Berufsunfähigkeit - was gibt es zu beachten?

Absichern : Berufsunfähigkeit - was gibt es zu beachten?

Was ist der Unterschied zwischen Berufs-, Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit und was sollten Arbeitnehmer beim Abschluss einer Versicherung beachten, die das Risiko einer Berufsunfähigkeit abdeckt?

Viele Deutsche haben unnötige Versicherungen abgeschlossen und zahlen dadurch mehr, als sie müssten. Von den rund 2.400 Euro, die jeder Deutsche rein rechnerisch pro Jahr für Versicherungen ausgibt, ließen sich einige hundert Euro sparen, wenn Versicherte ihren Versicherungsschutz kritisch hinterfragen und überflüssige Policen kündigen würden - zu diesem Schluss kommt Georg Pitzl vom Bundesverband der Versicherungsberater (BVVB). Eindeutig nicht zu den überflüssigen Versicherungen gehören solche Policen, die das Risiko einer vorübergehenden Arbeits- oder dauerhaften Berufsunfähigkeit abdecken, im Gegenteil: Experten raten ausdrücklich dazu, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, da statistisch gesehen jeder vierte Arbeitnehmer aus dem Berufsleben ausscheidet, bevor er das Rentenalter erreicht, wie die Nürnberger Versicherung auf ihrer Produktseite informiert.

Die Ursachen, die am häufigsten zu einer Berufsunfähigkeit führen, sind Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparats, psychische Erkrankungen, Krebserkrankungen, Einschränkungen nach einem Unfall sowie Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems. Bemerkenswert ist der große Anteil, den psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burn-out ausmachen (25 Prozent). Er verdeutlicht, dass nicht nur Menschen in Jobs mit hoher körperlicher Belastung und hohem Unfallrisiko - etwa Bauarbeiter oder Dachdecker - gefährdet sind, berufsunfähig zu werden. Büroangestellte, die in einer eigentlich risikoarmen Umgebung arbeiten, können infolge von Stress oder Mobbing psychisch so schwer erkranken, dass sie ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen können.

Unterschied zwischen der Schwere und Dauer der Arbeitsunfähigkeit

Grundsätzlich springt eine Berufsunfähigkeitsversicherung dann ein, wenn man durch einen Unfall oder eine Krankheit arbeitsunfähig wird. Unterschieden wird hier jedoch zwischen Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit.

Jeder Arbeitnehmer war schon mal arbeitsunfähig, nämlich immer dann, wenn er beispielsweise wegen einer Erkältung zum Arzt ging und von diesem eine Krankschreibung bekam, die er beim Arbeitgeber und der Krankenkasse vorlegen musste. Für die Zeit der Krankschreibung ist er demnach nicht in der Lage, seinen beruflichen Tätigkeiten nachzugehen. Jedoch muss der Arbeitgeber das volle Gehalt für sechs Wochen weiterzahlen. Ist der Arbeitnehmer dann weiterhin krank, übernimmt die Krankenversicherung die Zahlung von 70 Prozent des Lohns für höchstens 78 Tage.

Als berufsunfähig gilt man dann, wenn man seinem Beruf und sozial zumutbaren Tätigkeiten nicht mehr nachgehen kann. Um diese besser einordnen zu können, gibt es ein System mit mehreren Stufen, in das Berufe in Abhängigkeit von der jeweiligen Qualifikation einsortiert werden. Ist man berufsunfähig im erlernten Beruf, dann sind noch diejenigen Berufe zumutbar, die in der gleichen Stufe oder der nächsttieferen Stufe liegen.

Bei einer Erwerbsunfähigkeit oder Erwerbsminderung ist man gesundheitlich gar nicht mehr in der Lage, einen anderen Beruf auszuüben. Da man also keiner anderen Arbeit nachgehen kann, greift die staatliche Erwerbsminderungsrente, die von der gesetzlichen Rentenversicherung übernommen wird. Ist man nur noch 3 Stunden pro Tag arbeitsfähig, dann zahlt sie 15 Prozent des vorherigen Bruttolohns, während man bei einer täglichen Arbeitsfähigkeit von 3 bis 6 Stunden immerhin noch 30 Prozent des Bruttolohns bekommt.

Nicht nur auf den gesetzlichen Schutz vertrauen

Verlässt man sich nur auf den gesetzlichen Schutz der Erwerbsminderungsrente, dann sind finanzielle Probleme vorprogrammiert, denn die staatliche Unterstützung zahlt nur einen Bruchteil des ursprünglichen Lohns - der gewohnte Lebensstandard lässt sich damit nicht halten. Deshalb sollte man sich rechtzeitig mit einer zusätzlichen Absicherung in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung auseinandersetzen, denn diese unterstützt Betroffene nicht nur finanziell bei einer Umschulung, sondern auch mit monatlichen Zahlungen, deren Höhe bei Vertragsabschluss so festgelegt wurde, dass sich damit der Lebensunterhalt bestreiten lässt.

Wichtig ist allerdings, dass man den Leistungsumfang der Police genau studiert und darauf achtet, dass sie sowohl physische als auch psychische Erkrankungen versichert.

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