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Der Ziergarten - Eine Rückbesinnung auf heimische Pflanzen

Serie „Mein schöner Garten“ : Der Ziergarten - Eine Rückbesinnung auf heimische Pflanzen

Damit der Ziergarten ein echter Hingucker ist, müssen die Pflanzen nicht exotisch sein. Unser Experte rät zu einem auf das Haus abgestimmten Stil.

Früher war der Garten vor allem dazu gedacht, die Selbstversorgung zu gewährleisten. Spätestens seit Mitte der 80er Jahre und dem Gau von Tschernobyl geht der Trend aber klar zu Ziergärten. Schön aussehen soll es und blühen. Dennoch haben viele der verwendeten Ziersträucher noch eine bauliche Funktion. Häufig dienen sie als optischer Hintergrund für Zierbeete oder als Grundstücksbegrenzung in Form von blühenden Hecken. Setzte man vor allem bei der Grenzbepflanzung noch bis in die 2000er Jahre auf exotische Tuja-Pflanzen, gehe der Trend heute auch, wenn auch nicht ausschließlich, in Richtung regionale Sträucher, weiß Garten- und Landschaftsbauexperte Helmut Zickwolf von der gleichnamigen Traditionsgärtnerei in Ottweiler. „Der Vorteil bei blühenden Heckenpflanzen wie Forsythien, Blutjohannesbeere, Felsenbirne oder Flieder ist, dass sie nicht sehr pflegeintensiv sind.“ Es sei ein klarer Trend zur „Regionalität und Naturnähe“ bei der Gartengestaltung auszumachen, so Zickwolf. Das Wichtigste sei jedoch: „Die Bepflanzung muss zum Haus passen.“

Und die ergibt sich nicht nur durch die Auswahl von Pflanzen, sondern auch durch deren Zuschnitt und das allgemeine Gartendesign. Zu einem modernen Haus mit „vielen Glas- und Edelstahlelementen“ passe eine bunte Blütenpracht weniger. „Hier kann man beispielsweise mit geometrischen Formen arbeiten, indem man Kugelbäume und gradlinige Hecken pflanzt“, sagt Zickwolf. Bei Häusern aus der Gründerzeit habe man in der Vergangenheit häufig zum Buchsbaum gegriffen. Aufgrund des grassierenden Schädlingsbefalls durch den Buchsbaumzünsler und eine Pilzkrankheit komme der aber inzwischen aus der Mode. Allerdings gebe es „recht ähnliche Pflanzen“, wie die Eibe oder den Bergilex, mit denen man einen vergleichbaren optischen Effekt erzielen könne. Will man sein Landhaus neu begrünen, empfiehlt Zickwolf den „klassischen Bauerngarten“, bestehend aus winterharten Pflanzen, die jährlich neu austreiben. Passend seien hier Sommerhut, Pfingstrosen, Ziersalbei oder Rittersporn. „In Verbindung mit Rosen oder Lavendel wirkt das optisch sehr gut“, sagt der Experte.

Neben dem Aussehen spiele für viele seiner Kunden Nachhaltigkeit inzwischen eine große Rolle. „Die Leute wollen, dass ihr Garten auch für Insekten und Vögel attraktiv ist“, sagt Zickwolf. Und hier gelte die Faustregel: „Alles was blüht, ist gut für Bienen.“ Damit die Blüte nicht nur zu Jahresbeginn gewährleistet ist, sollte man bei der Bepflanzung des Gartens auf die verschiedenen Blühzeiten achten. Man könne beinah eine ganzjährige Blüte im Garten erreichen, wenn man es geschickt anstelle. Zu den sogenannten Frühlingsblühern, die schon im Januar in voller Pracht stehen, gehören zum Beispiel die Zaubernuss oder der Winterschneeball. Im Sommer treiben dann Flieder und Bauernjasmin aus und im Herbst leuchten Blauraute und Schmetterlingsflieder aus dem Garten. Das Thema Nachhaltigkeit sei jedoch nicht nur wichtig bei der Bepflanzung selbst, sondern auch bei der Pflege der Grünanlage. „Man verwendet heute kaum noch mineralischen Dünger, weil dieser durch umgekehrte Osmose dazu führen kann, dass die Pflanzen verbrennen“, sagt Zickwolf. Stimme das Verhältnis vom Salzgehalt zwischen Pflanze und Boden nicht, beispielsweise durch Überdüngung, könne das zu einer Entwässerung der Pflanze führen. Deshalb empfehle sich hier organischer Dünger aus Hornspänen oder Knochenmehlen. Diese werden von Bakterien und Pilzen zersetzt und sorgen so für eine langsame Nährstoffabgabe an die Pflanzen. Gleichzeitig steige so der Humusgehalt im Boden.

Das Düngen ist lediglich ein Aspekt, der bei der Pflege zu beachten ist. Deren Intensität steige naturgemäß bei größeren Gärten und komplexerer Bepflanzung, sagt der Landschaftsbauer. Auch hier hat Zickwolf eine Faustregel parat: „Je kleiner die Pflanze, desto intensiver die Pflege.“ Reiche es bei den meisten Sträuchern, sie alle zwei bis drei Jahre nachzuschneiden, müssen man sich beispielsweise um Rosen regelmäßig kümmern. Wer also Lust auf einen bunten Garten mit wenig Arbeit hat, der solle eher auf großzügige Rasenflächen, Blühhecken und kleinkronige Kugelbäume wie den Kugelahorn oder den Kugeltrompetenbaum setzen. Letztere eignen sich auch für Vorgärten, da sie nicht höher als zwei bis drei Meter werden. „Insgesamt kommen Bäume bei der Gartenbepflanzung nicht mehr so sehr zum Tragen wie früher, weil die Grundstücke kleiner werden“, sagt Zickwolf. Deshalb sei für  Kastanien-, Apfel- oder Kirschbäume selten Platz. Wer dennoch auf Obst nicht verzichten möchte, kann auf kleine Säulenobstbäume zurückgreifen – ein weiterer Blickfang im Garten.

Gartenserie Foto: Getty Images/iStockphoto/sirapob
Der Hibiskus (oben) hat sich vom beliebten Zimmergewächs zur robusten Heckenpflanze für den Garten gemausert. Foto: Getty Images/iStockphoto/joloei
Edle Rosen sprechen vor allem Ästheten an, sie passen aber auch sehr gut in einen Bauerngarten. Foto: Getty Images/iStockphoto/SebastianKnight
Logo Foto: istock

Die Möglichkeiten der individuellen Gartengestaltung sind also nahezu unbegrenzt. Teuer muss das auch nicht notwendigerweise sein. Geht es darum, einzelne Pflanzen zu kaufen, ist man mit wenigen Euro dabei. Teurer wird ein gesamtes Gartenkonzept, wenn es fachmännisch geplant und durchgeführt wird. Für einen Garten mit 500 Quadratmetern Fläche veranschlagt Zickwolf etwa 5000 Euro. Darin enthalten sind dann – neben der Bepflanzung selbst – auch bauliche Maßnahmen, etwa die Anfahrt von fruchtbarem Mutterboden, das Anlegen eines Gartenwegs und die Installation einer Rasenkante, für die Steine verlegt werden müssen. „Für dieses Geld ist der Garten dann aber üppig bepflanzt“, sagt Zickwolf. „Sind die baulichen Maßnahmen solide und anständig erledigt, spart man sich viel Ärger.“ Und den braucht in der heimischen Entspannungsoase wirklich niemand.