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Volksfreund-Serie: "Wir haben es in der Hand" - Über Vorsorge, Früherkennung und einen guten Umgang mit sich selbst

Volksfreund-Serie: "Wir haben es in der Hand" - Über Vorsorge, Früherkennung und einen guten Umgang mit sich selbst

Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, nicht rauchen, wenig Alkohol: Eigentlich kennt jeder die goldenen Regeln für ein gesundes Leben - und doch befolgen sie nicht alle. Dabei sollten vor allem Menschen, die familiär vorbelastet sind, auf ihre Gesundheit achten. Ein Beitrag aus der Volksfreund-Gesundheitsserie.

"Ich werde 100 gute Jahre leben." So hat Gisbert Löcher seinen Essay übertitelt, mit dem er 2012 den Studierendenwettbewerb des Bundesinnenministeriums zum Thema "Chance Demografie" gewann. Daran teilnehmen konnte der Trierer, weil er neben seinem Hauptberuf noch studiert: Er steht kurz vor dem Abschluss seines Online-Masterstudiengangs "Integrierte Gerontologie".

62 Jahre hat Löcher bereits erfolgreich gemeistert - trotz seiner zwei Krankheiten. Er hat eine angeborene Kugelzellanämie, die eine vergrößerte Milz und Gallensteine zur Folge hat. Und vor 15 Jahren wurde bei ihm eine Herzrhythmusstörung festgestellt. Doch Löcher lässt sich davon nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Ganz bewusst pflegt er einen sehr gesunden Lebensstil. Fleisch isst er nur einmal pro Woche: Freitags in der Mittagspause genießt der IT-Experte, der bei einer Bank in Hesperange arbeitet, seine luxemburgische "Grillmettwurscht". Möglichst zweimal in der Woche trainiert er im Fitnessstudio. Dreimal täglich macht er 25 Kniebeugen und 20 Liegestütze. Zwar hat er früher einmal wenig geraucht, doch seine letzte Zigarette drückte er im Juni 1988 aus. Er trinkt wenig Alkohol. Und versucht, möglichst viele Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen.TV-Serie Ihre Gesundheit


Jedem Mediziner würde bei diesem "Generalstabsplan", wie Löcher seine Grundregeln selbst bezeichnet, das Herz aufgehen. Besonders jenen, die immer wieder Patienten behandeln, die unter anderem aufgrund eines ungesunden Lebenswandels krank geworden sind. "Uns geht es zu gut. Der Mensch ist nicht für ein so wollüstiges Leben gebaut", sagt Dr. Karl Eugen Hauptmann, Kardiologe am Brüderkrankenhaus Trier, und verweist auf den hohen Fleischkonsum und das Rauchen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland Todesursache Nummer eins. Zwar treten sie meist im zunehmenden Alter auf. Ihre Ursachen liegen aber oft in der Vergangenheit. "Wir haben es in der Hand, die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern", betont Hauptmann. Und zwar, bevor Beschwerden auftreten. Denn: "Wenn die Patienten mit Beschwerden kommen, ist die Arteriosklerose schon relativ weit fortgeschritten." Und mögliche Folgeerkrankungen von Arteriosklerose sind unter anderem Herzinfarkt und Schlaganfall.

Auch die familiäre Vorbelastung spielt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft eine Rolle - ebenso wie bei Krebserkrankungen, der zweithäufigsten Todesursache. Gerade für Menschen mit solchen Vorbelastungen sei es wichtig, regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen, betont Dr. Detlef Stiemert, Allgemeinmediziner aus Speicher. Beim sogenannten Gesundheits-Check-up beispielsweise werden unter anderem der Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinwerte gemessen sowie eine komplette körperliche Untersuchung durchgeführt. Ab dem 35. Lebensjahr bekommt jeder den Check-up alle zwei Jahre von der Krankenkasse bezahlt. Das Ziel: frühzeitig chronische Krankheiten zu entdecken und behandeln zu können.

Doch steht der Check-up in der Kritik: Eine Studie von dänischen Wissenschaftlern hat unter anderem ergeben, dass solche Vorsorgeuntersuchungen statistisch gesehen keine positiven Auswirkungen haben. Dr. Stiemert erklärt sich das so: "Diejenigen, die zur Vorsorge kommen, sind die, die sowieso bereits sehr auf sich achten." Die eigentlichen Risikopatienten, beispielsweise Raucher oder übergewichtige Menschen, die wirklich profitieren würden, kämen häufig erst gar nicht. Oder aber die Diagnosen wurden bei anderen Arztbesuchen bereits gestellt, also nicht erst beim Check-up.

"Viele Menschen gehen nicht zur Vorsorge, weil sie Angst vor dem Ergebnis haben", weiß der Hausarzt. Dabei könne gerade bei Bluthochdruck oder leicht erhöhten Cholesterinwerten eine konsequente Veränderung der Lebensführung - Sport, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf - zu einer Verbesserung führen, ohne dass medikamentös behandelt werden muss. Aber eben nur dann, wenn beides in einem frühen Stadium erkannt werde und der Körper noch nicht unter den Folgen leide, so Dr. Stiemert.

