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Japanische Gärten
Der japanische Traum

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In Europa herrscht eine ungebrochene Begeisterung für die Schönheit und Tiefe der asiatischen Kultur. Besonders die Gartengestaltung genießt in Asien eine lange Tradition.

Speziell japanische Gärten gehören zu den ältesten, herrlichsten und raffiniertesten Gärten der Welt. Von der reichhaltigen japanischen Kultur zu lernen, erweitert den Horizont und übermittelt neue Erkenntnisse. Bei der Gartengestaltung hat jeder Gartenbesitzer die Chance, sich ein Stück japanische Kultur in den eigenen Garten zu holen. Doch was zeichnet den japanischen Garten überhaupt aus? Was macht ihn zu etwas Besonderem?

Miniaturisierung der Wirklichkeit

Die ersten japanischen Gärten wurden bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert angelegt. Das Ziel war es, die natürlichen Landschaften abstrahiert abzubilden und sich dabei auf die schönsten und wesentlichen Aspekte zu konzentrieren. Dieses Motiv erklärt auch die Vielfalt der japanischen Gärten. So können sich Gartengestalter auf unterschiedliche Landschaften wie Seenplatten, Gebirge, Wälder und Küsten konzentrieren. Dieser Gedanke ist bis heute in der japanischen Gartengestaltung lebendig geblieben. So stehen beispielsweise Felsen für Berge, während eine geschnittene Kiefer mit Felsen und Farnen für eine Waldlichtung stehen kann. Japanische Gärten sind stets ein durchdachtes Ganzes, wo jedes Detail aufeinander abgestimmt ist. Hübsche Gartenhäuser aus Holz findet man hier.

Asiatische Dialektik

Asiaten besitzen kulturell bedingt eine andere Wahrnehmung als die von der griechischen und römischen Antike geprägten Europäer. Ihnen kommt es weniger darauf an, Widersprüche durch einen Kampf aufzulösen, als vielmehr, diese als natürliche Bestandteile der Welt anzunehmen und zu harmonisieren. Zur Wirklichkeit gehört neben dem harten und aktiven Yin auch das weiche und passive Yang. Beide Gegensätze bekämpfen sich nicht gegenseitig, sondern bedingen einander.

Diese asiatische Dialektik wird auch in der japanischen Gartenkultur beachtet. Japanische Gärten sind tendenziell einfach und schlicht gehalten, besitzen aber auch Orte für subtiles Chaos. Während Pagoden, Laternen und buddhistische sowie shintoistische Schreine die Vergangenheit aufleben lassen, wird ebenso die Achtsamkeit für die Gegenwart gefördert. Dies geschieht etwa durch die Magie des Augenblicks, die durch das Plätschern des Wassers, das Fallen des Laubs im Herbst, die Geräusche des Windes und das Klopfen des Bambus auf Stein inszeniert wird.

Die vier Elemente

Im Sinne der holistischen Weltauffassung sind in japanischen Gärten die fünf Elemente integriert. Dabei handelt es sich um die Elemente, aus denen sich nach der japanischen Philosophie das Universum zusammensetzt, nämlich Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde. Die fünf Elemente werden in japanischen Gärten nicht nur integriert. Mindestens genauso wichtig ist ihre zweckmäßige Anordnung, damit diese Elemente ihre Wirkung auf den Besucher optimal entfalten können.

Japanische Wasserspiele

In diesem Sinne nimmt beispielsweise das Element Wasser einen breiten Raum in der japanischen Gartenkultur ein. Viele Gärten Japans beeindrucken mit formvollendeten Wasserlandschaften, wobei stehende Gewässer ein Tabu sind. Stattdessen werden japanische Gärten mit Springbrunnen und Wasserläufen bereichert. Manche Gewässer besitzen in der Mitte kleinere Inseln, die über Brücken erreichbar sind.

Ein wildromantisches Teehäuschen

Da der Tee in der japanischen Gesellschaft eine hohe Wertschätzung genießt, dessen verschiedene Sorten perfekt auf den Geschmack und bestimmte Heilwirkungen abgestimmt sind, sind in vielen Gärten auch Teegärten angelegt. Diese bestehen aus einem einfachen, aber schmucken Teepavillon und besitzen am Eingang immer ein natürliches Waschbecken. In ihm wird die rituelle Reinigung des Gastes vollzogen, der in dem Teehaus seine Sorgen und Nöte ablegen und während des zeremoniellen Ereignisses zu sich selbst finden kann.

Die Pflanzen

Während Europäer dazu neigen, in ihren Gärten die verschiedensten Zierpflanzen zu integrieren, setzen Japaner ihren Fokus eher auf einen gekonnten Minimalismus. Das bedeutet, Pflanzen und Bäume spielen sehr wohl in japanischen Gärten eine Rolle, sie symbolisieren allerdings eine überschaubare Anzahl an Grundprinzipen, sodass japanische Gärten nie überladen wirken.

Die japanische Kirschblüte ist natürlich die ideale Pflanze, um einen japanischen Garten unverkennbar zu gestalten. Die Pflanze ist in Japan nicht einfach nur ein Baum, sondern auch ein Symbol für die japanische Kultur. Die Kirschblüte steht in Japan für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit. Wenn der Frühling beginnt, zieht der Baum mit seinem Meer an weiß-rosa Kirschblüten jeden Betrachter in seinen Bann. Ähnlich effektvoll sind die Farbspiele im Herbst, wenn die optische Kraft des japanischen Ahorns genutzt wird. Der Baum mit seinen ausladenden purpurroten Kronblättern und rosafarbenen Kelchblättern begeistert im Herbst, wenn das Laub eine tiefe goldgelbe, tiefrote und leuchtendrote Färbung annimmt.

Bei den kleineren Pflanzen dominieren hingegen natürlich wirkende Gewächse mit lockerem Wuchs und zierlicher Blüte. So sind für diese Pflanzen die Elfenblume, die Prachtkerze, Glockenblumen, der Salomonsiegel und der Akelei eine gute Wahl, während im Winter immergrüne Pflanzen wie Kiefern, Rhododendren, Azaleen und Bambuspflanzen dem Garten seine Struktur erhalten. Bei den Pflanzen dominieren in Japan Grüntöne, wobei dem Moos eine besondere Bedeutung zukommt, da Moos die Naturverbundenheit aller Wesen auf der Erde symbolisiert.

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