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Gut zu wissen
Vom Aussterben bedroht – die Lebensversicherung

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Lange Zeit waren Kapitallebensversicherungen die beste Altersvorsorge. Keine Spekulationen, gute Zinserträge. 70 Millionen Verträge existieren derzeit in Deutschland. Doch nach zehn Jahren Niedrigzinsphase haben sich die Zeiten geändert. Die Renditen sind auf ein Minimum geschmolzen und kaum jemand schließt mehr eine Lebensversicherung ab. Das liegt auch an den hohen Abschlusskosten, sodass von den niedrigen Zinsen ohnehin nichts übrig bleibt.

Niedrige Zinsen schrecken ab

Wer in den 1990er-Jahren einen Vertrag für eine Lebensversicherung unterschrieben hat, bekam vier Prozent Verzinsung garantiert. Was damals wenig klang, ist heute ein Garantiezins, von dem man nur träumen kann. Aktuell liegt dieser bei Neuverträgen bei 0,9 Prozent. Deswegen bieten viele Versicherer gar keine Policen mit Garantiezins an, sondern fondsgebundene Varianten. Der Kunde erhält dann zumindest das eingezahlte Geld wieder - alles darüber hinaus ist unklar, aber durch den Schlussüberschuss lohnt es sich möglicherweise doch. Das Lebensversicherungsreformgesetz von 2014 verpflichtet die Versicherungsunternehmen, die Kunden mit 90 Prozent an den Überschüssen zu beteiligen. Zuvor waren es 75 Prozent.

Trotz der Zinskrise versprechen viele Lebensversicherer ihren Kunden im Schnitt knapp drei Prozent Rendite. Da sie selbst nur zwei Prozent bekommen, wenn sie das Geld der Versicherten - immerhin mehr als 900 Milliarden Euro - anlegen, sind neue Wege gefragt. Riskante Anlageformen sind tabu, Bundesanleihen hingegen bringen weniger als ein Prozent Verzinsung. Und so investiert die R+V beispielsweise in Wohnprojekte und sichert so die Rendite ihrer Kunden ab.

Die Lebensversicherer müssen umdenken

Die Allianz geht noch einen Schritt weiter und setzt neben Immobilien auf erneuerbare Energien. Zudem steckt sie aktuell zehn Prozent der Kundengelder in Aktien und will diesen Wert sogar noch erhöhen. Was lange Zeit wegen des hohen Risikos nicht infrage kam, ist inzwischen nicht mehr ausgeschlossen. Auch das spiegelt die prekäre Lage der Lebensversicherer wieder.

Auch wenn sich eine Lebensversicherung finanziell kaum mehr lohnt - wer eine hat, sollte sie dennoch nicht kündigen. Denn dann gibt es nur den Rückkaufwert von der Versicherung und der ist in der Regel niedriger als das eingezahlte Geld. Wer sie dennoch loswerden will, kann sie beispielsweise an ein darauf spezialisiertes Unternehmen verkaufen und bekommt zwei bis vier Prozent mehr als der Rückkaufwert bei einer Kündigung. Meist müssen mindestens 5.000 Euro angespart worden sein und der Vertrag muss noch einige Jahr laufen, darauf weist ein Sprecher von Winninger hin, einem Unternehmen das sich auf den Rückkauf von Lebensversicherungen spezialisiert hat.

Abgesichert sein und Geld sparen

Es gibt Alternativen zum Kündigen und Verkaufen der Lebensversicherung, wenn kurzfristig Geld benötigt wird: Sie kann beispielsweise beliehen oder aber beitragsfrei gestellt werden. Angst ist hingegen kein guter Grund, seine Lebensversicherung loswerden zu wollen. Strenge Gesetze und Kontrollen schützen das Geld der Kunden in Deutschland recht gut. Die Zukunft kann niemand vorhersagen, aber ein Bankrott von Versicherungsgesellschaften und damit der totaler Verlust von Versicherungsgeldern ist hierzulande sehr unwahrscheinlich.

Übrigens: Es gibt einige Tipps, mit denen sich mehr aus einer bestehenden Lebensversicherung herausholen lässt. So sollte man die Beiträge immer jährlich zahlen, denn die monatliche Abbuchung lassen sich die Versicherungen mit Aufschlägen honorieren. Bei 100 Euro Monatsrate können das 60 Euro pro Jahr sein, die man zusätzlich sparen kann. Auch Zusatzversicherungen wie die doppelte Auszahlungssumme an Angehörigen bei einem Unfalltod kosten extra. Wer seine Lebensversicherung nach 2005 abgeschlossen hat, sollte die Auszahlung ins Rentenalter verlegen, denn dann können Steuern gespart werden.