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Kreative Gartenarbeit als Erholung: In Monzelfeld macht das ein Ehepaar

Ausgleich zum Job : „Für uns ist das Entspannung“: Wie zwei Hunsrücker ihren Garten pflegen - und verschönern (Fotos)

Andere spielen Tennis oder schwingen Hanteln. Ein Ehepaar aus Monzelfeld greift lieber zu Spatel und Gießkanne: Für Annette und Markus Roth ist ihr Garten ein Projekt mit viel Arbeit - aber noch viel mehr ein Pilgerweg zur Entspannung. Und Lebenselixier.

Gärten gelten als Erholungsraum und Ausgleich zum stressigen Alltag. Die Arbeit im grünen Raum ersetzt das Fitnessstudio und verjüngt erwiesenermaßen ältere Nervenzellen. Alles spricht für eine Zunahme der vitalisierenden Kraftquellen, doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Menschen, die im Beruf stehen, begründen die Aufgabe eines Blumenfelds und Gemüseackers wie ihn die Großmutter noch pflegte, häufig mit einem Zuviel an Zeit- und Pflegeaufwand.

Fragt man Annette und Markus Roth aus Monzelfeld (Kreis Bernkastel-Wittlich), wie sie es schaffen nach einem Vollzeitarbeitstag im Familienbetrieb, einen rund 400 Quadratmeter großen Garten zu unterhalten, klingt die Antwort verblüffend einfach: „Für uns ist das Entspannung.“ Bei der Gartenarbeit könne sie wunderbar den Kopf freikriegen, sagt Annette Roth. Und ihr Mann findet: „Wenn man Garten nur als Arbeit empfindet, lässt man besser die Finger davon.“

Für die Hunsrücker ist der Garten ihr Hobby. „Andere spielen Tennis oder Fußball, tauchen im Schwimmbad ab oder schwingen Hanteln.“ Das kostet auch Zeit und Kraft. Die stecken die beiden lieber in Projekte wie den überdachten Sitzplatz am wintergartenartig konzipierten Gartenhaus, der lauschig eingebettet ist. Die Pflege des Grüns wird nicht als Last, sondern Lust begriffen. Natürlich spielen pflegeleichte Gewächse wie das beruhigend raschelnde Chinaschilfgras eine Rolle oder lang attraktiv aussehende Gehölze wie Hortensien und Glanzmispel. Der Schlüssel dazu, einen Garten genießen zu können, liegt aber auch in einem Verständnis für natürliche Prozesse. Entscheiden sich Gartenbesitzer dafür, bepflanzte Vorgärten durch Steinschüttungen zu ersetzen, wird das oft damit begründet, das wirke immer ordentlich. In Wahrheit sieht es leblos aus. Natur folgt einer anderen Ordnung. Sie ist im ständigen Wandel. Die Herbstmonate des Blätterfalls sind das beste Beispiel. Es braucht das Vergehen, um Neues erblühen zu lassen. „Man muss lernen damit zu leben, dass ein Garten nie perfekt ist“, findet Markus Roth. Was hieße perfekt überhaupt? Es wäre der Endzustand. Besser ginge nicht, langweiliger auch nicht. Ein Garten eröffnet aber gerade die Möglichkeit immer Neues auszuprobieren, weiter zu tüfteln, sich überraschen zu lassen, sich weiterzuentwickeln.

Bei Annette und Markus Roth hat alles auf dem Balkon angefangen. Als erstes musste ein Sichtschutz her, um Privatsphäre zu schaffen. Der Schlossermeister baute die großen, an der Brüstung aufgereihten Pflanzkübel selbst. Heute stehen einige der im Topf zu groß gewordenen Gehölze im Garten. Den erreicht man über eine Wendeltreppe. „Lange war die Fläche rund ums Haus mit den Geschäftsräumen der Schlosserei im Erdgeschoss ein Lager“, erzählen die beiden. 2000 konnten sie mit dem Betrieb in die neue Halle am Dorfrand umziehen. Plötzlich war Platz für einen richtigen Garten. Der entwickelte sich Stück für Stück. Der schmale Grundriss mit einem verwinkelten Handtuchstreifen im hinteren Teil, den die Oma als Gemüsegarten genutzt hatte, stellte die kreativen Köpfe vor große Herausforderungen. Eine Lösung bot die veränderte Wegeführung. Geht man hinter dem Gartenhaus um die Ecke, schlängelt sich der Weg durch den hinteren Teil des Gartens.

