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Pandemie und Endemie: Auf welcher Stufe steht Corona mit Omikron?

Besserung trotz Neuinfektionen? : Pandemie und Endemie: Auf welcher Stufe steht Corona mit der Omikron-Variante?

Schon im vergangenen Jahr gab es Spekulationen, wann die Corona-Pandemie zu einer potentiell weniger gefährlichen Endemie werden könnte. Nun könnte Omikron den Zeitplan für eine Entspannung der Lage diktieren.

Es gibt eine neue Hoffnung für ein absehbares Ende der pandemischen Lage. Die Corona-Variante Omikron hat Eigenschaften, die aus der Pandemie eine Endemie machen können. Und das wäre eine gute Nachricht. Wir werfen einen Blick darauf, was das bedeutet und warum es die aktuellen Hoffnungen gibt. Sie kommen nämlich nicht ganz plötzlich, bekommen aber durch Omikron großen Aufwind.

Zunächst waren Fachleute nicht überrascht, dass die Corona-Zahlen gegen Ende des Jahres 2021 wieder deutlich angestiegen sind. Davor hatte zum Beispiel der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité schon Mitte des Jahres gewarnt. „Natürlich wird die Fallzahl gen Winter wieder hochgehen. Das kann auch schon im Herbst passieren. Aber das wird ab jetzt jeden Winter passieren“, sagte er in seinem regelmäßigen NDR-Podcasts „Das Coronavirus-Update“.

Schon damals gab es einen Lichtblick. Diese Dauer-Situation sei durch den erwarteten Effekt der Corona-Schutzimpfungen auf Krankheitsverläufe eine andere als zuvor, meinte Drosten. Konzentriere man sich darauf, nur Labornachweise auszuweisen, dann sähe man wohl eine vierte Welle. Diese sei dann jedoch nicht mehr als pandemisch, sondern eher als Beginn einer „endemischen Phase“ erklärbar. Die ganz große Beachtung fanden diese Erklärungen von Virologen zu dieser Zeit noch nicht - und solche Prognosen bauten außerdem auf eine erfolgreiche Impfkampagne mit schnell Fortschritten. Doch nun steht die Endemie vielleicht tatsächlich kurz bevor.

Coronavirus: Was ist der Unterschied zwischen Pandemie und Endemie?

Breitet sich eine Krankheit nicht nur regional, sondern über Länder und Kontinente hinweg aus, sprechen Experten von einer Pandemie – wie aktuell von der Corona-Pandemie. Nach der Definiton des Robert-Koch-Instituts ist das dann der Fall, wenn sich eine Epidemie weltweit ausbreitet. Das bedeutet, die Zahl der Erkrankten nimmt nicht nur regional zu, sondern auf globaler Ebene. Eine Krankheit, die immer wieder pandemische Ausmaße annimmt, ist die Grippe. So starben an der Spanischen Grippe 1918 bis zu 50 Millionen Menschen. 2009 löste die Schweinegrippe eine Pandemie aus.

Von einer Endemie sprechen Experten, wenn eine Erkrankung zeitlich und örtlich begrenzt auftritt. Dies geschieht meist in einer bestimmten Region oder Personengruppe. Für die Definition wichtig ist, dass die Krankheit in der betroffenen Personengruppe dauerhaft in erhöhtem Maße auftritt. In diesem Gebiet spricht man dann vom Endemiegebiet. Eine der bekanntesten Endemien ist Malaria. Diese Krankheit (Tropenfieber) tritt in rund einhundert Ländern auf und ist dort in unterschiedlichem Niveau endemisch.

Was bedeutet eine „endemische Phase“ für den Umgang mit dem Coronavirus?

Was den Übergang in die Phase der Endemie angeht, dachte Drosten Mitte 2021 noch hauptsächlich an die Corona-Impfungen und die nötigen Auffrischungen. Mit Omikron kommt nun ein Faktor hinzu, der damals nicht absehbar war. Durch die höhere Übertragbarkeit von Omikron könnte - das ist aber bislang nur eine Hypothese - eine endemische Situation näher rücken. Dass die Verläufe einer Corona-Erkrankung mit dieser Variante milder verlaufen, kommt noch hinzu.

Die hohe Übertragbarkeit könnte insgesamt dazu führen, dass die Bevölkerung als Ganzes vergleichsweise schnell eine höhere Immunität erreicht. „Endemische Situation heißt, dieses Virus wird zu einem Erkältungsvirus wie viele andere auch“, sagte Drosten kurz vor dem Jahreswechsel im ZDF. „Wie übrigens vier weitere Coronaviren in der Vergangenheit schon.“

Ist eine Corona-Endemie prinzipiell weniger gefährlich als eine Corona-Pandemie?

In den neuen Daten deutet sich insgesamt an, dass die Zahl der schweren Verläufe bei Omikron niedriger ist als zum Beispiel bei der Delta-Variante. Mediziner weisen trotzdem darauf hin, dass eine Erkrankung prinzipiell ernst zu nehmen ist. Persönliche Risikofaktoren können für den Einzelnen weiterhin einen großen Unterschied machen. Außerdem bedeutet ein leichter Krankheitsverlauf nicht, dass man sich um Spätfolgen keine Sorgen machen muss. Über Long-Covid ist bei Omikron noch nichts bekannt. Deshalb wäre der Übergang zur Endemie eine sehr gute Nachricht. Die Gefahren sind aber nicht schlagartig aus der Welt, weil die Corona-Lage nicht mehr mit dem Begriff der Pandemie beschrieben wird.

(mit dpa)