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Die Schuldnerquote in Trier beträgt 9,94 Prozent
Jeder zehnte Trierer ist überschuldet

Obwohl es wirtschaftlich langsam bergauf geht, steigt die Zahl der Menschen, die ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können: 6,91 Millionen Bundesbürger ab 18 Jahren sind überschuldet. Diese von der Creditreform Wirtschaftsforschung veröffentlichten Daten haben teils erschreckende Züge. Trier bildet diesbezüglich eine Ausnahme. Hier ist die Schuldnerquote seit 2012 rückläufig.

Die Schuldnerquote in Trier beträgt 9,94 Prozent

Im Vergleich zu Bremerhaven, wo inzwischen jeder fünfte Bürger unter einer enormen Schuldenlast leidet, kommt Trier auf eine Quote von 9,94 Prozent. 2012 waren es noch 10,25 Prozent und im vorigen Jahr 10,19 Prozent. Für den Kreis Trier-Saarburg weist der Creditreform Schuldner-Atlas einen Wert von 6,60 Prozent aus (Vorjahr: 6,59 Prozent; 2012 6,63 Prozent). Damit liegen sowohl die Stadt Trier als auch der Kreis Trier-Saarburg unter dem bundesdeutschen Schnitt von 10,04 Prozent (Westen: 9,97 Prozent).

Bestätigt werden diese Daten von der Schufa. Im Kredit-Kompass 2017, der das Konsum- und Finanzverhalten der Deutschen in Zahlen fasst, nimmt der Kreis Trier-Saarburg einen der vorderen Ränge ein - im positiven Sinne. Mit einem Privatverschuldungsindex von 657 rückt man von Platz 28 auf Rang 20 vor. Der Indexwert gibt Auskunft darüber, wie es aktuell um die private Verschuldung bestellt ist und berücksichtigt die künftige, mittelfristige Entwicklung. Für Gesamtdeutschland hat die Schufa einen Wert von 1.048 berechnet.

Beratungsangebote für Betroffene

Trier ist in den Statistiken zwar weitgehend unauffällig. Nichtsdestotrotz hat jeder Zehnte finanzielle Probleme. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur und individuell gefärbt. "Unerfahrenheit, unglückliche Umstände und kritische Lebensereignisse können dazu führen, dass Finanzierungen scheitern und die monatlichen Einnahmen den wiederkehrenden finanziellen Verpflichtungen hinterherhinken", weiß die Schuldnerberatung der Caritas im Bistum Trier. Die Mitarbeiter haben täglich mit Menschen zu tun, die in bereits in die Überschuldung geschlittert sind oder kurz davor stehen.

Finanzielle Probleme vermeiden

Wichtig ist in dem Fall, erst einmal Ordnung in die eigenen Finanzen zu bringen. Wie viel Geld steht zur Verfügung und welche Zahlungen müssen geleistet werden? Diese beiden Fragen sollten im Fokus stehen, um sich einen Weg aus der Schuldenfalle bahnen zu können. Dazu reichen für den Anfang ein Blatt Papier, ein Bleistift und ein Taschenrechner. Später kann man die Zahlen zum Beispiel in ein Haushaltsbuch eintragen, um nicht mehr Geld auszugeben, als vorhanden ist.

Problematisch wird es immer dann, wenn die Zahl der Verpflichtungen überhandnimmt. Die GfK Marktstudie "Konsum und Kfz-Finanzierung" im Auftrag des Bankenfachverbandes bestätigt, dass Verbraucher immer öfter mehrere Finanzierungen abschließen. Im Schnitt müssen Kreditnehmer zwei Darlehen gleichzeitig zurückzahlen.

Kreditverpflichtungen steigen auf durchschnittlich 10.000 Euro

Dabei geht es nicht um einige hundert Euro, sondern um immer höhere Summen. Der Restbetrag der Finanzierungen beläuft sich laut Studie des Bankenfachverbandes auf rund 9.800 Euro, Tendenz steigend. 2013 lag der Durchschnittswert noch bei 9.100 Euro. Das ist eine enorme Belastung. Da reicht bisweilen ein kleiner Schicksalsschlag, wie etwa der Verlust der Arbeit, um aus einer anfangs überschaubaren Schuld einen Schuldenberg wachsen zu lassen.

Gerade, wenn man mehrere Kreditverträge unterschrieben hat, ist es ratsam, über eine Umschuldung nachzudenken. Das gilt umso mehr angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase. Sie hat zumindest im Hinblick auf die Kreditzinsen auch ihre guten Seiten. Aktuelle Angebote sind in der Regel deutlich günstiger als Kredite, die noch vor einigen Jahren abgeschlossen wurden. Oder anders ausgedrückt: Noch kann man relativ günstig Geld leihen und damit bestehende Verpflichtungen ablösen.

Niedrige Zinsen nutzen und Kredite zusammenlegen

Bei zwei oder auch mehr Verträgen spricht man von einer Kreditzusammenlegung - aus zwei mach eins. Die Vorteile liegen auf der Hand. Zum einen schafft man Ordnung und muss nur noch eine Rate zahlen. Zum anderen kann man aufgrund der aktuell günstigen Konditionen sogar Geld sparen und den finanziellen Druck mildern. Der positive Effekt einer Kreditzusammenlegung lässt sich rechnerisch leicht belegen.

Berücksichtigt werden müssen hierbei mehrere Faktoren. An erster Stelle stehen die Zinsen der bereits laufenden Kredite. In die Rechnung müssen außerdem die Vorfälligkeitsentschädigungen für die vorzeitige Kreditrückzahlung einfließen. Beträgt die Restlaufzeit zwölf oder mehr Monate, kostet die Entschädigung 1,0 Prozent. Bei weniger als zwölf Monaten müssen nur noch 0,5 Prozent an die Bank gezahlt werden. Diese Prozentwerte beziehen sich jeweils auf die Restschuld. Beispiel: Stehen 4.500 Euro aus und läuft der Vertrag noch 18 Monate, beträgt die Vorfälligkeitsentschädigung 45 Euro.

Raus aus den Schulden

Diese Rechnung kann man relativ einfach selbst erstellen, oder aber mit der Bank sprechen. Wichtig ist, früh genug die Reißleine zu ziehen und sich gegebenenfalls professionelle Hilfe zu holen. Die Probleme auf die lange Bank zu schieben oder sich aus Scham zu verstecken, wäre die denkbar schlechteste Entscheidung.

Spätestens, wenn man das Gefühl hat, die Schulden wachsen einem über den Kopf oder man hat keinen Durchblick mehr, ist der Besuch einer Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der beste Weg. Dazu erklärt die Caritas im Bistum Trier: "Ziel es, in sozial und finanziell ausweglos erscheinenden Situationen mit den betroffenen Menschen nach Möglichkeiten der wirtschaftlichen Sanierung zu suchen und durch weitergehende Beratung und Begleitung einen Abbau der Schulden sowie eine soziale Stabilisierung zu erreichen."

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