Für Annette Roth war der Verzicht auf einen geraden Weg, wie er vorher durch den Nutzgarten führte, die logische Möglichkeit, großzügiger zu bepflanzen. Statt zwei schmalen Pflanzreihen „bekam ich ein tieferes Beet, indem wir den Weg mit Schwung an die Seite verlegt haben.“ Der mäandernde Verlauf weitet den schmalsten Gartenteil zudem optisch auf. Und es gibt einen weiteren gestalterischen Trick, der für Spannung sorgt: Holzdielen führen über einen runden Sitzplatz unter einer Hängebirke und darunter durch. Beim Betreten schiebt man die malerisch herabpendelnden Zweige wie einen Vorhang zur Seite. Der Blick durch die „Blattgardinen“ macht neugierig. Was kommt dahinter?

Eine Entdeckung ist der Geräteschuppen. Auf die Grenze zum Nachbargrundstück gebaut, macht er jeden anderen Sichtschutz überflüssig. Anstelle der obligatorischen Tür, die weit ins Garteninnere schwingt, spart eine Schiebetür Platz. Gegenüber begrenzen Gabionen (Extra) das Grundstück. „Hier wollte ich einen ganz schmalen Sichtschutz“, begründet die Gartenbegeisterte die Wahl für die Schiefersteine im Stahlkorb. Das Füllmaterial kommt aus Korlingen.

Mittlerweile ist der Hausherr durch den Hängebirkenvorhang eingetreten, und kann erklären, wie er die schmale Wand verankert hat, damit sie Windlast standhält. „Damit die Gabionen nicht umfallen, sind sie in der Mitte mit Stahlstützen verstärkt.“ Und wie hat er das mit dem geschwungenen Weg hingekriegt? Markus Roth zückt seinen Zollstock und tippt damit auf die Holzdielen: „Man hat den inneren Radius hier und einen außen, von da nach da. Daraus lässt sich ausrechnen wieviel Bretter man braucht.“ Für die Biegungen musste er die Bretter entsprechend zuschneiden. Verarbeitet wurden Bankirai-Dielen. „Die waren noch von einem unserer alten Messestände übrig.“ Nachhaltigkeit ist den beiden wichtig. Hätte es die Reste nicht gegeben, wäre ihnen kein Tropenholz in den Garten gekommen. Eingerahmt wird der Weg von biegbaren Bändern aus Cortenstahl.

„Beim Verlegen rutschte mein Mann auf den Knien herum“, erinnert sich Annette Roth. Just in dem Moment kamen Bekannte vorbei, sahen den Hausherrn in gebückter Haltung auf dem Boden und meinten scherzhaft: „Markus, bist du auf dem Pilgerweg?“ Damit hatte der Gartenpfad seinen Namen und erklärt das an der Gabionenwand befestigte Schild „Markus Pilgerweg“.

Gepilgert wird regelmäßig nach Feierabend und jeder freien Minute in den Garten. Mehrere Freisitze laden zum Verweilen ein. Der wohnlichste liegt direkt neben dem Gartenhaus, das bei schlechtem Wetter zur Einkehr willkommen heißt. Garten bedeutet auch genießen. Für eine angenehme Atmosphäre sorgen eine Wasserwand und die anschließende Rinne. „Ursprünglich hatten wir die Vorstellung, dass das Wasser in der Stahlwanne makellos sauber ist“, erinnern sich die Gartenfreunde. Doch von außen fielen Blätter und Erdreich rein. Zum Reinigen des Wassers empfahl man ihnen Teichpflanzen einzusetzen. „Mit einem Mal haben wir gesehen, dass sich in dem entstandenen Biotop Molche und Frösche ansiedeln.“ Libellen haben den Wasserplatz für sich entdeckt. „Wir konnten beobachten wie sie schlüpfen“, erzählen die beiden begeistert. Wer genau hinschaut, dem schenkt der Garten häufiger als man denkt etwas, für das man gar nichts tun musste.