Kreditkartengebrauch in Deutschland

Kreditkartenzahlung auf dem Vormarsch : Kreditkartengebrauch in Deutschland

Immer mehr Verbraucher in Deutschland haben eine und setzen sie immer häufiger ein: die Kreditkarte. Lange galten die Deutschen als Volk der Barzahler. Kreditkarten sind jedoch auf dem Vormarsch und gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Wie viele Kreditkarten sind in Deutschland im Umlauf?

Zu diesem Thema gibt die Bundesbank alljährlich exakte Statistiken heraus. Um den Trend bei der Nutzung von Kreditkarten besser verdeutlichen zu können, beziehen sich die hier veröffentlichen Angaben auf die Dekade von 2007 bis 2017. In diesem Zeitraum stieg die Anzahl aller in Deutschland ausgestellten Kreditkarten von 22.244 Millionen im Jahr 2007 auf 35.079 Millionen 2017. Das stellt eine prozentuale Erhöhung von mehr als 57 Prozent dar. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Zahl der genutzten Kreditkarten seit den Jahren der internationalen Finanzkrise 2007 und 2008 kontinuierlich anstieg.

Wie sieht es mit dem Umsatz der Kreditkarten aus?

Dieser folgte demselben Trend wie die Zahl der ausgegebenen Kreditkarten und stieg ebenfalls an, sogar noch stärker als die Zahl der Kreditkarten. Von 39.442 Milliarden Euro 2007 erhöhte er sich auf 97.547 Milliarden Euro 2017. Das ist eine Steigerung um 147 Prozent!

Insgesamt betrachtet, zahlen immer mehr Deutsche mit Karten. Laut statistischen Angaben des renommierten Handelsforschungsinstituts EHI überstieg im Einzelhandel 2018 der Anteil von Kartenzahlungen erstmals den von Barzahlungen. Diese Aussage wird auch durch die Zahl der Transaktionen mit Kreditkarten gestützt, die im beobachteten Zeitraum von 437.4 Milliarden auf mehr als 1,2 Billionen wuchs. Das entspricht einer Erhöhung um mehr als 175 Prozent.

Daraus ergibt sich jedoch auch der interessante Fakt, dass der Umsatz pro Einzeltransaktion in der Dekade von durchschnittlich 90,15 auf 80,62 Euro sank. Kreditkarten werden also häufiger selbst für kleinere Einkäufe verwendet.

Welche Kreditkartenmarken sind besonders beliebt?

In Deutschland boten im Jahr 2018 5 Unternehmen Kreditkarten an. In abnehmender Reihenfolge ihrer Häufigkeit sind das:

1. MasterCard - Marktanteil 17,79 Prozent

2. Visa - Marktanteil 16,09 Prozent

3. American Express - Marktanteil 2,96 Prozent

4. Barclays Card - Marktanteil 0,97 Prozent (seit 2017)

5. Diners Club - Marktanteil 0,35 Prozent

Der Anteil der 3 weniger bedeutenden Marken blieb über den Untersuchungszeitraum nahezu unverändert (bei der Barclays Card beträgt er nur 1 Jahr). MasterCard ist im Moment zwar noch der Marktführer, verliert aber seit dem Höhepunkt der Entwicklung ständig Boden. Visa legt dagegen seit 2015 zu und wird wahrscheinlich schon bald MasterCard als Marktführer überholen.

Welche Veränderungen zeigen sich bei den Kreditkartenarten?

Bei Kreditkarten werden 4 Arten unterschieden:

1. Debit Cards

2. Charge Cards

3. Klassische Kreditkarten mit Ratenzahlung

4. Prepaid Karten

Die Debit Card wird auch als Girocard, Sparkassenkarte, Bankomatenkarte oder EC Karte bezeichnet. Sie verfügt über keine Kreditfunktion. Das mit ihr verknüpfte Konto wird sofort belastet. Diese Art von Kreditkarte wird am häufigsten zum Bezahlen genutzt.

Die häufigste Kreditkarte ist die Charge Card. Die Charge Card verfügt über einen vom Geldinstitut festgelegten Kreditrahmen, über den der Inhaber bis zu Tag der Abrechnung verfügen kann. Bei der Abrechnung wird der gesamte genutzte Kredit in Rechnung gestellt und von dem mit der Charge Card verknüpften Girokonto abgebucht. Eine Rückzahlung in Raten ist nicht möglich.

Klassische Kreditkarten besitzen einen Kreditrahmen. In Anspruch genommener Kredit muss nicht vollständig, sondern nur ab einem bestimmten Mindestbetrag zurückgezahlt werden.

Prepaid Kreditkarten stellen keine echten Kreditkarten dar. Sie funktionieren nur auf der Basis von Guthaben. Der Inhaber kann damit nur so viel Geld ausgeben, wie zuvor aufgeladen wurde.

Mittlerweile funktioniert das Prinzip der Prepaid Kreditkarten sogar mit einer Aufladefunktion per Minikredit. Die Berliner Firma Kredu ist der erste Anbieter in Deutschland, der eine solche Kreditkarte in virtueller Form anbietet.

Welche Kreditkarten Trends zeichnen sich ab?

Bei der Untersuchung des Trends der Kreditkartenarten fasst die Bundesbank Debit Cards und Charge Cards zur Gruppe "Kreditkarten ohne Kreditfunktion" zusammen und vergleicht sie mit den klassischen Kreditkarten mit Ratenzahlung.

Im Jahrzehnt von 2007 bis 2017 dominierten Kreditkarten ohne Kreditfunktion weiterhin den Markt. Im Jahr 2007 betrug die Anzahl dieser Karten 18,79 Millionen Stück und wuchs bis 2017 auf 29,29 Millionen Stück an. Das stellt zwar einen Zuwachs von mehr als 55 Prozent dar, gleichzeitig verringerte sich der Marktanteil aber von 84,48 Prozent im Jahr 2007 auf 83,49 Prozent im Jahr 2017.

Der Grund dafür ist das stärkere Wachstum von Kreditkarten mit Ratenzahlung. Davon gab es 2007 3,45 Millionen Stück und 10 Jahre später bereits 5,79 Millionen. Das ergibt eine Zunahme um fast 68 Prozent und führte zu einer Ausweitung des Marktanteils von 15,52 auf 16,61 Prozent.

Im Gesamtbild zeigt sich ein Rückgang der Kreditkarten ohne Kreditfunktion um 1,18 Prozent und eine Zunahme der Kreditkarten mit Ratenzahlung um 6,38 Prozent. Das bedeutet, dass deutsche Verbraucher immer mehr mit klassischen Kreditkarten bezahlen. Allerdings werden noch immer weitaus mehr Kreditkarten ohne Kreditfunktion als klassische Kreditkarten benutzt. Bei den so genannten unechten Kreditkarten ist das Transaktionsvolumen pro Einzelkarte um etwa das Zweieinhalbfache höher als bei den klassischen Kreditkarten. Das Volumen pro Einzeltransaktion ist bei den unechten Kreditkarten dagegen nur ca. 75 Prozent höher.

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