Ein großes Land mit Potenzial

Das bevölkerungsreiche China ist durch sein wirtschaftliches Wachstum für deutsche Firmen ein interessanter Absatzmarkt. In den vergangenen Jahren hat sich das Reich der Mitte zum fünftgrößten Exportmarkt für Deutschland entwickelt.

China ist eine der größten Handelsnationen der Welt. Alle mög lichen Produkte wie Spielwaren, Dekorations artikel, Brillen und Photo voltaik anlagen werden im Reich der Mitte produziert und in die EU und damit auch nach Deutschland geliefert. Doch das riesige Land mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern liefert nicht nur Waren. Es bietet gerade durch seine stark expandierende Wirtschaft auch Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Viele Firmen haben dieses Marktpotenzial bereits erkannt. 2012 sind Waren für 66,6 Milliarden Euro aus Deutschland nach China geliefert worden. 2010 betrug die Summe deutscher Exporte nach China noch 53,8 Milliarden Euro - eine Steigerung von 23,8 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Zum Vergleich: Sowohl 2010 als auch 2012 lieferte China Produkte im Wert von 77,3 Milliarden Euro nach Deutschland. Fünftgrößter Markt für deutsche Firmen

Auch rheinland-pfälzische Firmen haben ihre Exporte nach China gesteigert. 2011 hatten diese einen Wert von 1,791 Milliarden Euro (plus 26,4 Prozent gegenüber 2010). 2012 betrug der Wert 1,844 Milliarden (plus drei Prozent). Damit sind vier Prozent aller Exporte von Betrieben in Rheinland-Pfalz ins Reich der Mitte geliefert wordenChina ist 2012 nach Frankreich, den USA, Großbritannien und den Niederlanden der fünftgrößte Exportmarkt gewesen, den deutsche Hersteller beliefern, für rheinland-pfälzische Firmen der achtgrößte. 2004 hatte China noch den zwölften Rang bei den deutschen Exporten eingenommen. Aus der Studie Going International 2013/2014, einer bundesweiten Auswertung von Umfragen der Indus-trie- und Handelskammern (IHK) unter 2200 auslandsaktiven Unternehmen, geht hervor, dass diese sich in Südostasien gute Geschäfte versprechen. Die Staaten der Region wie Südkorea und China bieten demnach weiterhin enormes Wachstumspotenzial. Gerade die chemische Industrie und der Fahrzeugbau sehen hier für sich gute Absatzchancen. In China stehe die Liberalisierung der staatlich geprägten Wirtschaft an sowie eine vermehrte Ausrichtung auf den Konsum, heißt es bei Going International.In der auf unser Bundesland bezogenen Going- International-Umfrage der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz 2012/2013 (die für 2013/2014 liegt noch nicht vor) meldeten die hiesigen Unternehmen die mit Abstand beste Geschäftslage bei Exporten nach China. 53,5 Prozent der Betriebe bewerteten die Lage positiv, 25,6 Prozent befriedigend und 20,9 Prozent schlecht. Das ergibt insgesamt ein Plus von 32,6 Punkten. Zum Vergleich: Die Geschäftslage in den USA bewerteten die Unternehmen in der Summe mit plus 8,0, in der Russischen Föderation mit minus 7,8 und in Großbritannien gar mit minus 19,3. Bei der 2012 gestellten Frage, wie die Unternehmen die Geschäfte für 2013 einschätzten, war China mit 43,9 Prozent erneut Spitzenreiter. Das wachsende Geschäft regionaler Firmen mit dem Land der Mitte registriert auch die Industrie- und Handelskammer Trier: Im vergangenen Jahr hat die Kammer 1415 Außenhandels dokumente für Geschäfte mit China ausgestellt - 200 mehr als im Vorjahr. Das bedeutet im Ranking der ausgestellten Papiere Platz drei nach Belegen für die USA und Saudi-Arabien. Bruttosozialprodukt soll sich verdoppeln

