Die Zeit arbeitet für die Natur

1970 wurde in Bayern der erste Nationalpark Deutschlands eröffnet, 2014 der bislang letzte im Schwarzwald. Insgesamt decken die Schutzgebiete circa 0,6 Prozent des gesamten Bundesgebiets ab - und sorgen für einen Umsatz in Milliardenhöhe.

 Der flächengrößte Nationalpark Deutschlands ist das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer mit 441 500 Hektar. Foto: dpa

Der flächengrößte Nationalpark Deutschlands ist das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer mit 441 500 Hektar. Foto: dpa

Mehr als 50 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr die bisher 15 deutschen Nationalparke. Sie tragen damit zu einem Bruttoumsatz von etwa 2,1 Milliarden Euro bei. Das zumindest geht aus einer Studie von 2009 hervor, auf die sich auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium beruft.
Doch auch wenn auf 42 Prozent der Fläche von Rheinland-Pfalz Bäume stehen und das Gebiet damit prozentual gesehen das waldreichste Bundesland Deutschlands ist, wird der neue Nationalpark Hunsrück-Hochwald eher in der unteren Liga mitmischen. Zumindest was die Gesamtgröße betrifft. Denn mit seinen 10 120 Hektar, von denen 920 Hektar im nörd lichen Saarland liegen, landet er lediglich auf Rang elf der dann 16 nationalen Schutzgebiete. Weit abgeschlagen hinter den Nationalparken Harz (24 732 Hektar), Bayerischer Wald (24 217) oder Berchtesgaden (20 804) und zig Quadratmeilen entfernt von den Schutzgebieten Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (441 500 Hektar) und Nieder sächsisches Wattenmeer (345 000). Dabei muss fairer weise erwähnt werden, dass die beiden Wattenmeer-Reservate aus bis zu 97 Prozent Wasserfläche bestehen, so dass dieser Vergleich ein wenig hinkt.
Zieht man also bei den fünf Nationalparken an Nord- und Ostsee die Wasserfläche ab, so schafft es der Park Hunsrück-Hochwald immerhin auf Platz neun. Insgesamt decken die derzeit 15 Nationalparke knapp 1,04 Millionen Hektar ab. Ohne die Nord- und Ostseeflächen sind es noch 204 424 Hektar und damit ungefähr 0,57 Prozent des Bundes gebiets.
Laut Bundesnaturschutzgesetz gelten für Nationalparke drei wesentliche Vor aussetzungen: Sie müssen großräumig, weitgehend unzerteilt und von besonderer Eigenart sein. Sie müssen zum überwiegenden Teil die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen. Und es müssen Gebiete sein, in denen ein "möglichst ungestörter Ablauf der Naturprozesse in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet" ist. Um darüber hinaus die internationalen Richtlinien der IUNC (International Union for Conservation of Nature) zu erfüllen, müssen mindestens 75 Prozent der Fläche einem weitgehend naturnahen Zustand entsprechen. Und um dieses Ideal zu erreichen, haben die verantwortlichen in der Regel einen langen Weg vor sich.
Denn im Gegensatz zum Nationalpark Bayerischer Wald, der bereits 1970 gegründet wurde und damit bundesweit der älteste ist, sind die meisten der übrigen Schutzgebiete noch gar keine richtigen, sondern laut Bundesamt für Naturschutz bislang lediglich so genannte "Entwicklungs-Nationalparke". Das heißt, dass sie erst in Teilen die Kriterien für eine großflächige, ungestörte Naturentwicklung erfüllen. Durch ein gezieltes Management wird in diesen Parken darauf hingearbeitet, in einem Zeitraum von 20 bis 30 Jahren die eigentlichen Vor aussetzungen zu erfüllen. Selbst wenn also 2015 der Nationalpark Hunsrück-Hochwald offiziell kommt, dauert es noch fast bis zur Mitte des Jahrhunderts, bis das eigentliche Ziel erreicht ist. uhe

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