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Girokonto wechseln - Wie der Kontowechsel klappt

Girokonto wechseln : Wie der Kontowechsel klappt

Ohne Girokonto ist das Leben heutzutage überaus kompliziert. Auf das Konto überweist der Arbeitgeber jeden Monat das Gehalt; außerdem werden davon Miete, Strom- und Gaskosten, Kita-Gebühren und die letzte Online-Shoppingtour abgebucht. Auch wer beim Wochenendeinkauf im Supermarkt "mit Karte" zahlen will, braucht ein Girokonto.

Für den gesamten Zahlungsverkehr und das gesellschaftliche Leben ist es so wichtig, dass es seit 2016 sogar ein gesetzlich verankertes Recht auf ein Girokonto gibt, das sogenannte "Jedermann-Konto".

Und die Deutschen führen häufig soga r mehr als eines: Über 105 Millionen Girokonten in 2018, meldete die Deutsche Bundesbank (PDF) im vergangenen Sommer. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Anzahl um 1,1 Prozent an. Seit 2003 wuchs die Zahl der Girokonten um rund 21 Millionen, ein Plus von insgesamt 25 Prozent. Die Finanzbranche freut der Trend zum Zweitkonto, gilt das Girokonto doch als Türöffner für lukrativere Geschäfte mit dem Kunden: Aktieninvestments, Ratenkredite, Immobilienfinanzierungen.

Immer mehr Kunden werden für Girokonten zur Kasse gebeten

Die schlechte Nachricht: Der frühere Deal - Kundenzugang gegen kostenlose Leistungen - hat immer seltener Bestand. Stattdessen lassen sich Sparkassen und Banken ihre Girokonten häufig teuer bezahlen. Der Grund: Durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) der vergangenen Jahre ist das Geschäft vieler Banken dermaßen massiv unter Druck geraten, dass sie nun verstärkt auf Alternativen in der Finanzierung setzen müssen.

Und die Not macht erfinderisch: Kunden haben nun die Auswahl zwischen mehreren Kontomodellen mit teilweise verschlungenen Preisstrukturen. Am einen Ende der Skala gibt es dann das Premiumkonto mit vielen Inklusiv-Leistungen und einer hohen Monatspauschale, die sich im Jahresverlauf schnell auf über 100 Euro summiert. Am anderen Ende rangieren Billigangebote, bei denen die monatliche Kontoführungsgebühr zwar nur ein bis zwei Euro beträgt, aber dafür jede Überweisung, jede Kartenzahlung und jedes Geldabheben 30 Cent extra kostet.

Kunden stehen den Preisen ihrer Banken aber nicht hilflos gegenüber. Wer sich am Markt umsieht, findet weiterhin kostenfreie Alternativen. Was den Banken und Sparkassen bislang in die Hand (und die Bilanz) spielte, ist nur die Trägheit ihrer Kunden. Denn ein Kontowechsel ist umständlich, so die weitverbreitete Meinung. Die Krux daran: Die Ansicht stimmte früher auch, war doch der Kunde allein für die Kontoumstellung verantwortlich: Er musste den Arbeitgeber informieren, Daueraufträge und Lastschriften neu einrichten. Man vergaß besser niemanden, sonst konnte es passieren, dass Telefon oder Internet abgeschaltet wurden - oder plötzlich eine Mahnung vom Vermieter im Briefkasten lag.

Wechsel zu einer neuen Bank so einfach wie nie

Heute hingegen ist der Kontowechsel relativ einfach zu bewältigen. Seit 2016 sind Banken und Sparkassen gesetzlich dazu verpflichtet, Kunden beim Wechsel zu unterstützen. Wer bei der Bank seiner Wahl ein neues Girokonto eröffnet, kann den Kontowechsel-Service beantragen, häufig sogar online. Innerhalb von sieben Geschäftstagen müssen nun alle Überweisungen, Daueraufträge und Lastschriften von der alten zur neuen Bank übertragen werden. Der Kunde kann entscheiden, wer über das neue Konto informiert wird. Selbst das Verschicken der Briefe übernimmt die neue Bank.

So bequem der Wechselservice für Kunden auch ist, ganz aus der Verantwortung entlassen sind sie nicht. Auch wenn die Banken alle Buchungsdaten der letzten 13 Monate austauschen müssen, damit nichts übersehen wird, zeigt die Erfahrung: Mal gibt es technische Probleme, mal werden Buchungen falsch ausgeführt. Zwar haftet die Bank, wenn sie einen Posten übersieht und einen Zahlungsverzug verschuldet. Doch sollten Kunden alle Transaktionen noch einmal genau prüfen und gegebenenfalls fehlende Zahlungspartner selbst informieren.

Mit dem Kontowechsel darf die alte Bank zwar keine Daueraufträge mehr ausführen und keine Lastschriften mehr annehmen. Empfehlenswert ist aber, das alte Konto nicht sofort zu kündigen, sondern es noch zwei bis drei Monate laufen zu lassen. Erst dann ist tatsächlich absehbar, ob der Wechsel wirklich reibungslos geklappt hat.