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Von Export-Champions und Marken mit Heimvorteil mit Heimvorteil

Von Export-Champions und Marken mit Heimvorteil mit Heimvorteil

Die Mineraqlwasser-Hersteller der Region sprechen in Macher, Menschen + Märkte über ihre Produktion und unternehmerischen Konzepte.

Schwollen. Breit aufgestellt ist in dritter Generation der Schwollener Sprudelbetrieb der Familie Frühauf. Der Hersteller im Naturpark Saar-Hunsrück verkauft jährlich rund 100 Millionen Flaschen Mineralwasser sowie Erfrischungs-, Energy- und Biogetränke. Der Absatzmarkt liegt im Umkreis von bis zu 150 Kilometern rund um den Standort Schwollen bis hinein ins Saarland und nach Hessen. Geschäftsführer Hans-Walter Frühauf vertritt eine wertekonservative Haltung, was Ökologie angeht: Er ist Mitglied der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück und überzeugt, dass Ressourcenschutz mit der Selbstbeschränkung auf den regionalen Markt und die Stärkung der Wertschöpfung innerhalb dieses Radius anfängt. Weitaus der größte Teil des Schwollener Sprudel-Sortiments wird per Mehrwegsystem vermarktet.

Ansonsten ist Frühauf durchaus offen für Neuerungen: Unter dem Label Sinnesreigen integrierte er Mineralwassergetränke im PET-Gebinde mit den Aromen Kirsche-Jasmin und Walderdbeere-Pfeffer in sein Portfolio. "Doch derartige Kreationen sind von der Pfandpflichtigkeit regelrecht abgewürgt worden", bedauert er. Das Ziel seien möglichst langfristige Produktzyklen, denn die Investitionen in die jeweiligen Produktionsanlagen müssen sich lohnen. Die Kern marken von Schwollener bleiben daher unverändert, während die Nachfrage nach immer neuen Geschmacksrichtungen vor allem bei Trend getränken wie Energy-Drinks groß sei.

Mit den Linien Weisensteiner, die natriumarm ist, und Keltenquelle spricht Schwollener auch eine Klientel an, die Frühauf "preisbewusst" nennt. "Auch wenn wir damit eine gewisse Konkurrenz zu den anderen eigenen Produkten haben, müssen wir dieses Segment abdecken. Es ist unsere Antwort an die Discounter, die allerdings über die normalen Supermarktkanäle verkauft wird."

Die nationale Marke



Luxemburg/Rosport. In Rosport an der Sauer befindet sich Luxemburgs Mineralwasser-Champion: Die Quellen nahe dem Flussufer wurden ab 1955 von der Brauereifamilie Bofferding erschlossen, die ihr Geschäftsfeld erweitern wollte. Seitdem ist Rosport im Großherzogtum traditionell die einzige nationale Mineralwassermarke, die wenig Konkurrenz durch deutsche oder französische Mitwettbewerber erfährt. "Das Argument, dass es sich um unsere heimische Mineralwassermarke handelt, zieht", erläutert Direktor Max Weber. Auch die Preisgestaltung werde akzeptiert. "Die Verbraucher hierzulande achten zwar auf den Preis, aber Dumping gerade im Lebensmittelsektor findet nicht statt."

Anders als die deutschen Hersteller konzentriert sich Sources Rosport S.A. vollkommen auf Wasser und entwickelt keine Ambitionen, mit Limonaden oder anderen Mischprodukten auf den Markt zu gehen. Weber begründet dies mit den Konsumvorlieben im Land: "Wir beliefern keine Abnehmer im Ausland, sondern Rosport ist nur in Luxemburg zu haben. Das liegt auch an der natürlich begrenzten Kapazität unserer Quellen. Wir kennen das Verbraucherverhalten in unserem Heimatmarkt sehr genau: Bei uns ist die frankophone Kultur vorherrschend - da wird vor allem stilles Wasser getrunken." Nicht nur die Einheimischen teilen diese Gewohnheit, sondern auch die belgischen und französischen Pendler, die in Luxemburg einkaufen. Von zehn in den Handel gebrachten Flaschen beinhalten acht stilles Wasser. In der Gastronomie, die darüber hinaus ein sehr starkes Segment für Rosport ist, sei das Verhältnis hingegen umgekehrt.

