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Die italienische Lässigkeit
Haute Couture oder Sprezzatura - ein Ausflug in die Geschichte der Modewelt

FOTO: Ahmad Ardity / pixabay.com@AhmadArdity
Die italienische Lässigkeit

Will man die italienische Mode verstehen, so muss man das Lebensgefühl, das "la dolce vita" kennen, welches im sonnigen Italien vorherrscht. Alles ist lässig, Anstrengung ist verpönt, ja wird sogar verachtet. Die jahrhundertealte Tradition, das süße Nichtstun, das "dolce far niente", ist tief in den Werken der italienischen Modehäusern verankert. In mehr als fünfhundert Jahren hat sich dieses sonnenverwöhnte Lebensgefühl immer wieder neu erfunden, Designer wie Roberto Cavalli oder Gianni Versace bringen die "sprezzatura", die italienische Lässigkeit, auf die Laufstege der Welt, in die Kleiderschränke der Fashionistas und lassen uns das mühelose Lebensgefühl auskosten. "Made in Italy" ist ein sehr individuelles Modeverständnis. Die italienische Modebranche begründet sich auf die Kreativität der einzelnen Designer, die Vorreiter sind, Visionäre und die Modewelt begeistern und bezaubern mit Kreationen wie den Anzügen von Armani, den leuchtenden Farben des Paradiesvogels Versace und den Lieblingsteilen der Stars von Dolce & Gabbana. Das "dolce vita" und und die "sprezzatura" lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Niemand kann sagen, dass italienische Designer anderen Regeln folgen als jenen, die ihnen ihre eigene Kreativität und ihr Mut Neues zu erfinden vorgeben.

Französische Mode am Puls der Zeit

In Frankreich setzte man seit jeher auf futuristische Visionen und beschreitet vor allem seit der Nachkriegszeit neue Wege. Diese Wege waren für das öffentliche Verständnis skandalös und dennoch zog die Haute Couture - also die noblen maßgeschneiderten Designerroben - oder die Prêt-à-porter-Mode - also Mode in Konfektionsgrößen - die Menschen in ihren Bann. Einer der großen Designer der Prêt-à-porter-Mode ist Daniel Hechter, der zudem hochwertige Sport- und Tennisbekleidung mit dem für ihn so typischen funktionellen Schick herstellt. Das Unternehmen rund um Christian Dior und die Modegrößen, die es hervorbrachte, ist dabei besonders im Hinblick auf die Haute Couture zu erwähnen. Die Kreateure rund um den New Look, der die entbehrungsreiche Nachkriegszeit beendete, schufen neue, tragbare und vor allem aufregende Mode für die Damenwelt. Die Wespentaille in Kombination mit weiten Röcken, die sorglos in den Pariser Nächten schwangen und die Beine der Mademoiselles umschmeichelten waren bezeichnend für den Umbruch in der französischen Modewelt. Dem gegenüber stand Coco Chanel, die mit ihrem "kleinen Schwarzen" noch einen Schritt weiter ging und komplett auf die betörende Weiblichkeit setzte und jeden Rest Naivität aus dem schicken Outfit der Dame von Welt strich.

Die französische Mode begeistert, revolutioniert und schockiert - üppig und luxuriös muss sie sein. Ein wichtiges Kriterium, welches sich bis heute gehalten hat. Denn obwohl die Kriegs- und Nachkriegszeit schon lange vorbei sind, ist man in französischen Modehäusern fasziniert von der üppigen Verschwendung, der puren Weiblichkeit und allem, was unkonventionell ist und die Modewelt revolutionieren kann.

Italien meets Frankreich - die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Mode

Stellt man die italienische Mode und die französische Mode einander gegenüber, so trifft man auf Gemeinsamkeiten, aber auch auf Unterschiede. Die italienische Mode lebt von ihrer ungezwungen Leichtigkeit, von einer Lässigkeit, wie sie nur den Menschen jenseits der Alpen zu eigen ist. Die Sonne küsst die Designer ebenso wie die Muse und schafft so eine unvergleichliche und individuelle Modewelt. Klare Regeln und Vorgaben gibt es keine, nur lässig muss das Ganze sein und elegant. Mühe ist den Italienern ebenso ein Fremdwort wie Sorgen oder Kummer. Das süße Leben mit all seiner Leichtigkeit wird seit Jahrhunderten in Italien gelebt wie nirgendwo sonst, das schlägt sich auch auf die Mode nieder. Es gibt eigentlich gar keinen typischen italienischen Stil in Sachen Designerkleidung, es gibt nur einen von der Leichtigkeit und von den vielen warmen Farben Italiens geprägten Stil. Auch in Frankreich setzt man nicht unbedingt auf konkrete Vorgaben, hier orientiert man sich jedoch an der Zukunft und die französische Mode ist heute noch geprägt von den Wirren der Weltkriege. Es scheint fast so, als wolle man nie wieder etwas entbehren müssen. Verschwenderisch und pompös trotzt man bis in die Gegenwart der einfachen und praktischen Bekleidung oder auch solch starren Vorschriften wie dem Korsett und der korrekten Rocklänge.

Die französische Mode lässt sich nichts vorschreiben, genauso wenig wie die italienische. Doch während man in Italien eher auf ein verbreitetes Lebensgefühl setzt, setzt man in Frankreich darauf, die Mode immer wieder neu zu erfinden.