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Die ersten Schritte zum Beruf - In Bewerbertrainings üben Schüler die Realität

Die ersten Schritte zum Beruf - In Bewerbertrainings üben Schüler die Realität

Schüler sind oft unsicher, wenn es um die Berufswahl, die Bewerbungsmappen und um das Auftreten in Bewerbungsgesprächen geht: In Kursen und Trainings mit erfahrenen Unternehmern üben sie den Ernstfall.

"Warum interessieren Sie sich für den Beruf eines Immobilienkaufmanns?" Johannes Kiefer, Vorsitzender des Kreises Junger Unternehmer Trier (KJU), schaut den 17-jährigen Tim an, der ihm gegenüber sitzt. Mit leichter Nervosität antwortet der Schüler. Es handelt sich allerdings nicht um ein reales Bewerbungsgespräch. Sechs junge Unternehmer und Mitglieder des KJU sind an diesem Tag in die Berufsbildende Schule Bernkastel-Kues gekommen, um mit Schülern zu üben und ihnen beim Berufsstart zu helfen.
Konkrete Tipps für jeden Bewerber
Was sind Ihre Stärken, was Ihre Schwächen? Was wissen Sie über unsere Firma, wie fit sind Sie bei Computerprogrammen? Kiefer, Immobilienbetriebswirt und Geschäftsführer der Werner Kiefer GmbH in Thalfang, stellt jedes Jahr einen Auszubildenden ein. Er gibt den vier Schülern, die sich bei ihm "bewerben", Feedback. Kritik gibt es bei jedem der Kandidaten. Hier ist es die Bewerbung im Schnellhefter, dort sind es widersprüchliche Angaben im Anschreiben und im Lebenslauf. "Du musst dringend an deiner Persönlichkeit arbeiten", gibt Kiefer einem Schüler mit auf den Weg.

Seine KJU-Kollegin, Jutta Braun von der Peter Mertes KG aus Bernkastel-Kues, hat ihre Vorstellungsgespräche zum Teil in Englisch geführt, denn bei einer Bewerbung als Außenhandelskaufmann sind Fremdsprachenkenntnisse wichtig.
"Wir möchten unseren Schülern eine Starthilfe ins Berufsleben geben", sagt Karlheinz Franzen von der Berufsbildenden Schule Bernkastel-Kues. Die Gespräche bedeuteten für die Schüler praxisbezogenes Training und der erste Kontakt zu einem Unternehmer. Die Erfahrungen sollen ihnen später im Ernstfall zugutekommen, sagt Franzen.

Einige Profis engagieren sich wie der KJU regelmäßig an Schulen. Ebenso natürlich Kammern und Verbände: Die Industrie- und Handelskammer Trier (IHK) übt mehrere Tage mit den Schülern, Bewerbungen zu schreiben. Weg mit Floskeln, rät Alexandra Lossjew von der IHK. "Individuell müssen die Bewerbungen sein und sollen Auskunft geben, warum der Beruf zu dem Interessenten passt", sagt sie. "Wenn jemand schreibt, dass er teamfähig ist, soll er das auch belegen können." Dazu eignet sich als Beispiel die Spielführerrolle in einem Fußballteam. Auch absolvierte Praktika gehörten in die Bewerbung. Lossjew versteht ihre Trainings als Ergänzung zu den Grundlagen, die in der Schule vermittelt werden. "Wenn wir unser Training beendet haben, und alle Bewerbungen sehen durch ihre Individualität anders aus, haben wir unser Ziel erreicht", sagt sie.
Petra Kollmann von der Handwerkskammer Trier bemängelt ebenfalls die häufig nichtssagenden Anschreiben ohne Bezug zum Unternehmen. Als weitere Fehler nennt sie Rechtschreibfehler oder zerfledderte Lebensläufe. "Für einen Handwerksbetreib muss eine Bewerbung zwar nicht topgestylt, aber sauber, vollständig und aussagekräftig sein", sagt Kollmann.

Thorsten Schmitt von Palais e.V. in Trier macht auch oft Bewerbertrainings an Schulen. Er setzt bei der Persönlichkeit der jungen Menschen an und hilft ihnen bei Orientierung und Selbstwahrnehmung. Was für die Freundin der perfekte Beruf sei, sei es noch lange nicht für einen selbst.
Viele Schüler schreckten vor Bewerbungen zurück, weil sie sich in der Erwachsenenwelt unsicher fühlten. Deshalb gingen sie weiter zur Schule, obwohl vielleicht eine Ausbildung der bessere Weg wäre, sagt Schmitt. Die Bewerbungsunterlagen seien kein unüberwindliches Hindernis. "Die Betriebe wollen nichts Perfektes, aber etwas Greifbares. Wichtig ist die Antwort auf die Frage: ,Warum will der Bewerber diesen Beruf ergreifen?"

Extra

Johannes Kiefer vom Kreis Junger Unternehmer Trier nennt drei Punkte, die Bewerber bereits im Anschreiben beachten sollten: 1. Warum entscheide ich mich für den Beruf? 2. Warum will ich den Beruf bei diesem Unternehmen lernen? 3. Warum bin gerade ich der Richtige für diesen Ausbildungsplatz?