HIV: Resistenzen nehmen weltweit zu

Aktuelle Untersuchungsergebnisse : HIV: Resistenzen nehmen weltweit zu

Aus aktuellen Untersuchungsergebnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO geht hervor, dass die derzeit häufig bei HIV-Infektionen angewandte Erstlinientherapie in immer weniger Fällen anschlägt. Unter dem Begriff NNRTI (Non Nucleoside Reverse Transcriptase Inhibitor) werden Medikamente zusammengefasst, die sich in die Gruppe der Virustatika einordnen lassen.

Retroviren, wie etwa das HI Virus, können durch die Gabe dieser Arzneimittel in der Ausbreitung gehemmt werden. Seit den 1990er Jahren wird an der Wirkstoffkombination geforscht, derzeit sind mehrere Präparate in Deutschland zugelassen. Die wichtigsten Handelsnamen von NNRTI Medikamenten sind:

- Edurant (RLP)

- Intelence (ETV)

- Pifeltro (DOR)

- Sustiva (EFV)

- Viramune (NVP)

Die einzelnen Präparate zeigen bei der Anwendung eine Vielzahl unerwünschter Nebenwirkungen. Mutiert das HI Virus, also verändert es seine Form und sein Erscheinungsbild im menschlichen Körper, werden die Arzneimittel rasch komplett unwirksam. Medikamente zur HIV-Therapie belasten die Leber stark, da sie über die in der Leber vorkommenden Enzyme abgebaut werden. Betroffene sehen in den Arzneimitteln trotzdem eine Chance, die unheilbare Erkrankung mit tödlichem Verlauf nach Möglichkeit aufzuhalten.

NNRTI wirkt in vielen Fällen nicht mehr zuverlässig

Nun haben Forscher der WHO aber ermittelt, dass die Resistenzen gegen NNRTI in vielen Teilen der Welt bereits so ausgeprägt sind, dass diese Arzneimittel im Blick auf den Risiko-Nutzen-Vergleich nicht mehr eingesetzt werden sollten. Vor allem in Afrika, Asien und auch in großen Teilen Amerikas sind die Transkriptase Hemmer quasi wirkungslos geworden.

Grundlage ist der HIV Resistenzbericht der WHO aus dem Jahr 2019. In knapp 20 Ländern wurden weltweit Daten gesammelt, wobei die Wissenschaftler darauf geachtet haben, die breite Masse der Bevölkerung abzubilden. In den einzelnen, repräsentativen Studien wurden Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen erfasst. Es ist dokumentiert, wie viele HIV-Infizierte bereits zum Behandlungsbeginn eine Resistenz gegen die Arzneimittel aufwiesen. Lag dieser Wert bei der Auswertung der Daten bei 10 Prozent oder höher, wurde der Wirkstoff als unsicher eingestuft - dies war in 12 der insgesamt 18 Länder der Fall:

- Argentinien

- Guatemala

- Honduras

- Kuba

- Namibia

- Nepal

- Nicaragua

- Papua Neuguinea

- Simbabwe

- Südafrika

- Swasiland

- Uganda

An HIV erkrankte Frauen leiden mit 12 % häufiger an einer Resistenz gegen die Wirkstoffe der Medikamente, bei Männern liegt der Anteil bei 8 %. Sehr schlecht sieht die Lage bei Kindern in Afrika aus: Unter den im Untersuchungszeitraum an HIV neu erkrankten Kindern in afrikanischen Ländern lag die Zahl der Resistenz gegen NNRTI-Medikamente bei annähernd 50 %. Woher die zahlreichen Resistenzen kommen, kann derzeit nicht mit Sicherheit gesagt werden. Als alternative Therapie empfiehlt die WHO nun HIV-Integrasehemmer zu verabreichen. Bei dieser Wirkstoffkombination liegt die Resistenzbarriere derzeit sehr hoch, Erwachsene und Jugendliche können mit dieser Art Arzneimittel die Verbreitung des HI Virus im Körper aufhalten.

HIV bei Mäusen bereits heilbar

Mithilfe der sogenannten "Genschere" ist es bei Nagetieren im Labor nun erstmals gelungen, die HI Viren vollständig aus dem Organismus zu entfernen. Bei der Genschere werden Bakterien gezielt von Wissenschaftlern eingesetzt, um direkt in das Erbgut eingreifen zu können. Bei den HIV-infizierten Mäusen wurden zusätzliche Medikamente gegeben, so konnte in fast der Hälfte der Fälle (5 von 13 Mäusen) erreicht werden, dass eine vollständige Heilung herbeigeführt werden konnte. Weiterführende Informationen zu diesem Thema und aktuelle Publikationen zum Thema Gesundheit finden Sie hier.

Diese Ergebnisse aus dem Jahr 2019 geben HIV-Infizierten weltweit Hoffnung. Am Menschen ist diese Form der Behandlung bislang noch nicht getestet worden. Viele Menschen, die unter der Krankheit leiden, halten ihre HIV-Infektion geheim. Sie schämen sich und werden von großen Teilen der Gesellschaft diffamiert. Ein bekannter Fall aus der Celebrity-Szene ist "Conchita Wurst", der 2014 den Eurovision Song Contest für Österreich gewann. Ein Ex-Freund des Travestie-Künstlers zwang Thomas Neuwirth, wie Conchita Wurst mit bürgerlichem Namen heißt, laut Medienberichten dazu, seine HIV-Infektion öffentlich bekannt zu geben. Die Fans sind zwiegespalten, die meisten halten aber zu ihrem Idol und wünschen Tom das Beste für die Zukunft und vor allem ein langes, beschwerdefreies Leben.

Wer als HIV-Infizierter ungeschützten Geschlechtsverkehr mit mehreren Sexualpartnern betreibt, handelt grob fahrlässig und bringt die Sex-Partner in Lebensgefahr. Es ist nicht nur fair, sondern auch von der gesetzlichen Lage her vorgesehen, dass ein tödlich Erkrankter vor dem Sex über mögliche Risiken aufklärt. So bleibt dem Sexpartner die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob er das Risiko eingehen möchte. Unterbleibt diese vorherige Information, kann es zu einer Klage auf Schmerzensgeld kommen. Ein schwacher Trost für Menschen, die durch fahrlässiges Verhalten in eine ausweglose Situation gebracht worden sind.

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