Eine Fachfrau mit "Weinfieber"

Kröv · Bei mehr als 150 Terminen wird die Studentin Kathrin Schnitzius (22) während ihrer Amtszeit als Moselwein königin, die noch bis zum Herbst dauert, das Gesicht des Anbaugebiets sein.

 Foto: Moselwein e.V.

Foto: Moselwein e.V.

Kröv. Es klingt klischeehaft: Schon als kleines Mädchen habe sie davon geträumt, selbst Weinkönigin zu sein, erinnert sich Kathrin Schnitzius. Wenn sie als Mitglied der Kindertanzgruppe Kröv (Kreis Bernkastel-Wittlich) einen Auftritt mit einer Weinkönigin hatte, faszinierten sie die tollen Kleider und die funkelnde Krone. Nach und nach habe sie begriffen, dass mehr dahinter steckt. Hinter dem Produkt Wein und hinter dem Amt der Weinkönigin. Der Traum blieb - und wurde Wirklichkeit: Erst in ihrem Heimatort Kröv, und seit 2013 repräsentiert die 22-Jährige als Moselwein königin das Anbaugebiet.Mehr als lachen, winken und gut aussehen


Zwischen 150 und 200 Terminen werde sie bis zum Ende ihrer Amtszeit im Herbst wahrgenommen haben, schätzt Kathrin Schnitzius. Natürlich das, was man sich landläufig vorstellt: Weinfeste eröffnen, Ortsweinköniginnen krönen, bei Winzerumzügen vom Festwagen winken. "Das Bild vom hübschen Mädchen, das im wallenden Prinzessinnenkleid nur fürs Lachen, Winken und Gutaussehen zuständig ist, gehört der Vergangenheit an", stellt Schnitzius aber entschieden klar. Sie gibt Interviews, hält und kommentiert Weinproben, ist bei Wein- und anderen Messen - wie zuletzt der 45. Inter nationalen Bootsausstellung Düsseldorf - und im Ausland unterwegs. Im Mai reist Schnitzius beispielsweise nach Japan. Sie ist für ein Jahr das Gesicht der Mosel. Außer Wein stellt sie Land und Leute, Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten vor. Ziel dabei: Kunden für die Moselwinzer und Urlaubsgäste für die Region zu gewinnen.
Das A und O dabei ist ein gutes Fachwissen über den Wein und ein Überblick über die Region zwischen luxemburgischer Grenze und Deutschem Eck. "Mir hilft natürlich sehr, dass ich aus einem Weingut stamme und damit groß geworden bin", sagt Schnitzius. Längst ist es nicht mehr notwendig, aber meist Realität, dass Wein königinnen aus Winzerfamilien stammen. Wichtige Vor aussetzungen sind Kontaktfreudigkeit, ein sicheres Auftreten - gerade vor vielen Menschen -, Redegewandtheit und Schlagfertigkeit.
Als Kröver Ortsweinprinzessin und -königin habe sie schon Erfahrungen gesammelt, erzählt Schnitzius. "Es gibt auch spezielle Kurse für Weinköniginnen." Themen: Wie baue ich eine Rede auf? Wie halte ich eine Wein probe? "Aber das meiste lernt man im Amt selbst. Jede Veranstaltung ist eine neue Erfahrung. Mit jeder neuen Aufgabe lernt man dazu, und jeder Termin ist anders. Manchmal ist ein- fach Spontaneität gefragt." Kathrin Schnitzius\' beruf licher Weg führt auch zum Wein. "Ich denke über eine Weiterführung unseres Familienweinguts nach", sagt sie. "Die Wahrscheinlichkeit ist groß." Natürlich profitiere der elterliche Betrieb von der Aufmerksamkeit für ihre Person, weiß Schnitzius. Doch ihr Weinbau- und Oenologie-Studium werde vermutlich ein oder zwei Semester länger dauern. "Ein Jahr lang steht für mich das Amt an erster Stelle, und danach kann ich in anderen Bereichen wieder Vollgas geben", setzt sie ihre Prioritäten. Die Erfahrungen, die sie als Weinkönigin machen werde, wiegen das längere Studium auf, glaubt sie: "Ich bin mir sicher, dass viele Kontakte über die Amtszeit hinaus bestehen bleiben und auch für die Zukunft hilfreich und wichtig sind."Ein Ehrenamt mit Dienstwagen


Um die direkte Vor- und Nachbereitung ihrer Termine kümmert sich Kathrin Schnitzius selbst. "Eine Weinkommentation will gut vorbereitet sein, das Grußwort sollte zum Anlass passen", sagt Schnitzius. Unvorbereitet irgendwo hinfahren? Ein Unding. Ihr Büro ist beim Moselwein e.V. angesiedelt, der auch die alljährliche Wahl der Weinkönigin organisiert. "Ich habe eine Ansprechpartnerin, die die Termine annimmt, mit mir abstimmt und mit den Veranstaltern in Verbindung steht. Sie koordiniert meine Reisen, bucht Hotel oder Flüge", erzählt Schnitzius. Alle ihre Aufgaben erfülle sie ehrenamtlich. Sie habe ein Cabrio als Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekommen und erhalte eine Aufwandsentschädigung.
Es ist nicht Geld, das Kathrin Schnitzius antreibt, sondern die Leidenschaft für den Wein. Wenn sie über die Vielfalt und Einzigartigkeit des Produkts spricht, über die Arbeit des Winzers, der Landwirt, Kellermeister, Kaufmann und Marketingfachmann sein müsse, glänzen ihre Augen. "Weinfieber" nennt sie die Leidenschaft, mit der sie auch andere Menschen infizieren möchte.