1. Magazin
  2. Gesundheit

Gesundheit Das E-Rezept: Deutsche Apotheken machen sich bereit für die Digitalisierung

Gesundheit Das E-Rezept: : Deutsche Apotheken machen sich bereit für die Digitalisierung

Die Digitalisierung schreitet auch im Gesundheitswesen immer stärker voran. Automatisierte Prozesse sollen in Zukunft zahlreiche Abläufe effizienter gestalten und die Serviceleistungen in der Gesundheitsversorgung für Patienten und Verbraucher spürbar verbessern. Jetzt steht das E-Rezept als Neuerung für Apotheken auf dem Prüfstand. Die Meinungen zum Medikament auf Knopfdruck sind noch geteilt.

Das deutsche Gesundheitswesen hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Schritte auf dem Weg zur Digitalisierung zurückgelegt. Ein elektronischer Chip auf der Versichertenkarte speichert alle relevanten Patientendaten, viele Krankenhäuser und Arztpraxen regeln ihre Terminvergabe über Online-Tools und Versandapotheken boomen. Nun soll auch die ärztliche Verordnung zu Medikamenten ein digitales Facelift erhalten.

Mit dem E-Rezept soll die ärztliche Verordnung im Papierformat künftig ergänzen, sogar weitgehend ersetzen können. Auch wenn 13 europäische Länder das E-Rezept bereits verwenden, befindet sich Deutschland derzeit noch in einer von kritischen Stimmen begleiteten Prüfphase. Noch 2020 soll die Prüfung, die sich vor allem mit Aspekten der Datensicherheit beschäftigt, abgeschlossen werden, damit das E-Rezept flächendeckend eingesetzt werden kann.

Die Gründe, die für die Einführung der digitalen Verordnung sprechen, sind nachvollziehbar. Trotzdem ist die Begeisterung vor allem auf Patientenseite bislang verhalten.

Bundesgesundheitsminister will Digitalisierung vorantreiben

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein Projekt, das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Herzen zu liegen scheint. Seit Monaten arbeitet er mit Hochdruck an verschiedenen Themen, die die Prozesse im Gesundheitswesen zunehmend automatisieren sollen. Im Rahmen des Deutsch-Estnischen Zukunftsforums 2020 zum Thema E-Health, das im Februar in der estnischen Botschaft in Berlin stattfand, erklärte Spahn, warum die Thematik ihm so am Herzen liegt und warum er sich Erfolg aus der Kooperation größerer und kleinerer Länder verspricht:

""Wir hören ja noch oft Sätze wie ‚Online-Sprechstunde und E-Rezept, das brauche ich nicht‘. Ich kann dazu nur sagen, dass wir das selbst gestalten oder erleiden können. Denn mir ist es lieber, wir machen es selbst als dass große ausländische Konzerne wie Google oder Apple das machen. Da geht es für mich auch um die Selbstbehauptung Europas. Ein Überwachungskapitalismus ist nicht unsere Vorstellung."

(Quelle: www.deutsche-apotheker-zeitung.de)

Als beispielhaft führte der Bundesgesundheitsminister unter anderem die Projekte an, mit denen Estland das E-Rezept verstärkt zum Einsatz bringt. "Estland beeindruckt bei der Digitalisierung wie wenige andere Länder in Europa und auf der Welt", so Spahn in seiner Ansprache im Rahmen des Deutsch-Estnischen Zukunftsforums.

Um seinen Worten auch gleich Taten folgen zu lassen, stellte Spahn auch gleich das neue E-Rezept-Projekt vor, das in Hessen an den Start gehen darf. Der umfangreiche Testballon, für den der hessische Datenschutzbeauftrage bereits seine Zustimmung erteilte, ist eine Kooperation von verschiedenen Ärzten, Apothekern, Krankenkassen und auch einigen privaten Unternehmen. Das Herzstück des Projektes ist eine Online-Beratung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes, den Patienten auch außerhalb der regulären Sprechzeiten in Anspruch nehmen können. Im Anschluss an die Beratung kann der beratende Arzt eine ärztliche Verordnung in Form eines E-Rezeptes auf ein zentral gesteuertes Datenportal hochladen, wo der Patient über eine individuelle Kennung oder einen Sicherheitscode auf die digitale Verordnung zugreifen kann. Die Weiterleitung des E-Rezeptes an eine nahegelegenen Apotheke oder eine Versandapotheke soll ebenfalls digital direkt über das Portal erfolgen, und zwar über eine Schnittstelle mit der Apothekensoftware Awinta oder über eine softwareunabhängige Schnittstelle, die die Apotheken direkt mit dem Portal verbindet.

