Schecks: Wie ein Zahlungsmittel verschwindet

Erheblicher Mehraufwand : Schecks: Wie ein Zahlungsmittel verschwindet

Noch vor einigen Jahrzehnten waren Schecks eines der Hauptzahlungsmittel, heute sind sie fast gänzlich aus Finanzsektor und Alltag verschwunden. Das liegt nicht nur daran, dass die meisten Menschen inzwischen andere Zahlungsmittel bevorzugen.

Auch viele Banken sträuben sich mittlerweile, einen Scheck anzunehmen. Dieser Wandel ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Zahlung per Scheck mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden ist.

Schaut man sich die Entwicklungszahlen an, zeichnet sich ein eindeutiger Trend ab: Der Scheck steht kurz davor, gänzlich zu verschwinden. Während im Jahr 2002 noch rund 150 Millionen Schecks bei den Banken eingereicht wurden, waren es im Jahr 2017 nur noch 12,8 Millionen. Einige Scheckformen gibt es sogar bereits nicht mehr: Mit dem Reisescheck wurde früher im Ausland bezahlt oder Bargeld besorgt. Innerhalb der EU konnte hierfür auch der grenzüberschreitend garantierte Eurocheque genutzt werden. Diesen gibt es schon seit 2002 nicht mehr, und auch Reiseschecks wurden von komfortableren Zahlungsmethoden wie der Kreditkarte abgelöst. Der klassische Barscheck, mit dem man sich Bargeld auszahlen lassen kann, findet ebenfalls so gut wie keine Anwendung mehr.

Die Scheckform, die noch gelegentlich genutzt wird, ist der Verrechnungsscheck. Er gilt als besonders sicher, da beim Einlösen des Schecks das Geld auf ein Girokonto überwiesen wird. Der Empfänger kann dabei nicht anonym bleiben, und auch eine Barauszahlung ist nicht möglich. Das verhindert, dass die Schecksumme an den falschen Empfänger ausbezahlt wird.

Im Zeitalter des Internets und Online-Bankings können Überweisungen innerhalb von Sekunden getätigt werden. Der Vorgang ist unkompliziert, sicher und vor allem papierlos. Doch noch immer nutzen einige große Konzerne wie Versicherungen und Stromversorger den Scheck als Zahlungsmittel. Ist beispielsweise beim Wechsel des Stromversorgers ein Restguthaben vorhanden, wird es in der Regel per Verrechnungsscheck ausgezahlt. Bei Versicherungen kommt dieser insbesondere bei Haftpflicht-, Auto- oder Krankenversicherungen zum Einsatz, wenn Beträge an Personen ausgezahlt werden müssen, die nicht zu den Kunden gehören. Auch in Fällen, in denen dem Versicherer die Kontodaten des Geschädigten nicht vorliegen, findet die Auszahlung über einen Verrechnungsscheck statt.

Zum Aussterben der Schecks tragen die Banken zum Teil selbst bei. Für Geldinstitute ist die Verarbeitung eines Schecks mit hohen Sicherheitsauflagen und damit einem Mehraufwand verbunden. Viele Banken lösen Schecks noch immer ein, erheben dafür jedoch eine Gebühr. Um einen Verrechnungsscheck einzulösen, ist der Gang zur Bank unausweichlich. Selbst bei Direktbanken, die ausschließlich online geführt werden, muss der Scheck per Post eingeschickt werden. Ein Scan reicht nicht aus; oftmals muss zusätzlich noch ein Scheckformular ausgefüllt und eingereicht werden. Wer heute noch einen Verrechnungsscheck erhält, sollte unbedingt auf die Fristen achten. Die Standardfrist für die Einlösung eines inländischen Schecks beträgt 8 Tage. Nach Ablauf der Frist sind Banken nicht mehr zur Einlösung verpflichtet, wobei viele ihn aber auch danach einlösen. Innerhalb der EU beträgt die Frist 20 Tage, Schecks aus anderen Ländern müssen innerhalb von 70 Tagen eingelöst werden.

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