| 09:37 Uhr

Vermächtnisstudie - Wenn Mütter bereuen, der Kinder wegen den Beruf vernachlässigt zu haben

Eltern und Kinder beisammen, dass ist das Idealbild der Familie, aber oft mehr Wunsch als Wirklichkeit. Während die Väter arbeiten gehen, bleiben die Mütter meist zu Hause. Und manche bereuen das später.
Eltern und Kinder beisammen, dass ist das Idealbild der Familie, aber oft mehr Wunsch als Wirklichkeit. Während die Väter arbeiten gehen, bleiben die Mütter meist zu Hause. Und manche bereuen das später. FOTO: Bildquelle: Monkey Business Images - 114642343 / Shutterstock.com
Die aktuelle Vermächtnisstudie zeigt: Für die allermeisten Eltern sind Kinder das wichtigste. Doch vor allem gut gebildete Frauen bereuen später der Kinder wegen auf ihre Karriere verzichtet zu haben.

Die Deutschen kriegen keine Kinder mehr? Von wegen! Deutschland erlebt gerade einen kleinen Babyboom. Im vergangenen Jahr kamen 738.000 Kinder zur Welt, 23.000 mehr als im Jahr 2014. Und der Trend scheint sich fortzusetzten. Ob es daran liegt, dass die geburtenstarken Jahrgänge von 1981 bis 1991 nun selbst Kinder bekommen

Das Kinder ihren Eltern wichtig sind, dass zeigt auch die aktuelle Vermächtnisstudie , die von "Die Zeit", dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Institut "Infas" erstellt wurde. Für diese Studie wurden insgesamt 3.100 Mütter und Väter, kinderlose Männer und Frauen befragt. 95 Prozent der Mütter und 96 Prozent der Väter gaben an, dass Kinder ihnen wichtig seien. Wenig überraschende Werte.

Deutlich interessanter und aufschlussreicher sind allerdings die Antworten auf die Frage, was sie kommenden Generationen mit auf den Weg geben würden. Hier ging die Zustimmung zu der Aussage, dass Kinder im Leben wichtig seien, spürbar zurück: Bei den Frauen um 13 Prozent und bei den Männern um fünf Prozent.

Diesen Rückgang interpretiert Jutta Allmendinger, Präsidentin des WZB und Studienleiterin, so, dass Eltern ihre Entscheidung für Kinder bereuen könnten. Um dieser Vermutung weiter auf den Grund zu gehen, hat man sich in einer zusätzlichen Studie die Frage gestellt, welche Eltern ihr Bedauern darüber geäußert haben, Kinder bekommen zu haben. Die Forscher haben folgende Kriterien dieser Person überprüft:

· Alter

· Bildungsabschluss

· Einkommen

· Herkunft

Das Ergebnis: Je höher die Bildung, desto öfter haben Eltern, vor allem Frauen, das Kinderkriegen bereut. Die Studienverantwortlichen ziehen daraus den Schluss, dass diese Frauen es bedauern, der Kinder zuliebe auf ihre berufliche Karriere verzichtet zu haben. Während der Mann seinen beruflichen Werdegang in der Regel unbeirrt und ohne Karriereeinbußen vorsetzt, bleibt die Frau zu Hause, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Meist nicht nur ein paar Wochen oder Monate, sondern sogar Jahre.

Männer müssen sich endlich mehr engagieren

Menschen, die jahrelang aus dem Beruf raus sind, finden nur schwer wieder zurück in den Berufsalltag. Je nach Arbeitsplatz und Branche haben sich in dieser Zeit beispielsweise die juristischen oder technischen Gegebenheiten komplett geändert. Wer zum Beispiel als Steuerfachangestellter nicht ständig am Ball bleibt und sich über Änderungen im Steuerrecht und in entsprechender Branchensoftware informiert und damit eingehend befasst, der hat einen so großen Aufholbedarf, der im Grunde mit der Lernmenge einer dreijährigen Ausbildung gleichzusetzen ist.

Nicht ganz unschuldig daran, dass die Frauen bereuen, der Kinder wegen auf die Karriere verzichtet zu haben, sind die Männer. Statt ihre Frauen bei der Erziehung zu unterstützen, gehen sie meist Vollzeit arbeiten. Das Frauen das gleiche Anrecht auf eine Karriere wie Männer haben, scheint sich erst langsam durchsetzen. Der Inhaber der Webseite papa.de ist deshalb der Meinung, dass Männer sich endlich dazu durchringen sollten, weniger zu arbeiten, sich mehr in der Erziehung zu engagieren und den Frauen den Rücken freizuhalten. Denn die wenigsten Mütter wollen eine täglich zehn Stunden arbeitende Geschäftsfrau sein, sie wollen einfach nur ein paar Stunden in der Woche ihrem Beruf nachgehen. Teilzeit zum Beispiel.

Für Mütter geht es beim Arbeiten weniger darum Geld zu verdienen oder hohe Anerkennung ihrer Karriere wegen abzustauben. Meist ist da s höhere Einkommen des Mannes ja der Grund dafür, dass er ohne Veränderung weiter Vollzeit arbeitet. Aber Arbeit bedeutet auch soziale Integration. Es ist wichtig auch mal aus den eignen vier Wänden herauszukommen, andere Menschen zu sehen und über andere Themen als Windeln und Schule zu reden. Wer nicht nur auf die Kinder reduziert wird, der fühlt sich auch gesellschaftlich gebraucht und anerkannt. Das stärkt das Selbstwertgefühl der Mütter und sorgt insgesamt für eine Ausgeglichenheit, die sich natürlich auch im Familienleben wiederspiegelt.

Damit Mütter weiterhin ihrem Beruf nachgehen können, ist auch die Politik gefragt. Mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ist ein wichtiger Schritt getan. Das Elterngeld und die Elternzeit , die mittlerweile auch von vielen Vätern in Anspruch genommen wird, sind weitere Meilensteine. Doch auch bei der Elternzeit zeigt sich: Den Großteil der Zeit bleibt die Mutter zu Hause, Väter gönnen sich höchstens mal einen "verlängerten Urlaub".


Anzahl der Geburten in Deutschland

von 1991 bis 2015


Jahr

Geburtenzahl


 1991

 830.019


 1992

 809.114


 1993

 798.447


 1994

 769.603


 1995

 765.221


 1996

 796.013


 1997

 812.173


 1998

 785.034


 1999

 770.744


 2000

 766.999


 2001

 734.475


 2002

 719.250


 2003

 706.721


 2004

 705.622


 2005

 685.795


 2006

 672.724


 2007

 684.862


 2008

 682.514


 2009

 665.126


 2010

 677.947


 2011

 662.685


 2012

 673.544


 2013

 682.069


 2014

 714.927


 2015

 737.575


 Quelle: Statista

Bildquelle: Monkey Business Images - 114642343 / Shutterstock.com