Pate für dieses zukunftsweisende Projekt ist Estland, dessen Gesundheitssystem zu den fortschrittlichsten in ganz Europa zählt und das Deutschland verschiedenen Technologien zur Umsetzung von Digitalisierungsprojekten zur Verfügung stellen wird.

Apotheken bereiten sich auf das E-Rezept vor

Die Chancen stehen gut, dass auch Deutschland die Digitalisierung im Gesundheitswesen bald mit der Ausweitung des E-Rezeptes weiterführen wird. Für Apotheken bedeutet das, dass sie sich frühzeitig auf den Einsatz der digitalen Verordnung vorbereiten sollten, um für ihre Kunden in allen Bereichen einen professionellen Service gewährleisten zu können. Vor allem für große Versandapotheken führt in der Zukunft kein Weg am E-Rezept vorbei, und die digitale Verordnung könnte die täglichen Abläufe durchaus effizienter gestalten.

Vor allem Apotheken, die bereits stark im E-Commerce tätig sind, sehen der Einführung des E-Rezeptes positiv entgegen und werden den Service für ihre Kunden anbieten, sobald er geprüft und freigegeben wurde.

Die Voraussetzung, die Apotheken erfüllen müssen, um das E-Rezept als Serviceleistung anbieten zu können, ist vor allem eine gesicherte Schnittstelle zu Ärzten und zentralisierten Datenspeicherplätzen, über die die Übermittlung von Patientendaten und ärztlichen Verordnungen abgewickelt wird. Die Übertragung der Patientendaten und der Daten des E-Rezeptes erfolgt über eine verschlüsselte Datenverbindung. Patienten können ihre Verordnung direkt aus der Arztpraxis in ihr E-Mail-Postfach oder auf ihr Smartphone übermittelt bekommen und sie von dort wiederum über eine verschlüsselte Datenverbindung an die jeweilige Apotheke weiterleiten. In der Apotheke werden die übermittelten Daten sorgfältig ausgelesen und die Medikamentenbestellung kann abgewickelt werden.

Welche Vorteile bietet das E-Rezept?

Auch wenn auf Verbraucherseite noch große Unsicherheit herrscht, bietet das E-Rezept viele Vorteile. Vor allem ist die digitale Verordnung darauf ausgelegt, die Kommunikation zwischen Arzt, Patient und Apotheke effizienter und gleichzeitig sicherer zu gestalten. Auch wenn die aktuellen Prüfverfahren sich vor allem auf mögliche Risiken für den Datenschutz konzentrieren, soll das E-Rezept dazu beitragen, das Risiko des Datenmissbrauchs im Gesundheitswesen zu minimieren.

Außerdem lässt sich mit dem E-Rezept der Postversand von ärztlichen Verordnungen komplett umgehen. Wenn sowohl die Übermittlung an den Patienten als auch die Weiterleitung an die Apotheke digital erfolgen, lassen sich nicht nur Briefumschlag und Porto sparen, auch das Risiko, dass Rezepte auf dem Postweg verloren gehen, entfällt.

Das wohl wichtigste Argument für das E-Rezept bleibt aber die Effizienz der täglichen Abläufe im Gesundheitswesen. Die Verordnung von Medikamenten und die Bearbeitung eines Rezeptes können auf digitalem Weg schneller und gezielter erfolgen. Benötigt ein Patient ein Folgerezept, kann er sich den erneuten Besuch beim Arzt wahrscheinlich komplett sparen. Das könnte viele Arztpraxen und damit das gesamte Gesundheitssystem spürbar entlasten.

Wie stark sich die Prozesse im Gesundheitswesen durch den flächendeckenden Einsatz des E-Rezeptes verbessern werden, hängt vor allem davon ab, wie die Grundidee umgesetzt wird und wie schnell sich Ärzte, Patienten und Apotheken auf die neuen Möglichkeiten einstellen können.

Die Mehrheit der Patienten bleibt skeptisch

Trotz aller Vorteile, die das E-Rezept für das deutsche Gesundheitssystem mit sich zu bringen scheint, bleibt die Mehrheit der Patienten hierzulande skeptisch. Das ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts Toluna im Auftrag der UCB Pharma GmbH. Unter dem Titel "Der Patient im Mittelpunkt" wurden 2019 1.000 repräsentativ ausgewählte Deutsche ab 18 Jahren zu ihrer Meinung zum E-Rezept befragt. Zwar gaben 82 Prozent der Befragten an, durchaus verschiedenen Vorteile in der Einführung des E-Rezeptes zu sehen, trotzdem sprachen sich nur 29 Prozent für die digitale Verordnung aus. 40 Prozent der Studienteilnehmer möchten auch in Zukunft lieber mit der gedruckten Rezeptvariante arbeiten.