| 15:50 Uhr

Gut zu wissen
Wie Luxus-Uhrmacher Millennials mit Customizing und ethischen Praktiken umwerben

FOTO: pixabay.com / EMMMMMiller
Die erste selbst gekaufte teure Uhr - man hat sie mit Stolz getragen, wissend, dass im Gehäuseboden das eigene Monogramm eingraviert war. Egal ob 500 andere Leute dieses Uhrenmodell auch hatten - sie war etwas persönliches. So wurde die Rolex "Paul Newman" Daytona zur teuersten Armbanduhr aller Zeiten, als sie im vergangenen Oktober für 17,8 Millionen US-Dollar versteigert wurde, obwohl das Daytona-Modell in großen Stückzahlen hergestellt wurde.

"Fahr vorsichtig" hieß es in der Gravur auf dem Gehäuseboden. Das hatte ihm seine Ehefrau Joanne Woodward mit auf den Weg gegeben, die ihm die Uhr schenkte.

Wie kommt der Luxus zu den Millennials?

In der heutigen Welt der Milliennials sind solche Gravuren nichts besonderes mehr, zumal sie weniger Geld haben als etwa die Baby-Boomer und so stehen Top-Uhrenmarken eher weniger in ihrem Konsumfokus. Luxusuhrenmarken müssen sich also in einem schrumpfenden Markt behaupten. Es ist nicht leicht, neue Follower anzuziehen, ohne die Zielgruppe zu sehr zu verwässern. Dennoch sorgten Milliennials laut einem Bericht von Bain und Co im Jahr 2017 für 85 Prozent des Wachstums im Luxuseinzelhandel. Es geht also allein um die Frage, wie man sie erreichen kann.

Einige Marken beantworten diese Frage, indem sie erschwinglichere Einstiegsmodelle einführen, bei denen maßgeschneiderte Anpassungen möglich sind und die Uhren so auf die Bedürfnisse der Millennials angepasst werden können. Der Hersteller Baume könnte der erste sein, der einen solchen Versuch unternimmt. Die Marke wurde im Mai dieses Jahres unter der Richemont-Luxusgruppe - einer Ausgliederung der Schweizer Muttermarke Baume et Mercier - ins Leben gerufen.

Uhren für ein gutes Gewissen

Baumes Uhren sind nicht nur unisex, sondern auch ethisch. Es werden keine tierischen Produkte wie Leder oder Edelsteine verwendet - die Nachhaltigkeit soll neue Kunden ansprechen. Die Riemen bestehen aus Kork, Baumwolle, Alcantara und PET. Recyceltes Aluminium ersetzt Gold und Platin. Die Wörter "Upcycled Timepiece" sind auf dem Zifferblatt der Baume Iconic 41mm zu lesen statt dem Text "Swiss Made", der auf den Modellen der Muttermarke (Baume-Uhren) abgebildet ist.

Man kann viele Uhren jetzt sicher online kaufen - ein Klick genügt und sie landen im Warenkorb. Bei Baums Custom-Serie ist das anders: Ein Online-3D-Konfigurator bietet die Wahl zwischen 2.160 "ästhetischen Optionen". Doch die Innovationen gehen noch weiter. Baume unterstützt die Projekte “Waste Free Oceans” (Umwelt), “Les Maîtres de Mon Moulin” (nachhaltige Lebensmittel) und “Central Saint Martins” (Modepädagogik) mit zwei Prozent des Umsatzes.

Nicht der Weisheit letzter Schluss

Trotz aller Bemühungen um neue Kunden: Begeisterte Uhrensammler hat Baume damit nicht beeindruckt. Solarbetriebene Modelle von Citizen, Junghans und Seiko waren schon vor der Geburt der Millennials nachhaltig. Und wie will Baume mit der Verwendung von Quarzwerken den Planeten retten? Warum nicht ein Omega oder Tissot mit einem COSC-zertifizierten Automatikgetriebe für den Preis der Baume Iconic?

Am Ende des Tages geht es dann doch um den Umsatz - soziale Interessen scheinen Mittel zum Zweck. Man will die Millennials von Wearables, Modeuhren und Marken wie Daniel Wellington und Fossil entwöhnen. Wenn nur sich nur Bruchteil dieses riesigen Influencer-Marktes von personalisierbaren Uhren aus natürlichen Produkten überzeugen ließe, wäre das ein Anfang. Baume sieht es aber auch als Pilotprojekt zur Beantwortung der existenziellen Frage aller Uhrmacher: Wie kann man hochwertige maßgefertigte Uhren zu geringen Kosten ohne Skaleneffekte herstellen? Es bleibt abzuwarten, ob die Millennials die Antwort liefern.