Hebelprodukte im Check: Was gibt es zu beachten?

Info : Hebelprodukte im Check: Was gibt es zu beachten?

Es klingt zu verlockend: Hebelprodukte versprechen Anlegern eine hohe Rendite bei einem geringen Einsatz. Doch auch ein großer Verlust kann die Folge sein.

Daher sollten Sie bei Hebelzertifikaten auf bestimmte Dinge achten.

Was sind Hebelprodukte und wie funktionieren sie?

Hebelzertifikate ermöglichen bei geringem Einsatz einen vergleichsweise hohen Gewinn. Das Grundprinzip der Hebelprodukte: Der Anleger setzt eine bestimmte Summe ein, handelt aber mit deutlich mehr Geld, weil er einen Teil der Wertpapiere über einen Kredit finanziert. Hier kommt das derzeit niedrige Zinsniveau ins Spiel: Die Rendite ist meist deutlich höher als der Zinssatz. So bleibt selbst nach der Rückzahlung des Kredits deutlich mehr Geld übrig, als dies bei einem herkömmlichen Einsatz der vorhandenen Summe der Fall gewesen wäre.

Hebelprodukte beziehen sich immer auf real gehandelte Größen, etwa Währungen, Aktien, Rohstoffe oder Indizes. Anleger können mit einem Call entweder auf ein Steigen des Kurses setzen oder mit einem Put auf fallende Kurse spekulieren. Herausgeber dieser Art von Zertifikaten sind in der Regel Banken - sie übernehmen neben einer Reihe von unabhängigen Händlern oft auch selbst den Vertrieb. Hebelzertifikate gibt es nicht nur an der Börse, sondern auch im Direkthandel. Bei Begriffen wie Discountzertifikat, Faktorzertifikat, Turbozertifikat, Mini-Future oder Wave handelt es sich entweder um Synonyme oder Unterkategorien von Hebelzertifikaten.

Ein Beispiel:

Ein Anleger setzt 1.000 Euro auf klassischem Wege ein und erhält 4 Prozent Rendite. Am Ende erzielt er damit 40 Euro Gewinn.Der gleiche Anleger setzt seine 1.000 Euro für Hebelzertifikate ein, leiht sich damit weitere 1.000 Euro zu 2 Prozent. Mit diesen insgesamt 2.000 Euro erzielt er erneut eine Rendite von 4 Prozent. Ihm bleiben also abzüglich der Gebühren für die Geldanleihe 60 Euro - 50 Prozent mehr als bei der herkömmlichen Methode.

Die Nachteile von Hebelprodukten

Hebelzertifikate sind also ein auf den ersten Blick attraktives Anlagemodell, das auch immer mehr Online-Broker in ihrem Portfolio anbieten. Allerdings sollten Sie als Anleger im Blick behalten, dass sich durch Hebelprodukte nicht nur Ihr Gewinn, sondern auch Ihr Verlust vergrößern kann - schließlich müssen Sie die Kreditzinsen unabhängig vom Erfolg der Geldanlage bezahlen. Wenn sich also durch den Hebel die Rendite maximiert, passiert dasselbe auch im Verlustfall. Allerdings verlieren Sie selbst im schlimmsten Fall zumindest nicht mehr als Ihr eingesetztes Kapital.

Hebelzertifikate: Tipps für Anleger

Um Hebelprodukte als Privatanleger tatsächlich gewinnbringend einzusetzen, sollten Sie im Vorfeld einige Tipps berücksichtigen:

- Wählen Sie den Hebel sorgfältig, wenn Sie zum ersten Mal mit Hebelprodukten anlegen. Ein größerer Hebel bedeutet selbstverständlich mehr Chance auf Gewinn - im Umkehrschluss aber auch mehr Verlustrisiko. Wägen Sie ab, wie viel Risikobereitschaft Sie sich leisten können; gerade Neulinge sind mit einem kleineren Hebel zunächst besser beraten.

- Hebelprodukte aus dem außerbörslichen Direkthandel bieten den Vorteil, dass Sie unabhängig von den Öffnungszeiten der Börse reagieren können.

- Machen Sie sich im Vorfeld mit der gegenwärtigen Marktsituation vertraut und behalten Sie aktuelle Entwicklungen immer im Blick. Anleger mit Hebelprodukten sollten sich aber tendenziell auf größere Kursschwankungen einstellen und hier die Nerven bewahren.

- Sogenannte Stop-Loss-Orders bewahren Sie bei Hebelzertifikaten vor allzu großen Verlusten, indem sie den automatischen Verkauf der Wertpapiere veranlassen.

- Setzen Sie Ihrer Investition eine zeitliche Grenze: Kurz- bis mittelfristig lassen sich der Erfahrung nach größere Gewinne erzielen als mit einer langfristigen Geldanlage mittels Hebelprodukten. Hier ist die Zeit meist kein Faktor, der für den Anleger arbeitet.

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