So ist die Produktpalette von Rosport übersichtlich: Die Kernmarke in grünen Flaschen bietet klassischen Sprudel, Rosport blue die Medium-Variante und Viva das kohlensäurefreie Wasser. Überschaubar ist auch die Marktentwicklung: Seit der industriellen Mineralwasserherstellung, die 1959 begann, geht es schlicht aufwärts. Derzeit werden knapp 160 000 Hektoliter abgefüllt, was mehr als 26 Millionen Flaschen entspricht.

Zwei Standbeine für den Hochwald



Thalfang/Schwollen. Die Hochwald-Sprudel Schupp GmbH ist an zwei Stand orten vertreten: Schwollen im Landkreis Birkenfeld und Thalfang im Kreis Bernkastel-Wittlich - einst als Diamant-Quelle am Markt bekannt. Das Familienunternehmen mit den drei Geschäftsführern Günter Schupp und Marco Schupp sowie Sven-Olaf Jensen gehört mit 250 Beschäftigten zu den größten Mineralbrunnen Deutschlands und hat zwei Standbeine: Zum einen die eigenen Mineralwassermarken Hochwald und Bergquelle, welche den klassischen regionalen Bezug aufweisen und ein Drittel des Geschäftsvolumens ausmachen. Die Gastronomie wird nicht beliefert, der Vertrieb läuft über Super- und Getränkemärkte. "Die Logistik kann zu Stoßzeiten ab Ostern in unserer Branche problematisch werden", erläutert Marco Schupp. "Wir sind immer lieferfähig, weil wir uns mit einer eigenen grünen Kiste von der üblichen braunen Normkiste unabhängig gemacht haben."

Investieren auch in Krisenzeiten



Das andere, zwei Drittel des Geschäfts umfassende Standbein ist die Lohnabfüllung für unternehmensfremde nationale Getränke- und Saftmarken. "Unser Alleinstellungsmerkmal für Mittel- und Nordeuropa ist es, auch Säfte aseptisch und ohne Konservierungsstoffe abfüllen zu können", nennt Marco Schupp einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil. Dafür waren Investitionen notwendig, die in Zeiten der Wirtschaftskrise zu finanziellen Engpässen führten. Die sind nun überstanden, und Schupp ist sicher: "Unsere Strategie erweist sich als richtig, die Marktlage ist positiv." Auch die eigenen Produktentwicklungen profitieren nach seinen Worten von der Kompetenz, sensible Produkte ohne Konservierungsstoffe herzustellen - etwa innovative Getränke mit weißem Tee und Quitte. Eine PET-Flasche mit Sportverschluss gehört zu den Neuerungen auf der Verpackungsseite. Regionale Verbundenheit signalisiert Hochwald Sprudel mit einer Aktion "Wasserkästen für Bücherkisten", mit der die Leseförderung für Kinder unterstützt wird.

Internationale Perspektiven



Gerolstein. Die Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG, die mehrheitlich zur Bitburger Holding GmbH gehört, ist nachweislich international führender Exporteur von kohlensäurehaltigem Mineralwasser. Die Absatzmärkte liegen nicht nur in einem Radius rund um den Quellort, sondern Gerolsteiner hat sich deutschlandweite Bedeutung erkämpft. Darüber hinaus wird das Mineralwasser schwerpunktmäßig in den USA, im Benelux-Raum sowie in Asien vertrieben. Unternehmenssprecherin Heike Görres betont trotz dieser vergleichsweise dominierenden Marktposition: "Wir sind nach wie vor ein klassischer Mittelständler mit sehr starker regionaler Verankerung."

