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Crash, Negativpreise am Ölmarkt: Die drastischen Auswirkungen von Covid 19 am Finanzmarkt

Crash, Negativpreise am Ölmarkt: : Die drastischen Auswirkungen von Covid 19 am Finanzmarkt

Vor allem durch das Virus Covid 19 kam es in den vergangenen Tagen zu großen Verwerfungen am Finanzmarkt. Die Rohstoffkurse stürzten dabei teilweise in den Keller. Erstmals kam es am Ölmarkt zu negativen Preisen.

US-Ölmarkt verkaufte Rohöl zuletzt zu Negativpreisen

Die Ölpreise am US-Markt stürzten in den vergangenen Tagen bereits massiv ab. Als der Preis für Mai-Kontrakte nur noch bei weniger als 10 US-Dollar lag, witterten viele Anleger die Möglichkeit, in einen Rohstoff zu investieren, der scheinbar tiefer nicht mehr fallen kann. Tatsächlich aber stellte die Chicagoer Terminbörse schon Tage zuvor fest, dass Ölpreise auch zu Negativpreisen gehandelt werden können und dürfen.

Problematisch für Anleger waren die Eigenschaften der Öl-Kontrakte. Denn es handelt sich hier um realwirtschaftliche Verträge. Das vertraglich gekaufte Öl muss zum festgelegten Zeitpunkt tatsächlich ausgeliefert werden. Ganz gleich, ob das ausgelieferte Öl überhaupt vorhanden ist oder der Empfänger über genügend freien Lagerraum verfügt.

Überproduktion und mangelnder Absatz als Hauptgrund für den Öl-Crash

Der Markt wird bereits seit Monaten von den großen Ölproduzenten, insbesondere von den OPEC-Ländern, geflutet. Trotz eines Beschluss der OPEC+ (OPEC-Staaten sowie Russland, Mexiko, Bahrain, etc.) zur Einschränkung der Überproduktion konnte die Marktflutung nicht mehr gestoppt werden. Grund dafür ist vor allem die schwache Nachfrage in den vergangenen Monaten. Der Autoverkehr ist derzeit auf ein Minimum reduziert, die Umwandlung von Rohöl in Kerosin durch Raffinerien findet großteils nicht statt, weil das Endprodukt nicht mehr von Fluglinien gekauft wird.

Als Resultat steigen die Lagerbestände praktisch überall bereits seit Monaten an. Durch die hohen umwelt- und sicherheitstechnischen Auflagen kann neuer Lagerraum eher schwer hergestellt werden. Anleger, die Mai-Kontrakte vor Ablauf für einen höheren Preis verkaufen wollten, mussten die Verträge nun loswerden. Ansonsten hätten diese vom Käufer pro Kontrakt 1000 Barrel Rohöl in Cushing, Oklahoma, entgegengenommen werden müssen. So stürzte der Preis unter Null. Dadurch, dass Anleger bereit waren, Geld sogar zusätzlich draufzulegen, erreichte der Preis einen Minusrekord von 37 US-Dollar.

Gibt es Auswirkungen für den deutschen Verbraucher?

Die Konsequenzen für den deutschen Markt dürften gering ausfallen. Das Nordseeöl Brent rutschte zwar ebenfalls ab, blieb mit circa 20 USD aber weiterhin im normalen Preisbereich. Der Kurs des OPEC-Öls, welches derzeit am Markt verfügbar ist, lag weiterhin bei 18 US-Dollar. Der Großteil des Preises für Treibstoff an der Tankstelle kommt durch Steuern und Abgaben zustande, deshalb wird es bestenfalls marginale Auswirkungen für deutsche Verbraucher geben.

Wie entwickelt sich der Ölpreis in den kommenden Wochen und Monaten?

Die Ölkontrakte für Juni liegen derzeit stabil bei circa 20 US-Dollar pro Barrel. Analysten halten einen erneuten Crash für möglich, Negativpreise scheinen durch die allmähliche Lockerung der Corona-Sanktionen aber unwahrscheinlich. Einsamer Gewinner im Crash des Ölpreises ist China. Das Land ist der größte Öl-Importeur weltweit und lagerte sich in den vergangenen Wochen gigantische Mengen des Rohstoffs zu enorm günstigen Preisen ein.

Mittel- bis langfristig scheint es wahrscheinlich, dass der Ölpreis signifikant steigen wird. Die Nachfrage nach Öl wird durch die allmähliche Lockerung der Covid 19-Einschränkungen langsam steigern. Beim derzeitigen Ölpreis können viele OPEC-Länder nur mit Verlust fördern. Bleibt der Preis konstant niedrig, sind Konflikte innerhalb der OPEC-Gemeinde zu erwarten.