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Alles im Fluss: Herbert Schneider aus Metterich in der Eifel engagiert sich seit Jahrzehnten für Gewässer

Er liebt die Natur und besonders das Kylltal: Herbert Schneider ist begeisterter Fliegenfischer.
Er liebt die Natur und besonders das Kylltal: Herbert Schneider ist begeisterter Fliegenfischer. FOTO: Bettina Bartzen
Metterich. Nicht nur Anglern verschafft er Einblicke in die Gewässer seiner Eifeler Heimat: Der ehemalige Strafvollzugsbedienstete Herbert Schneider bringt seit langem als Bachpate vor allem jungen %Menschen das Thema Umweltschutz näher. Vladi Nowakowski

Es gibt kaum jemanden, der so viel über die Bäche und Flüsse der Region, über die Wasserqualität und die Fischbestände in der Eifel weiß wie Herbert Schneider. Er ist seit mehr als 20 Jahren Bachpate für einen Zulauf der Kyll (siehe Extra unten). "Wir haben viel erreicht", sagt der 62-Jährige, "aber die Arbeit endet nie." Ein großes, immer aktuelles Problem sei die Intensivlandwirtschaft, die natürliche Lebensräume verdränge: "Die Ackerflächen reichen oft bis ans Wasser - auf ehemaligen Uferwiesen wird Mais8anbau betrieben." Diese Monokulturen und deren Düngung haben laut Schneider gewaltige negative Auswirkungen auf die Fließgewässer und das Grundwasser.

Die Liste der Umwelt8sünden ist lang, und der Fischereiberater macht sich Sorgen um neuartige chemische Verbindungen, die auf vielen Wegen in die Natur gelangen: "Da wissen wir noch gar nicht, ob die überhaupt mit unserem Wasser in Berührung kommen dürfen", sagt er. Kläranlagen seien mit der Zeit zwar effizienter geworden, aber sie eliminieren in der Regel nur organische Belastungen. "Keine Kläranlage bringt Trinkwasser hervor", erklärt Schneider.

Die Einschätzung, das Wasser im System der Kyll sei sauber, weil es einen Fischbestand gebe, sei grundsätzlich falsch: "Zum Einen richtet sich der Maßstab der Qualität nach dem Anteil des wirbellosen Lebens in Fließgewässern, dem sogenannten Saprobienindex." Je mehr Saprobien vorkommen, zu denen Bachflohkrebse, Insektenlarven und andere Kleinstlebewesen zählen, desto besser sei das Wasser.

"Zum anderen sind die Fische in der Kyll Nachzuchten, die ausgesetzt werden." Die heimische Bachforelle finde kaum noch Lebensraum mit optimalen Bedingungen für ihre Fortpflanzung, sagt Schneider. Ein Glas Wasser aus der Kyll zu trinken, empfiehlt der Bachpate nicht: "Nur wenn Sie einen sehr stabilen Magen haben - an vielen Gewässern wie der Kyll enden Rohre. Meist ist nicht bekannt, woher sie kommen und was sie ableiten." Oft seien die hier eingeleiteten Stoffe illegal. "Die Gesetze sind ausreichend, doch Strafen sind schwer durchzusetzen. Kaum jemand wird bei der Ausübung der Tat erwischt", sagt der Gewässermann.

Das Engagement des ehemaligen Strafvollzugs8beamten, der als Fischereiberater auch in Gewässeralarmpläne des Eifelkreises eingebunden ist, endet nicht mit seiner Bachpatenschaft. Er ist Vorsitzender des Fischereiprüfungsausschusses und seit 2009 Mitglied der Community of Practice. Zum Projekt "Verbesserung der Habitatqualität in Fließgewässern" hat Schneider mit einer Feldstudie Kyll beigetragen. Neuen Bachpaten und Anglern verschafft Herbert Schneider Einblicke in die biologischen und chemischen Abläufe in den Eifelgewässern. Als Strafvollzugsbediensteter in Wittlich übernahm er zusammen mit einer Gruppe von Inhaftierten die Bachpatenschaft über den Rommelsbach. Viele von ihnen bereitete er auf die Fischereiprüfung vor: "Damit sie später eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung finden", sagt der 62-Jährige. Noch viel später erhielt er Dankesbriefe seiner ehemaligen Schützlinge.
Die Prognose Schneiders, der für seine vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben im Gewässerschutz eine sehr bescheidene Aufwandsentschädigung vom Land erhält, zur Zukunft der Bäche und Flüsse der Eifel fällt nicht nur negativ aus: "Meine bisherige Arbeit möchte ich nicht als Abfolge von Niederlagen verstanden wissen - es gibt auch Fortschritte." Ein Beispiel dafür sei der Umbau von Wehren an der Kyll, um Fische hier passieren zu lassen. "Ich habe schon als Kind meine Onkel begleitet, die Moselfischer waren, und war vom Fluss fasziniert. Damals gab es keine großen Kläranlagen und oft genug Belastungen des Wassers, weil jegliches Abwasser unfiltriert in die Mosel abgeleitet wurde." Das Bewusstsein für einen besseren Umgang mit der eigenen Umwelt sei erst später gewachsen. Doch Herbert Schneider ist der Meinung, es lasse wieder nach. "Vor zehn oder 15 Jahren war die Akzeptanz für den Gewässerschutz größer", sagt er. "Es gab und gibt sicherlich Erfolge, aber die Zeiger stehen nach wie vor nicht im grünen Bereich."

Vor allem vermisst Schneider das Engagement junger Menschen, von denen sich viel zu wenige für die Umwelt einsetzten. "Ich würde gerne meine Arbeit mittelfristig in jüngere Hände weitergeben", sagt er.

Zur Person
Herbert Schneider (62) aus Metterich im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist seit 1989 Bachpate des Daufenbachs, eines Zulaufs der Kyll. Mehrmals wurde er für seinen Einsatz ausgezeichnet: 1994 erhielt er den Umweltpreis der Verbandsgemeinde Bitburg-Land, 1996 folgte in Mainz die Ehrung als Umweltpreisträger im Bereich Gewässerschutz. Seit 1995 ist Herbert Schneider Fischereiberater im Eifelkreis, und 2011 wurde ihm die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.