Fragen & Antworten Telefonische Krankmeldung statt Arztbesuch: Das sollten Patienten beachten

Trier  · Während der Corona-Pandemie konnten sich Patienten telefonisch beim Arzt krankschreiben lassen. Nun soll die Regelung dauerhaft eingeführt werden, vielleicht sogar schon ab kommender Woche. Dabei sollen bestimmte Voraussetzungen gelten.

Symbolbild

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Foto: dpa-tmn/Karl-Josef Hildenbrand

Patientinnen und Patienten sollen sich unter bestimmten Voraussetzungen künftig wieder telefonisch von ihrer Arztpraxis krankschreiben lassen können. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken will am 7. Dezember über eine Änderung der entsprechenden Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie entscheiden, wie aus der Tagesordnung des Ausschusses hervorgeht. Im Bundesausschuss entscheiden Ärzte, Krankenkassen und Kliniken über die konkreten Leistungen im Gesundheitswesen.

Ist die neue Regelung wie zu Corona-Zeiten befristet?

Bereits während der Corona-Pandemie hatte es eine mehrfach verlängerte Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung gegeben. Sie war im April 2023 ausgelaufen. Mit dem geplanten Schritt wäre eine solche Regelung dann dauerhaft verankert. Der Ausschuss war im Sommer per Gesetz von der Koalition beauftragt worden, entsprechende Regelungen zur telefonischen Krankschreibung festzulegen, wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erläuterte.

Gilt die telefonische Meldung für alle Erkrankungen?

Die grundsätzliche neue Regelung werde für Patientinnen und Patienten greifen, die keine schweren Symptome haben, sagte die Ausschusssprecherin. Dies sei ein Unterschied zur Corona-Sonderregelung. Diese konnten nur Patientinnen und Patienten mit schweren Erkrankungen der oberen Atemwege nutzen. Die telefonische Krankschreibung soll Arztpraxen entlasten und die Infektionsgefahr in den Wartezimmern senken.

Wann soll die Regelung in Kraft treten?

Anders als sonst bei entsprechenden Richtlinien üblich sollen die Versicherten die Möglichkeit sofort nach Beschluss nutzen können, wie eine Sprecherin des Bundesausschusses am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte. Geplant sei „ein sogenanntes rückwirkendes Inkrafttreten“, also mit dem Beschlusstag, sagte sie. Formal muss das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss erst noch prüfen. Ausschussmitglied Monika Lelgemann sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, sollte der Bundesausschuss die Regelung annehmen, werde sie umgehend in Kraft treten. „Das heißt, ab dem 7. Dezember wird es möglich sein.“

Gilt die telefonische Krankmeldung für jede beliebige Arztpraxis?

Nein. Nach Angaben der Ausschusssprecherin müssten Patienten, die sich telefonisch krank melden wollen, „in der Arztpraxis bekannt“ sein, die sie kontaktieren.

Kann ich mich auch via Videosprechstunde krank melden?

„Jenseits der telefonischen Krankschreibung gibt es auch die Videosprechstunde, um den Gang in die Arztpraxis zu vermeiden, wenn man krank ist und die Erkrankung eine solche Videosprechstunde zulässt“, wie die Sprecherin des Bundesausschusses weiter erläuterte. Hier sei eine Krankschreibung bis zu sieben Tage bei Patientinnen und Patienten möglich, die in der Praxis bekannt seien - und bis zu drei Tage bei Patientinnen und Patienten, die in der Praxis nicht bekannt seien. Auch Folgekrankschreibungen können per Video demnach ausgestellt werden, wenn die vorherige Krankschreibung auf einer persönlichen Untersuchung basierte.

Kann ich mich mehrmals telefonisch krank melden?

Nein. Die Regelung sieht vor, dass der Weg über das Telefon in einem akuten Krankheitsfall nur einmalig möglich sein soll.

Wie läuft die Krankschreibung ab?

Schreibt eine Arztpraxis nach dem Gespräch mit dem betreffenden Patienten diesen krank, meldet sie bei gesetzlich Versicherten die Meldung digital direkt an die Krankenkassen, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband auf seiner Internetseite erklärt. Der Arbeitgeber ruft die ärztliche Krankschreibung bei den Kassen ab. Gesetzlich versicherte Patienten erhalten von der Arztpraxis nur einen Ausdruck für ihre Unterlagen. Privatversicherte und Beihilfeberechtigte erhalten hingegen weiterhin eine Bescheinigung in Papierform und müssen diese selbst an Krankenversicherung und Arbeitgeber weiterreichen.

Arbeitnehmer müssen unabhängig davon eine Arbeitsunfähigkeit unverzüglich dem Arbeitgeber mitteilen, hier sind die internen Vereinbarungen zu beachten. Je nach Vertragsbedingungen muss eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung spätestens ab dem vierten Tag vorgelegt werden.

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