht nur im Verdauungstrakt bei Fischen zu finden. Auch Wasservögel, Robben und andere Tiere verschlucken mit der Nahrung Kunststoffpartikel.

Es wurden schon viele tote Wassertiere gefunden, die sich an größeren Kunststoffteilen verschluckt hatten oder auch erstickt sind. Die Mengen an Kunststoffabfällen, die sich in den Weltmeeren und kleineren Gewässern befinden, sind kaum vorstellbar. Wissenschaftler fanden heraus, dass allein im Mittelmeer etwa 500 Millionen Tonnen Plastikmüll herumschwimmen. Deshalb sollte jeder verantwortungsbewusste Mensch, so gut es geht, auf Plastik verzichten. Das gelingt zwar nicht in allen Lebensbereichen, aber auf Plastiktüten kann jeder verzichten, weil es hervorragende Alternativen gibt.

Vor- und Nachteile von Papiertüten

Beim Recyceln von Papiertüten treten so gut wie keine Schwierigkeiten auf. Sie lassen sich problemlos im Altpapier entsorgen. Das Papier der Tüten wird in Aufbereitungsanlagen wiederaufbereitet, sodass daraus neue Tüten hergestellt werden. Wer zu Hause einen Ofen besitzt, kann sie sogar selbst verbrennen. Dann erzeugen sie sogar noch etwas Wärme. Der praktische Nutzwert hält sich aber in Grenzen. Papiertüten eignen sich nur zum Transport leichter Dinge. Bei Brötchen und Gemüse ist das überhaupt kein Problem. Schwieriger wird es jedoch beim Transport von Flaschen. Die Stabilität ist für solch schweren Dinge meistens nicht ausreichend. Tritt dann auch noch etwas Feuchtigkeit durch Regen oder andere Ursachen auf, nimmt die Stabilität noch weiter ab.

Fazit

Festzuhalten bleibt, dass Plastiktüten bei der Herstellung die beste Umweltbilanz aufweisen. Trotzdem ist die Verwendung äußerst zweifelhaft, weil durch das Plastik große Bereiche der Natur in Mitleidenschaft gezogen werden. Papiertüten stellen zwar keine besonders große Gefahr für die Umwelt dar, aber im praktischen Einsatz erweisen sie sich aufgrund der mangelhaften Stabilität nicht sehr nützlich. Die beste Wahl ist trotz schlechter Umweltbilanz immer noch der Stoffbeutel. Die Stoffbeutel lassen sich auch hervorragend mit Aufdrucken aller Art verschönern. Dann werden sie auch mehrfach genutzt.

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