Gisbert Löcher geht zum Check-up und seit seinem 50. Lebensjahr auch zur Darmkrebsvorsorge. Die ist ihm besonders wichtig, da sein Vater an Darmkrebs gestorben ist. Die Vorsorgeuntersuchung wird mit einer Darmspiegelung gemacht - und Löcher beruhigt: "Das tut nicht weh." Auch Dr. Stefan Burg, Facharzt für Krebs- und Magen-Darmerkrankungen am Kreiskrankenhaus St. Franziskus Saarburg, kennt die Angst vor der Untersuchung. Durch die Kurznarkose merke der Patient jedoch nichts, versichert er. Die Krankenkassen zahlen die Darmspiegelung zur Krebsvorsorge ab dem 55. Lebensjahr. Dr. Burg ruft dazu auf, diese Möglichkeit wahrzunehmen. "Man kann dadurch effektiv Darmkrebs verhindern, indem Darmpolypen als Krebsvorstufen abgetragen werden", erklärt er.

Überhaupt rät der Arzt dazu, die Möglichkeiten der Krebsvorsorge zu nutzen - auch jene, die in der Kritik stehen. Beispiel Prostatakrebs, die bei Männern am häufigsten diagnostizierte Krebsart. Der sogenannten PSA-Test, bei dem ein prostataspezifisches Antigen (PSA) im Blut nachgewiesen wird, ist wegen seiner Ungenauigkeit umstritten. Das Problem: Wenn der PSA-Wert erhöht ist, kann das auf Krebs hinweisen - muss aber nicht. "Grund kann zum Beispiel auch eine Prostataentzündung sein", erklärt Dr. Burg.

Die Folge: "Der Mann macht sich Sorgen. Selbst, wenn andere Tests darauf schließen lassen, dass es kein Krebs ist." Trotz dieser Ungenauigkeit gebe es viele Männer, die den PSA-Wert ermittelt haben wollen, obwohl der Test nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Dr. Burg rät dazu, den PSA-Wert nur im Zusammenhang mit dem Tastbefund und erforderlichenfalls mit einem Gewebebefund zu interpretieren. Die wichtigste Vorsorgeuntersuchung für das Prostatakarzinom sei immer noch "der Finger eines erfahrenen Urologen".
Die bei Frauen am häufigsten diagnostizierte Krebsart ist der Brustkrebs.

Und auch hier steht die Vorsorgeuntersuchung, das Mammographie-Screening, das Frauen zwischen 50 und einschließlich 69 Jahren alle zwei Jahre bezahlt wird, in der Kritik. Ein Kritikpunkt bezieht sich auf falsch positive Befunde. Das bedeutet beispielsweise, dass sich erst bei einer Gewebeentnahme herausstellt, dass der bei der Mammographie festgestellte Tumor gutartig ist, also kein Krebs. Dr. Burg plädiert dennoch für die Mammographie: "Zusammen mit dem Abtasten der Brust bei der jährlichen gynäkologischen Untersuchung und der Sonografie, also einer Ultraschalluntersuchung, ist sie die beste Methode, um Krebs in einem ganz frühen und heilbaren Stadium zu operieren", betont er. Wobei der Ultraschall als normale Vorsorgeuntersuchung nicht von den Krankenkassen erstattet wird, sondern erst dann, wenn bereits ein Krebsverdacht besteht.

Die beste Vorsorge, um das Krebsrisiko zu senken, habe allerdings jeder selbst in der Hand, betont auch Dr. Stefan Burg. Mehrfach betont er im Gespräch: "Die Menschen müssen aufhören zu rauchen. Das ist zusammen mit der Motivation zur Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen die wichtigste Botschaft."

Auf der Internetseite von "In Form", einer Initiative der Bundesregierung, stehen zahlreiche Bewegungs- und
Ernährungstipps für Erwachsene und Kinder: www. in-form.deExtra

Eine Auswahl der Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung sowie Vorbeugeimpfungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt werden:
Prostatakrebs: Abtasten der Prostata jährlich für Männer ab dem 45. Lebensjahr.
Gebärmutterhalskrebs: Impfung gegen Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, für Mädchen ab dem neunten Lebensjahr (zuvor Kostenübernahme mit der Kasse abklären); ab dem 20. Lebensjahr Zellabstrich am Muttermund (Pap-Test).
Brustkrebs: ab dem 30. Lebensjahr Untersuchung und Abtasten der Brust und der Lymphknoten; Mammographie-Screening alle zwei Jahre für Frauen zwischen 50 und einschließlich 69 Jahren.
Darmkrebs: bei 50- bis einschließlich 54-Jährigen einmal im Jahr Schnelltest auf Blut im Stuhl; ab 55 Jahre Darmspiegelung alle zehn Jahre, alternativ Schnelltest auf Blut im Stuhl alle zwei Jahre.
Hautkrebs: Ganzkörperuntersuchung der gesamten Haut alle zwei Jahre ab dem 35. Lebensjahr. arn

Mit diesem Beitrag schließen wir unsere Gesundheitsserie ab. Alle Beiträge finden Sie auf volksfreund.de/gesundheit