Der Bodenständigkeit entspricht auch die Marketingstrategie: War Mineralwasser mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von nicht einmal 13 Litern in den 70er Jahren noch ein Nischenprodukt, dessen Mehrwert man erläutern musste, so stieg es in den 90er Jahren zum emotional beworbenen Lieblingsgetränk der Deutschen auf. Heute setzt Gerolsteiner angesichts einer gesundheitsbewussteren Klientel vor allem auf qualitative Argumente und sachliche Aufklärung über die besondere Mineralisierung.

Ein eigenes Besucherzentrum und die Anbindung der Abfüllstätte an eine gemeinsam mit Touristikern entwickelte "Georoute mit Stern" machen die Zusammenhänge transparent: Das Wasser im Quellgebiet wird aus Tiefen von bis zu 200 Metern gefördert und ist zwischen 60 und 100 Jahren alt. Geschäftsführer Axel Dahm hat sogar ein Kinderbuch "Die Tropfenreise" auf den Weg gebracht, das den Wasserkreislauf in der Vulkaneifel in ein Märchen kleidet.

Bei aller mittelständischen Solidität gilt Gerolsteiner branchenweit als innovationsstark. Als erster deutscher Brunnen führte das Unternehmen im Bereich Mehrweg 1998 eine 1-Liter-PET-Flasche ein, 2010 die Einliter-Glasflasche im Sechserkasten. Produktneuerungen wie die Linien Moment (stilles Wasser mit Tee und natürlichen Aromen), Naturell plus Frucht und Linée wurden erfolgreich platziert. "Jede Markteinführung braucht in der Regel zwei Jahre und ist aufwendig", erläutert Görres, "daher arbeiten wir mit professionellen Markt analysen und Verbraucherbefragungen."

Hundert Prozent Mehrweg



Daun. Die verschiedenen Varianten des Dauner Sprudels oder das Heilwasser Dunaris sucht man beim Discounter vergeblich. Die Dauner Sprudel GmbH bietet ausschließlich Getränke im Mehrwegsystem an, über 95 Prozent zudem in Glas flaschen und nur einen geringen Teil in PET. Das Wasser bekommt der Verbraucher in der Gastro nomie, über den Getränkefachhandel, in ausgewählten Supermärkten - und generell nur in einem Umkreis von unter 100 Kilometern um den Abfüllort Daun. Der eigene Fuhrpark übernimmt den Transport. "Sicher wäre es möglich, mit Kunststoffverpackungen rund 40 Prozent mehr Volumen pro LKW zu transportieren - und damit überregional aktiv zu sein. Aber wir halten unser bewusst regional zugeschnittenes System für die gesündeste und ökologischste Variante", sagt Geschäftsführer Harry Bergweiler.

Er sieht sich als Überzeugungstäter in Sachen Ressourcenschutz. "Gerade ein Mineralwasserproduzent geht mit einem Gut um, zu dem nur Nachhaltigkeit als Leitmotiv passt." Ein eigens entwickeltes Biogetränk aus Mineralwasser mit natür lichen Aromen - Zitrone-Holunderblüte - entspricht seiner Philosophie. "Am liebsten hätten wir ein Biogetränk ausschließlich mit heimischen Früchten entwickelt, aber deren saisonale Schwankungen sind zu groß."

Die strikte Regionalität er gebe einen engen Kontakt zu den Partnern im Handel und in der Gastronomie. Mit Wettbewerbsvorteilen für das mit 30 Mitarbeitern vergleichsweise kleine Unternehmen: "Wir arbeiten auf Augenhöhe mit meist familiengeführten Firmen, die uns weitergeben, was die Endverbraucher beispielsweise bei Gebindeformen oder Produktneuerungen wünschen." Eine Chance für die künftige Positionierung im Markt sieht Bergweiler auch in der geplanten Forcierung des Gesundheitstourismus' in Daun - schließlich liegt der Firmenstandort direkt am Kurpark der Kreisstadt.