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Welche Vor- und Nachteile hat eine individuelle Vermögensverwaltung für Ihr Depot?

Wer ein Wertpapierdepot sein Eigen nennen darf, kennt auch die Schwierigkeiten, die daraus resultieren. Zum einen müssen die Entwicklungen am Kapitalmarkt und in der Wirtschaft immer im Blick behalten werden.

Zum anderen werfen viele Ereignisse die Frage auf, ob eine Trennung von bestimmten Werten nötig oder stattdessen gar ein Nachkauf sinnvoll ist. Je nach den enthaltenen Wertpapieren kann es sogar unabdingbar sein, die weltweite Situation mehr oder weniger im Blick zu haben. Doch wer kann das schon? Schließlich sind die wenigsten Anleger reine Privatiers, und wer 40-60 Stunden pro Woche arbeitet, hat es schwer, immer up to date zu sein. Eine Alternative kann hier die individuelle Vermögensverwaltung sein. Im Folgenden möchten wir Ihnen daher die Vorzüge und Stolperfallen dieser Möglichkeit aufzeigen.

Fremdverwaltung des Depots

Ein Depot bedeutet jede Menge Arbeit, Wissen und Gespür. Handelt es sich nur um einen kleinen Betrag, so hält sich der Aufwand in Grenzen. Geht es aber um 100.000,- Euro und mehr, wird es bereits schwieriger. Einige Menschen mögen den Nervenkitzel und wollen ohnehin immer alles selbst in der Hand haben. Andere würden sich diese Belastung aber gern ersparen. Die Lösung könnte hier eine Vermögensverwaltung sein. Dabei kümmert sich ein professioneller Vermögensverwalter um die Zusammenstellung und Verwaltung des Kundendepots. Ihm werden umfangreiche Rechte eingeräumt, damit er frei handeln sowie Wertpapiere kaufen und verkaufen kann. In der Regel werden viele Depots von einem einzigen Verwalter gemanagt. Um dabei den Aufwand handelbar zu machen, ähneln sich Depots mit vergleichbarer Anlagestrategie häufig auch in ihrem Aufbau.

Der Anleger klärt im Vorfeld wichtige Fragen zu Anlagestrategie, Vorlieben und Wünschen, damit die Vermögensverwaltung auch wirklich in seinem Sinne agieren kann. Beispielsweise gibt es Menschen, die bestimmte Branchen oder Werte absolut ablehnen. Dies könnten zum Beispiel Waffengeschäfte sein oder auch der Handel mit Lebensmitteln. Ebenso wird die Risikoneigung selbstverständlich berücksichtigt. Nach diesen Vorgaben wird dann ein Depot für den Kunden zusammengestellt. Normalerweise ist die Auswahl nicht begrenzt und kann Anlagen aus allen möglichen Assetklassen enthalten. Regelmäßige Berichte informieren über die Handlungen der Vermögensverwaltung und die Entwicklung der im Depot enthaltenen Werte.

Hohe Mindestsummen und entstehende Kosten

Wie bei allen Angeboten gibt es natürlich auch bei einer Vermögensverwaltung Nachteile. So gelten für nahezu alle Verwaltungsangebote hohe Mindestsummen. Die meisten beginnen bei einem Depotvolumen von 250.000,- Euro. In Einzelfällen gibt es allerdings Sonderangebote für "Spezialprodukte", wie zum Beispiel eine reine ETF Vermögensverwaltung. Für solche Offerten gelten meist niedrigere Mindestsummen, teils bereits ab 100.000,- Euro.

Nicht zu vernachlässigen sind ebenso die Kosten, denn auch die Vermögensverwaltungsgesellschaft muss für ihre Dienste entlohnt werden. Die Kosten dafür müssen also von der Rendite der Wertpapiere wieder abgezogen werden. Läuft die Wertentwicklung wider Erwarten schlecht, fallen die Verwaltungskosten dennoch an.

Da der Vermögensverwalter umfassende Rechte für das Depot erhält, muss absolutes Vertrauen gegeben sein. Der eigene Einfluss des Kunden ist je nach Angebot mehr oder weniger stark gegeben. Wer nervös wird, kann bei einigen Anbietern kaum eine Änderung erwirken und müsste die komplette Anlage kündigen, bei anderen kann jedoch der eigene Wunsch durchaus berücksichtigt werden.

Alternativen zur Vermögensverwaltung

Wer unter den Mindestsummen für die individuelle Vermögensverwaltung liegt oder die Verwaltung seines Depots lieber selbst in die Hand nehmen, aber dennoch den Aufwand in Grenzen halten will, kann sich beispielsweise auf die Auswahl einiger weniger Dachfonds beschränken. Ein Dachfonds investiert in mehrere Einzelfonds und erhält somit eine recht hohe Streuung der Geldanlage. Bei einem Dachfonds wird in der Regel festgelegt, in welche Branchen in welcher Verteilung investiert wird. Außerdem wird vereinbart, welche Vorgaben die Fonds erfüllen müssen, in die investiert wird. Das Modell ist recht starr: Investiert der Kunde zum Beispiel in einen Anleihedachfonds, so ist es diesem Fonds ausschließlich erlaubt, in Anleihefonds zu investieren. Läuft dieser Markt gerade schlecht, so kann auch der Fondsverwalter die Performance nicht durch den Kauf alternativer Papiere antreiben.

Eine weitere Möglichkeit ist ein vermögensverwaltender Fonds. Diese Variante ähnelt der individuellen Vermögensverwaltung. Der Fondsmanager bekommt auch hier relativ viele Rechte, kann also den Fonds immer wieder neu zusammenstellen und Werte kaufen und verkaufen. Der Unterschied ist jedoch: Alle Anleger bekommen so quasi die gleichen Wertpapiere, nur in unterschiedlichen Anteilen. Meist werden vermögensverwaltende Fonds in unterschiedlichen Risikokategorien aufgelegt. Eine Unterteilung könnte hier unter anderem nach dem erlaubten Aktienanteil erfolgen. Kunden, die besonders wenig Risiko eingehen möchten, kaufen dann eine Variante mit einem hohen Anteil an sicheren, festverzinslichen Wertpapieren, während risikofreudigere Anleger eine Variante mit höherem Aktienanteil erwerben. Innerhalb vorgegebener Grenzen darf dann also der Verwalter regelmäßig umschichten, wenn er es für nötig erachtet.

Es gibt also einige Angebote für alle, die nicht die Lust oder Zeit haben, sich um die Verwaltung ihres Depots selbst zu kümmern. Es muss nur noch entschieden werden, welche Anlagestrategie umgesetzt werden soll.