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TikTok-Trend: Kann ein Teelicht-Ofen einen ganzen Raum heizen?

Heiz-Alternative von TikTok? : TikTok-Trend: Schafft es ein Teelicht-Ofen, einen Raum zu heizen?

Kann man mit einem Teelicht-Ofen wirklich heizen?

Im sozialen Netzwerk TikTok verbreiten sich aktuell Videos, laut denen ein Teelicht-Ofen Wohnungen heizen könnte. Aber kann das überhaupt funktionieren?

Auf TikTok kursiert ein ungewöhnliches Phänomen. Die Nutzer zeigen in kurzen Videos, wie sie sich einen kleinen Ofen aus Terrakotta-Töpfen bauen und diesen mit haushaltsüblichen Teelichtern heizen. Teilweise sehen sich diese mehr als eine Million Menschen an. Moment. Heizen mit einem Teelicht? Ist das nicht die ultimative Lösung für den kalten Winter, in dem andere Heizstoffe rar oder teuer werden könnten? Nicht mal selbst bauen müsste man die Konstruktion aus Teelichtern und Terrakotta-Töpfen, denn bei Amazon kostet sie beispielsweise nur rund 40 Euro.

Selbstgebauter Teelicht-Ofen: So funktioniert es

Will man doch Geld sparen, bieten verschiedene Baumärkte sogar Anleitungen an. Funktioniert dann am Beispiel von OBI ungefähr so wie in einem Backrezept: Man nehme einen Blumentopfuntersetzer aus Ton, in den man mittig ein Loch bohrt. In dieses steckt man eine etwa zehn Zentimeter lange Gewindestange, die man mit Unterlegscheiben und Muttern befestigt. Jetzt kommen die beiden Tontöpfe ins Spiel: ein kleiner und ein etwas größerer. Diese kommen umgedreht mithilfe von Abstandhaltern auf die Gewindestange. Wichtig ist, dass Platz zwischen ihnen bleibt. Dann noch ganz normale Teelichter auf den Untersetzer stellen. Anzünden, zack fertig.

In der Theorie zirkuliert dann die warme Luft zwischen den Töpfen und erhitzt sie – diese wird dann vom Ton gespeichert und abgegeben. So weit, so perfekt, oder?

Was bringt der Teelicht-Ofen?

Naja. Denn auch, wenn die Konstruktion sicher eine dekorative Wirkung hat, stellt sich die Frage: Wie sollen Teelichter einen ganzen Raum heizen? Das Problem: Die Physik hat auch ein Wörtchen mitzureden. Ein Teelicht hat eine Wärmeleistung von rund 40 Watt. Vergleichen wir das mit einem handelsüblichen Heizkörper (etwa 2000 Watt), dann müssten schon sehr viele Teelichter und Konstruktionen im Raum stehen, damit es merklich etwas bewirkt. Würde dann eher wie ein romantischer Abend aussehen. Wie die Rheinische Post außerdem berichtet, bestehe auch kein Vorteil darin, dass der Ton die Hitze speichert und abgibt, denn er verstärkt diese nicht. Außerdem verbrauchen offene Flammen in einem Raum Sauerstoff. Dieser müsse dann durch Belüftung wieder in den Raum transportiert werden – wodurch die Temperatur wieder sinken könne. Grundsätzlich seien Teelichter wie auch ein mit Teelichtern betriebener Ofen nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt.

Auch die Wirtschaftswoche hat das bereits vor einigen Jahren in einem Selbsttest unter die Lupe genommen. Das Ziel des Tests war es, bei milden Temperaturen innerhalb von 45 Minuten ein Altbauzimmer mit hohen Decken und rund 15 Quadratmetern Größe aufzuwärmen. Immerhin, so die Wirtschaftswoche, habe ein Erfinder des Produktes versprochen, dass der Teelichtofen die Raumtemperatur innerhalb einer halben Stunde um mindestens zwei Prozent heben könne.

Schlechte Nachrichten für die Fans dieser Idee: Der Ofen scheiterte krachend. Innerhalb von 45 Minuten erhitzte sich die Luft von 19,3 auf 19,8 Grad Celsius. Weit entfernt also von den Versprechen des Erfinders. Zwar erbrachte ein selbst gebauter Bausatz eine bessere Leistung, das Fazit der Experten fiel jedoch deutlich aus: Es müsse klar sein, dass man mit einem kleinen Kerzenofen keine Wohnung im Winter heizen könne.