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Bundeswehr
Jeder zweite Soldat würde für bessere Ausrüstung auf mehr Gehalt verzichten

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Der Bundeswehr fehlt es an Fachkräften und moderner Ausrüstung. Viele Soldaten sind über den aktuellen Zustand des Militärs so unzufrieden, dass sie für bessere Ausrüstung sogar auf eine Lohnerhöhung verzichten würden.

Die Debatte über den Wehretat als zweitgrößten Posten im Bundeshaushalt ist in vollem Gange. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert deutlich mehr Geld, um die Truppe mit besserer Ausrüstung zu versorgen. Doch wie zufrieden sind die Bundeswehrangehörigen selbst mit der aktuellen Lage? Überraschenden Aufschluss darüber gibt eine Online-Befragung, die ein Steuer-Dienstleister für Angehörige der Bundeswehr unter 1.245 Soldatinnen und Soldaten durchgeführt hat.

Laut Umfrage würden rund 58 Prozent der befragten Bundeswehrsoldaten auf mehr Gehalt verzichten, um dafür eine bessere Ausrüstung zu bekommen (siehe Grafik). Rund 45 Prozent wären sogar bereit, monatlich einen Teil ihres Gehalts an den Staat zurückzuzahlen, wenn dies zu einer Verbesserung der eigenen Ausstattung führte. Knapp 39 Prozent der Befragten sind gewillt, für einen Zeitraum von sechs Monaten einen Betrag zwischen einem und 100 Euro von ihrem aktuellen Gehalt abzugeben. 6,5 Prozent würden sogar auf 100 Euro oder mehr verzichten. Lediglich 3,6 Prozent der Teilnehmer sind mit dem Zustand der Bundeswehr zufrieden und sehen keinen Änderungsbedarf.

"Besonders die Ergebnisse rund um die Frage, ob Bundeswehrangehörige auf einen Teil ihres Gehalts verzichten würden, finden wir sehr bezeichnend. Rund 45 Prozent der Befragten haben die Frage mit Ja beantwortet - das ist sehr viel und spricht unserer Meinung nach Bände über die Lage im Unternehmen Bundeswehr. Niemand verzichtet ohne guten Grund auf Geld," sagt Steffen Harting, Geschäftsführer von wundertax, dem Initiator der Umfrage.

Veraltete Kleidung und untaugliche Kampfgeräte

Nach Angaben der Umfrageteilnehmer wurden drei Hauptkritikpunkte an der aktuellen Situation hervorgehoben. Zum einen die mangelhafte persönliche Ausrüstung der Soldaten. Hier fehle es an moderner Kleidung, von Kopfbedeckungen über Unterwäsche bis zu Stiefeln. Daneben wird das Fehlen einsatzfähiger Waffen und Geräte bemängelt. Drittens sehen viele Soldaten den verbesserungswürdigen Zustand der Bundeswehr als Folge schlechter Führung bzw. im Setzen falscher Prioritäten. Insbesondere die Überregulierung sowie ein teures Bekleidungsprogramm für Frauen, in dessen Rahmen u.a. 7.700 Handtaschen, 20.000 BHs und Umstandsmode für Schwangere angeschafft wurden, stößt auf wenig Verständnis in der Truppe.

Ein besonderer Fokus von Verteidigungsministerin von der Leyen und der Bundeswehr liegt aber weiterhin auf der Rekrutierung von Frauen, da die Bundeswehr im Jahr 2016 gerade einmal 11,6 Prozent Soldatinnen beschäftigte. Hier wurde laut Aussage vieler Umfrageteilnehmer zwar viel getan, dabei aber leider versäumt, für eine adäquate Basisausstattung für alle Soldaten zu sorgen.

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Informationen zur Umfrage

An der Online-Umfrage unter 40.000 Nutzern von wundertax.de vom 17. bis 21. Mai 2018 haben sich insgesamt 1.245 Bundeswehrangehörige im Alter zwischen 18 und 62 Jahren beteiligt. Sie wurden gefragt, ob sie mehr Nettogehalt (weniger Steuern) einer besseren Ausrüstung für Soldatinnen und Soldaten vorziehen würden und ob sie sogar bereit wären, für die Dauer von sechs Monaten auf einen Teil des Monatsgehalts zu verzichten. Ebenfalls sollten die Teilnehmer mitteilen, wo sie derzeit die größten Schwachstellen bei der Bundeswehr sehen.