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Besser bleibenlassen?: Warum uns Geldanlage so schwerfällt

Besser bleibenlassen? : Warum uns Geldanlage so schwerfällt

Kennen Sie das? Immer am Jahresanfang nehmen wir uns vor, endlich mal die Altersvorsorge anzugehen. Und dann bleibt doch wieder alles liegen. Muss die Geldanlage wirklich so schwer sein?

Weniger Alkohol trinken, abnehmen, mehr Sport machen, Zeit für die Kinder nehmen - immer wieder setzen wir uns am Anfang eines neuen Jahres Ziele. Oft mit dabei: sich endlich mal um die Altersvorsorge kümmern.

Doch genau an diesem Ziel scheitern wir regelmäßig. „Eigentlich wollen wir alle alt werden“, sagt Prof. Hartmut Walz, Verhaltensökonom an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. „Aber wir wollen nicht an das Alter denken.“ Dabei ist das Thema Altersvorsorge durchaus wichtig. Schließlich dürfte die gesetzliche Rente bei den meisten später kaum reichen, um den Lebensstandard zu halten.

Ambivalentes Verhältnis zu Geld

„Unser Verhältnis zu Geld ist sehr ambivalent“, erklärt Monika Müller das Phänomen. „Einerseits wollen wir es haben, wir kämpfen darum“, sagt die Finanzpsychologin aus Wiesbaden. „Andererseits ist es aber auch ein verbotenes Thema. Wir sprechen ja nicht offen über Geld.“

„Die Bedeutung von Geld ist vielschichtig und auch sehr individuell“, sagt Vermögensberater Andreas Görler aus Berlin. Für jeden Menschen bedeute es etwas anderes, abhängig von seinen sozialen Prägungen, seinen verinnerlichten Glaubenssätzen und seiner Lebenssituation.

Nach Ansicht von Monika Müller ist Geld auch eine individuelle Projektionsfläche: Während der eine darin Freiheit oder Sicherheit sieht, bedeutet es für den anderen Anspannung oder Schmutz. „Und allein diese Ambivalenz stoppt oft schon die Motivation, sich mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt die Finanzpsychologin.

Passiv sein oder aktiv?

Hinzu kommt: Wir haben oft Respekt vor Finanzen. Schließlich wurde die Leidenschaft für Mathematik nicht jedem in die Wiege gelegt, und Betriebswirtschafts- oder Volkswirtschaftslehre haben auch längst nicht alle studiert. Außerdem ist das Angebot an Finanz- und Vorsorgeprodukten unübersichtlich groß. Und die Produkte selbst oft fürchterlich kompliziert - allen Informationsblättern zum Trotz.

„Viele haben einfach Angst, etwas falsch zu machen“, erklärt Prof. Walz. „Und deshalb machen sie einfach gar nichts.“ Wissenschaftler beschreiben dieses Phänomen auch als Omission Bias, übersetzt etwa Unterlassungseffekt. Die Handlung wird dabei subjektiv als riskanter angesehen als das Unterlassen.

Sich das Problem bewusst machen

Wie kommen wir aus diesem Dilemma raus? Für Monika Müller ist klar: An erster Stelle muss ein Bewusstsein für das Problem geschaffen werden. „Was verbinde ich mit Geld?“, fragt Müller. „Das muss ich versuchen, mir einmal zu beantworten.“ Schon daraus lasse sich eine Menge ableiten. „Bedeutet Geld vor allem Sicherheit, spielt das auch eine Rolle bei der Produktauswahl.“

Zweiter Schritt: Projektionen auflösen. „Nehmen Sie dem Geld die Dynamik weg“, sagt Müller. „Spüren Sie, was passiert, wenn Sie sich zum Beispiel sagen: Ich bin sicher - mit und ohne Geld.“ Wer das verinnerliche, könne die Spannung rund um das Thema auflösen.

Transparenz und Regelmäßigkeit

Ist dieser Einstieg einmal geschafft, ist der nächste Schritt gar nicht so schwer. „Zunächst ist es wichtig, eine objektive Übersicht über die eigenen Einnahmen und Ausgaben zu erstellen“, rät Vermögensberater Görler. Denn nur so wird klar, wie viel Geld man sparen kann. „Eine einfache Tabellenkalkulation beziehungsweise ein Haushaltsbuch sind hilfreich. So hat man immer eine Orientierung über die aktuelle finanzielle Situation.“

Zweiter Schritt: „Halten Sie ihre Geldanlage einfach“, rät Prof. Walz. „Kompliziert wird es im Laufe der Jahre meist von alleine.“ Am besten sparen wir regelmäßig. Für den Einstieg geeignet sind zum Beispiel vermögenswirksame Leistungen oder Sparpläne. Am Anfang lieber etwas kleinere Ziele setzen, die sich auch erreichen lassen.

Angst vor Aktien abbauen

Wer langfristig etwas erreichen will, kommt an Aktien im Moment kaum vorbei. Doch vor der Börse haben wir oft Respekt. Zu recht? Nein, findet Vermögensverwalter Andreas Feldmann aus Köln.

Schließlich sind die an den Börsen notierten Aktiengesellschaften reale Unternehmen, die uns im Alltag begleiten: Online-Plattformen, über die wir Waren bestellen, Sportartikelhersteller deren Schuhe wir tragen oder Pharmahersteller, deren Medikamente uns gesund machen. „Ein Partizipation an all dem über Aktien erscheint dann deutlich weniger mysteriös oder gefährlich, sondern gar logisch und sinnvoll.“

Literatur:

Stefanie Kühn, Markus Kühn: „Geldanlage für Anfänger“, Stiftung Warentest 2020, 19,90 Euro, ISBN-13: 978-3-7471-0223-7

Hartmut Walz: „Einfach genial entscheiden im Falle einer Finanzkrise“, Haufe, 1. Auflage 2020, 210 Seiten, 19,95 Euro, ISBN-13: 978-3-648-13758-1

Martin Weber u.a.: „Die genial einfache Vermögensstrategie - So gelingt die finanzielle Unabhängigkeit“, Campus Verlag 2020, 255 Seiten, 27,95 Euro, ISBN-13: 978-3-593-51238-9

Beate Sander: „Der Aktien und Börsenführerschein“, Finanzbuchverlag 2020, 367 Seiten, ISBN-13: 978-3-95972-279-7, 29,90 Euro

Brigitte Wallstabe-Watermann u.a.: „Anlegen mit ETF - Geld bequem investieren mit ETF und Indexfonds“, Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, ISBN-13: 978-3-7471-0128-5, 19,90 Euro

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