Die Aussichten für Geschäfte in China bergen weiterhin Chancen. Denn laut Germany Trade & Invest (GTAI), einer Gesellschaft zur Außenwirtschaftsförderung Deutschlands, will die chinesische Regierung basierend auf den Zahlen von 2010 sowohl das Bruttosozialprodukt (BIP) als auch das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung bis 2020 verdoppeln. Letzteres lag 2012 in Städten bei 3017 Euro, auf dem Land bei 972 Euro. Zwar wird die Entwicklung schwieriger werden als bisher - 2011 wuchs das BIP noch um 9,3 Prozent, 2012 nur noch um 7,8 Prozent. Kurz- und mittelfristig soll dies allerdings wieder auf mehr als acht Prozent steigen. "Trotz der explodierenden Kosten schärferer Umweltauflagen und wegfallender Steuervorteile in den Küstenregionen bleibt das Land für Auslandsinvestitionen ein attraktives Ziel", sagt GTAI. 2012 seien die Investitionen aus Deutschland um 29,5 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar gestiegen. Ein erklärtes Ziel der chinesischen Regierung ist mehr privater Konsum, heißt es bei GTAI. 2012 verzeichnete der Einzelhandel demnach ein Plus von 14,3 Prozent, im ersten Quartal 2013 um 12,3 Prozent. Trotz der leichten Rückgänge sei das Land in einem Bereich angekommen, in dem Ökonomen eine überproportional steigende private Kaufkraft sehen. Durch höhere Qualitätsansprüche profitieren auch deutsche Anbieter von diesem interessanten Absatzmarkt. Allerdings reiche "Made in Germany nicht aus" - das Angebot müsse zum spezifischen Bedarf passen. Das Konsumverhalten der Bevölkerung ändere sich auch in China, jüngere Menschen kauften zunehmend übers Internet. Allerdings ist bei Going International auch von Pro blemen im China-Geschäft die Rede. 31,6 Prozent der befragten Firmen führen das Reich der Mitte als ein Land an, bei dem Unternehmen teilweise "kreativ" auf Barrieren treffen. Genannte Beispiele für Diskriminierung und Benachteiligung sind Importsteuern, Ko operationszwang, schleppende Bürokratie und ein erschwerter Zugang zu Ausschreibungen. Zudem gebe es in China bei Investitionen in bestimmten Bereichen wie der Automobilbranche noch immer den Zwang zum Technologietransfer. Die nach den USA zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt bleibt der Hoffnungsträger der globalen Konjunktur, auch wenn nach Ansicht von Experten die Zeichen auf Abschwung stehen. Der chinesische Finanzsektor treibt Ökonomen Sorgenfalten auf die Stirn. Faule Kredite, strauchelnde Investmentfonds und Turbulenzen am Geldmarkt - nach Jahren des Booms müsse das Land vorsichtig die Luft aus der Kreditblase lassen. "China wandelt auf dem Kredit-Drahtseil", sagt etwa Ashley Davies (Commerzbank). Die Angst vor dem Absturz wächst.Nun will Peking die Zügel stramm ziehen: Die Zentralbank von China hat vergangene Woche bereits auf den jüngsten Kreditboom reagiert und die Banken auf Geld entzug gesetzt. Die Notenbank kassierte 48 Milliarden Yuan (knapp 5,8 Milliarden Euro) aus dem Geldmarkt ein, wie Händler übereinstimmend berichteten. Dazu gab die Notenbank Anleihen an Banken heraus und erhielt im Gegenzug Geld von den Instituten. Auf diese Weise verringert sich die Geldmenge. Christoph Strouvelle/dpa ZAHLEN

Extra

Den Löwenanteil an den Exporten ins Reich der Mitte haben laut einer Statistik von Germany Trade & Invest (GTAI), einer Gesellschaft zur Förderung von Deutschlands Außenwirtschaft, die Kraftfahrzeugbranche mit 28,3 Prozent und der Maschinenbau mit 27,1 Prozent. Die Anteile weiterer Wirtschaftszweige: Elektrotechnik: 8,9 Prozent, Chemie: 8,8 Prozent, Mess- und Regeltechnik: 5,6 Prozent, Elektronik: 2,6 Prozent. Alle weiteren Branchen kommen laut GTAI auf insgesamt 18,7 Prozent. Steigerungen im Jahresvergleich 2012 zu 2011 verzeichneten: Nahrungsmittel (plus 22,5 Prozent) Arzneien (plus 23,1 Prozent) elektrische Maschinen (plus 7,1 Prozent) und Kraftfahrzeuge (plus acht Prozent). cst